#027 Typische Vorurteile in Sexualität und Partnerschaft

Veröffentlicht von Linda Mitterweger am

#027 Typische Vorurteile in Sexualität und Partnerschaft

Ein psychologischer Klärungsversuch

 

Heute werde ich mit sechs typischen Vorurteilen aufräumen, die mir immer und immer wieder begegnen, wenn es um die Themen Partnerschaft und Sexualität geht.
Vielleicht kommt dir der ein oder andere Irrglaube bekannt vor – dann freue ich mich, wenn du dich darauf einlässt, die eigenen Überzeugungen mal zu hinterfragen.

 

Du kannst die Folge direkt hier hören – oder auf Spotify & ITunes.

 

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Hier kannst du den Inhalt der Folge zudem als Blogpost nachlesen:

Hallo & Herzlich Willkommen zu dieser neuen Folge vom Paartherapie-Podcast – deinem Podcast für glückliche & erfüllte Beziehung.

Mein Name ist Linda Mitterweger – ich bin Psychologin & Online-Paartherapeutin und heute werde ich mal mit ein paar Vorurteilen aufräumen, die mir immer und immer wieder begegnen, wenn es um die Themen Partnerschaft und Sexualität geht.

Vielleicht kommt dir der ein oder andere Irrglaube bekannt vor – dann freue ich mich, wenn du dich darauf einlässt, die eigenen Überzeugungen mal zu hinterfragen.

Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit dieser Folge!

6 typische Vorurteile rund um Sexualität und Partnerschaft

Heute widme ich mich den sechs typischen Vorurteilen, die mir im Kontext Partnerschaft und Beziehung sowie Sexualität immer wieder begegnen.

Vielleicht hast du das eine oder andere davon selbst schon mal gehört oder auch selbst schon mal verwendet. Entweder weil du dir vielleicht noch nie Gedanken darüber gemacht hast, ob dieses Vorurteil wirklich wahr ist und es eher übernommen hast oder weil es sich für dich in deinem Leben immer wieder bestätigt hat.

Die Folge heute ist ein Klärungsversuch. Ein psychologischer Klärungsversuch.

Ich werde versuchen auch andere Seiten zu beleuchten als die, die in der Gesellschaft oft so viel Raum einnehmen. Diese sechs Vorurteile begegnen mir häufig und natürlich gibt es noch unzählige mehr. Wenn es ein Vorurteil gibt, das dir immer wieder begegnet, das dich immer wieder belastet, schreib mir sehr gern eine E-Mail, schreibe mir mit welchem Vorurteil du konfrontiert wirst, und ich werde versuchen in zukünftigen Folgen auch noch mit anderen Vorurteilen aufzuräumen.

Jetzt geht es aber erstmal los.

Vorurteil 1: Männer sind einfach; Frauen sind kompliziert!

Vielleicht hast du diesen Satz so oder so ähnlich ja auch schon mal gehört. Was soll ich sagen? Viel verallgemeinernder geht es jawohl fast gar nicht mehr.

Was mir besonders oft begegnet ist dieses Thema, dass Frauen so kompliziert sind. Und womit das ganz oft in Zusammenhang steht ist das Thema Emotionen im Allgemeinen. Mir begegnet also sehr oft dieses Vorurteil, dass Frauen sehr kompliziert sind, weil sie zu viel fühlen oder zu stark fühlen oder so undurchschaubar fühlen. Und was tatsächlich – wissenschaftlich gesehen – dahinter steckt sind Unterschiede in der Sozialisierung. Frauen und Männer sind unterschiedlich sozialisiert. Das bedeutet schon von früher Kindheit an wird Mädchen anders begegnet als Jungen – in den Familien, in der Gesellschaft, im Kindergarten, in der Schule, auf der Straße. Überall. Das ist ein kulturelles Thema. Und worin sich die weibliche und männliche Sozialisierung – neben sehr vielen anderen Faktoren – auch unterschiedet ist beispielsweise, dass Mädchen eher beigebracht wird über ihre Gefühle zu sprechen. Miteinander aber auch mit der Mutter beispielsweise. Und im Vergleich dazu wird Jungen eher abtrainiert über ihre Gefühle zu sprechen, es wird zumindest nicht so intensiv gefördert. Und daraus entwickelt es sich dann, dass Mädchen auch wenn sie älter werden auch als Frauen auch als Partnerinnen besser und mehr über ihre Gefühle sprechen können und wollen und Vorsicht: Auch hier sind es natürlich nicht ausnahmslos alle Frauen! Aber die Tendenz ist da – aus der Sozialisierung heraus.

Und dass dieses Ausdrücken von Gefühlen jetzt interpretiert wird als kompliziert sein… Naja – das ist ja dann das nächste Thema.

Was bitte ist einfach? Und was ist schon kompliziert?

Und damit kommen wir zum zweiten Vorurteil, das mir auch sehr oft begegnet:

Vorurteil 2: Die Anfänge sexueller Beziehungen sind heiß und kühlen mit der Zeit ab!

Und wie so oft muss man in diesem Fall einfach sagen: Das kann so sein – muss es aber nicht!

Es kann sein, dass man zu Beginn der Beziehung – ganz frisch verliebt – sexuell so aktiv ist wie danach nie wieder. Sich tagelang in den Laken wälzt, Spaß hat und dann über die Zeit das sexuelle Interesse aneinander verliert und das Bett nur noch zum Schlafen nutzt. Kann sein.

Oder aber man kann z.B. auch über die Zeit mutiger und selbstbewusster werden. Und Luft auf Neues miteinander bekommen. Oder auch darauf, die Beziehung zu öffnen. Neues im Sinne von neuen Sexualpartnern, eine offene Beziehung, ein gemeinsamer Besuch im Swinger Club. Es gibt unendliche Möglichkeiten. Und auch das kann heiß sein.

Woran misst man also die Qualität der Sexualität in der Beziehung?

  • An der Häufigkeit?
  • Am sexuellen Begehren füreinander?
  • Oder an der eigenen sexuellen Befriedigung in der Beziehung?

Genauso wie das Vertrauen, die Gemeinsamkeiten und das Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Partnerschaft und über die Dauer der Partnerschaft wachsen können, genauso kann auch die gemeinsame Sexualität wachsen. Oder eben auch nicht. Es lässt sich einfach nicht verallgemeinern.

Vorurteil 3: Es gibt fundamentale Unterschiede zwischen Mann und Frau!

Und dem möchte ich gar nicht widersprechen. Ich möchte es eher ausweiten und sagen:

Es gibt fundamentale Unterschiede zwischen Menschen.

Denn worauf dieses Vorurteil ja oft hinaus möchte ist sowas wie: Frauen sind emotional. Männer sind rational. Und das erlebe ich auch oft anders. Ich betreue Paare bei denen ist der Mann emotional und die Frau rational. Oder beide sind eher rational. Oder beide sehr emotional. Oder auch – was man vielleicht als klassisch bezeichnen möchte – der Mann rational und die Frau emotional. Aber das ist nicht der einzige Weg. Worauf dieses Vorurteil aus hinaus möchte ist das Thema Männer seien eher dominant, Frauen ordnen sich eher unter. Frauen brauchen eine starke Hand. Mag auf einige Frauen zutreffen. Auf andere nicht. Mag auf einige Männer zutreffen. Auf andere nicht. Kein Grund, hier zu verallgemeinern! Genauso zum Thema: Männer trennen Sex und Gefühle – für Frauen gehört das zusammen. Stimmt manchmal. Manchmal nicht.

Und deshalb nochmal: Es gibt fundamentale Unterschiede zwischen Menschen.

Und jeder Mensch hat seinen persönlichen Grund weshalb er genau so ist wie er ist und das ist gut so. Und das ist weder männlich noch weiblich noch nicht männlich noch nicht weiblich. Das ist alles gut und richtig so. Wir dürfen unterschiedlich sein und wir müssen vor allem nicht irgendwelchen Rollenklisches entsprechen.

Vorurteil 4: Sex ist natürlich und damit gut!

Das mag für viele Menschen stimmen. Und doch gibt es Menschen für die das nicht so ist.

Es gibt Menschen die schlechte Erfahrungen gemacht haben. Missbrauchserfahrung zum Beispiel. Für die ist Sex gerade nicht gut.

Es gibt Menschen, die sich unsicher sind in ihrer sexuellen Identität. Die noch nicht so gut mit der eigenen sexuellen Identität in Berührung kommen. Die vielleicht auch asexuell sind. Für die ist Sex nicht natürlich und nicht gut.

Und was es da wirklich gar nicht braucht ist Drängen oder so Sätze wie „Stell dich nicht so an.“

Es ist schön, wenn Sex für dich gut ist. Und wenn nicht, dann ist das auch ok. Dann bist du auch gut, so wie du bist.

Vorurteil 5: Es gibt ein „korrektes“ Niveau sexuellen Begehrens – nicht zu viel und nicht zu wenig!

Und das betrifft diesen Kontrast zwischen Sexsucht und Lustlosigkeit. Und das erlebe ich immer wieder. Das Menschen auch in der Beratung dieses Thema bringen, dass sie entweder ein ganz starkes Lustempfinden haben und gerne sehr sexuell aktiv sind und sich dann von ihrem Partner anhören müssen, dass sie sexsüchtig seien. Oder genau das Gegenteil: Dass sie nicht so viel Lust empfinden wie ihr Partner und sich dann sagen lassen, sie seien so lustlos. Sie wollten viel zu wenig Sex.

Und da kann ich einfach nur sagen: Es gibt nicht das eine richtige Maß.

Das muss jedes Paar für sich entscheiden! Und immer wieder neu entscheiden. Im Laufe der Beziehung kommt es zu Veränderungen: Körperliche Veränderungen, die Wechseljahre könne eine Rolle spielen. Mentale Veränderung, das Selbstbewusstsein verändert sich über die Jahre. Und all das verändert auch das Lustempfinden. Das sexuelle Begehren. Und da ist es wichtig gut im Austausch zu sein. Und wenn der Austausch mal verloren gegangen ist, dann sich wieder heran tasten. Wieder in Austausch gehen. Gemeinsam sich einpendeln auf einem guten Level. Und nicht nach der einen goldenen Lösung suchen – die gibt es nicht!

Und damit sind wir schon beim finalen Vorurteil Nummer 6.

Vorurteil 6: Der Orgasmus muss gut getimed sein!

Männer sollten nicht zu früh kommen – Frauen können gar nicht zu früh kommen.

Das sind die Annahmen, die relativ flächendeckend bestehen.

Und auch hier nochmal: Das kann stimmen, muss es aber nicht!

Der Orgasmus ist nur ein Teil der Sexualität. Sexualität findet auch statt in Gesprächen, Berührungen, Gedanken – was auch immer für dich Sexualität ist.

Mach dir da vielleicht auch einfach mal Gedanken darüber:

  • Wo fängt für dich Sexualität an?
  • Beim Geschlechtsverkehr? Oder schon früher?
  • Bedeutet für dich kein Geschlechtsverkehr auch keine Sexualität zu leben?
  • Dreht sich wirklich alles nur um den Orgasmus?
  • Oder was ist Sexualität für dich?
  • Was ist Sexualität für euch als Paar?

Und diese Frage die kannst du jetzt gerne in deinen Tag mitnehmen.

Ich hoffe du hast ein paar Anregungen bekommen. Konntest ein bisschen Umdenken.

Ich freu mich sehr, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist!

Vielleicht kommt dir das eine oder andere Vorurteil bekannt vor. Vielleicht hast du auch eine Anregung erhalten, es mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Ich freue mich, wenn du mir schreibst und mir von deinen Erfahrungen mit diesen Vorurteilen berichtest oder mir von weiteren Vorurteilen erzählst, die dir begegnen!

Ich wünsche dir alles Gute! Komm für weiteren Austausch gerne in meine Facebook-Gruppe „Paartherapie-Podcast – Glückliche & Erfüllte Beziehungen leben“. Ich freu mich auf dich!

Lass es dir gut gehen,

mach’s gut und bis bald!

Deine Linda

 

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Linda Mitterweger Psychologe Psychologin Berater Beraterin PSY-ON HilfeLinda Mitterweger  (Psychologin)

Ich helfe Menschen eine glückliche und erfüllte Partnerschaft zu leben – in Nahbeziehung und auch in Fernbeziehungen, trotz der Distanz. Ich selbst habe bereits viele Jahre Fernbeziehungen geführt und kenne die Herausforderungen, die diese Beziehungsform bietet – aber auch die Chancen. Mit meiner Unterstützung kannst du die Kommunikation und Offenheit in deiner Beziehung stärken und so gute Lösungen für die Herausforderungen finden, die sich dir in deinem Leben und in deiner (Fern-)Beziehung stellen. Neben der Fernbeziehungsberatung biete ich Online-Paartherapie über Videochat an. Kontaktiere mich für deine 90-minütige Power-Session oder verabrede direkt online deinen nächsten Termin.


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