#031 Beziehungsfähig werden! Ist das möglich?

Veröffentlicht von Linda Mitterweger am

#030 Beziehungsfähig werden! Ist das möglich?

Erkenntnisse aus der Bindungsforschung

Heute widme ich mich dem Thema „Beziehungsfähigkeit“.
Ich habe die wichtigsten Erkenntnisse der Bindungsforschung für dich zusammen gefasst.
Du erfährst,

  • welche Bindungstypen es gibt,
  • wie Bindungsverhalten entsteht und
  • was du tun kannst, wenn du oder dein Partner Schwierigkeiten haben, sich auf die Partnerschaft einzulassen.

Ich wünsche dir viele neue Erkenntnisse und viel Spaß mit dieser Folge!

 

Du kannst die Folge direkt hier hören – oder auf Spotify & ITunes.


 

Komm sehr gerne in meine neue Facebook Gruppe „Paartherapie Podcast – Glückliche & Erfüllte Beziehungen leben“ und tausche dich dort mit mir persönlich und anderen Podcast-Hörern über die Themen Partnerschaft, Liebe & Paartherapie aus!

 

Hier kannst du den Inhalt der Folge zudem als Blogpost nachlesen:

Hallo & Herzlich Willkommen zum Paartherapie Podcast – deinem Podcast für glückliche & erfüllte Beziehungen. Mein Name ist Linda Mitterweger – ich bin Psychologin & Online-Paartherapeutin und heute widme ich mich dem Thema „Beziehungsfähigkeit“.

Ich habe die wichtigsten Erkenntnisse der Bindungsforschung für dich zusammen gefasst.

Du erfährst,

  • welche Bindungstypen es gibt,
  • wie Bindungsverhalten entsteht und
  • was du tun kannst, wenn du oder dein Partner Schwierigkeiten haben, sich auf die Partnerschaft einzulassen.

Ich wünsche dir viele neue Erkenntnisse und viel Spaß mit dieser Folge!

 

Menschen streben nach Bindung und Beziehung!

In meiner Facebook-Gruppe ist vor kurzem das Thema „Bindungstypen, Bindungsstile, Beziehungsfähigkeit“ aufgekommen und damit die Frage:

  • Welche Beziehungsstile gibt es?
  • Was macht Menschen beziehungsfähig?
  • Und was können Paare tun, die aktuell über keine so starke Bindungsfähigkeit verfügen.

Und diesen Fragen widme ich mich heute!

Menschen streben nach Bindung, Zugehörigkeit und Verbundenheit.
In der Psychologie gibt es sogar ein Wort dafür: Das sog. „Gesellungsstreben“
In der Kindheit entwickeln wir den Wunsch nach Bindung zu unseren engsten Bezugspersonen, i.d.R. unseren Eltern. Im späteren Leben nehmen zudem auch Freunde, der eigene Partner und auch die eigenen Kinder diesen Platz mit ein.

Ein Mensch, der fähig ist eine sichere Bindung einzugehen – ich werde dir gleich noch genauer erklären, wie das zustande kommt – erkennt sein Bindungsverhalten an 4 Aspekten:

  • Er sucht die Nähe der anderen Person,
  • Leidet unter der Trennung von ihr,
  • Freut sich auf die Rückkehr dieser Person und
  • Orientiert sich auch dann an der Person, wenn sie sich nicht in unmittelbarer Nähe aufhält.

Aber wer oder was entscheidet jetzt darüber, ob wir diese sichere Bindung entwickeln – und was wenn nicht?

 

Die Bindungstheorie nach Bowlby

Dafür kann man sich mit der Bindungstheorie des englischen Psychiaters John Bowlby auseinandersetzen. Der unterscheidet verschiedene Ausprägungen der Bindung in zwei Grundtypen: Der sicheren Bindung und der unsicheren Bindung.

Eine sichere Bindung in der Kindheit entsteht durch die Feinfühligkeit der Hauptbezugsperson – ganz oft der Mutter. Wie feinfühlig sie auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht entscheidet letztlich, wie das Bindungsverhalten ausgeprägt ist. Und die Feinfühligkeit zeigt sich beispielsweise darin, dass die Mutter das Kind ermutigt, ihm Wärme und Mitgefühl schenkt und das Kind auch emotional unterstützt. Damit steigt die Chance, dass das Kind eine sichere Bindung erfährt. Und das zeigt sich dann auch wieder im Verhalten: Sicher gebundene Kinder weinen weniger, zeigen mehr positive als negative Reaktionen, wenn sie z.B. auf den Arm genommen werden. Unsicher gebundene Kinder ziehen sich eher zurück, vermeiden Nähe oder klammern und genau das zeigt dieses typisch ängstlich-ambivalente Verhalten, das einige unsicher gebundene Menschen an den Tag legen.

 

Es gibt sicher gebundene und unsicher gebundene Menschen

Hier direkt die gute Nachricht: Bowlby ist überzeugt, dass es sich bei der Bindung um eine lebenslange Entwicklung handelt und das eigene Bindungsverhalten nicht – wie zum Beispiel Freud das annimmt – in der frühen Kindheit festgelegt wird und eine negative Entwicklung dann das ganze Leben überschattet. Nein! In der frühen Kindheit werden die Weichen gestellt, die Richtung wird angegeben aber durch neue Beziehungserfahrungen kann man davon abweichen. Und nicht nur das: Neue Erfahrungen werden zudem stärker gewichtet als lang zurück liegende Erfahrungen. Das kann jetzt bedeuten, dass Erfahrungen, die wir erst kürzlich als Erwachsene in unserer Partnerschaft gemacht haben, unser aktuelles Bindungsverhalten mehr prägen als beispielsweise die Eltern-Kind-Beziehung.

Und deshalb: Wenn du oder dein Partner in der Kindheit negative Erfahrungen gemacht habt. Wenn ihr keine Feinfühligkeit im Elternhaus erfahren habt, da keiner sichere Bindung erfahren konntet – macht euch nicht zu viele Gedanken darüber. Ihr könnt das jetzt miteinander korrigieren und euer Bindungsverhalten noch verändern.

 

Du kannst dein Bindungsverhalten verändern!

Und deshalb möchte ich dir jetzt erzählen, wie das Bindungsverhalten bei Erwachsenen ausgeprägt sein kann, wie das entsteht und welche Rolle das auch in der Partnerschaft spielt.
Ich habe ja schon gesagt, dass es zwei Grundtypen der Bindung gibt:

  •  Sicher gebundene Menschen und
    Unsicher gebundene Menschen.

Und in dieser letzten Kategorie, in der unsicheren Bindung, kann man nochmal unterscheiden zwischen Menschen, die

  •  Unsicher ängstlich-ambivalent gebunden sind und solchen, die
  •  Unsicher-vermeidend gebunden sind.

In der Partnerschaft merkt man sehr schnell, wie man selbst aber auch der Partner gebunden ist, vielleicht kannst du dich direkt selbst einordnen:

  • Der sicher gebundene Typ,

und dazu gehören ca. 50 Prozent der Bevölkerung, der fühlt sich mit Nähe wohl, kann aber auch Distanz gut ertragen und ist in der Lage, eine stabile Partnerschaft zu führen. Sicher gebundene Typen sind eher selten Single sondern fast immer in Beziehungen – und auch in langjährigen Beziehungen. Es gibt Studien, die zeigen, dass sicher gebundene Menschen länger zusammen bleiben und seltener geschieden werden als unsicher gebundene.
Trotzdem, wie gesagt: Ist dein Bindungstyp ja nicht in Stein gemeißelt.

Vielleicht bist du aktuell auch eher

  • der unsicher-vermeidende Bindungstyp,

genauso wie ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung. Dann bedeutet Nähe und Intimität für dich oft auch den Verlust der Unabhängigkeit. Und du suchst vielleicht die Distanz, weil dir Autonomie und Selbstbestimmung die wichtigsten Werte sind. Das kann sein, dass du dich nach Nähe sehnst aber gleichzeitig auch Abstand brauchst. Und dann kann es eben sein – typischerweise – dass du sehr gemischte Signale sendest und dich sehr zweideutig ausdrückst.

Oder – Typ drei –, ebenfalls von ca. 20 Prozent der Bevölkerung vertreten,

  • der ängstlich-ambivalente Beziehungstyp.

Der braucht viel Nähe und sorgt sich, ob sein Partner ihn genug liebt. Wenn dieser Beziehungstyp sich zurückgewiesen fühlt, verstärkt er seine Bemühungen noch, denn er glaubt „Liebe müsse man sich verdienen.“ – und genau hier sieht man, wie stark auch Glaubenssätze das eigene Bindungsverhalten beeinflussen! Denn beim ängstlichen Bindungstyp steckt ganz oft die Überzeugung dahinter: „Ich bin nicht gut genug!“

Und wenn du jetzt mitgerechnet hast, wirst du merken, dass da noch ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung übrig bleibt – um die 10 Prozent. Und da gibt es noch einen vierten, eher unbekannten, Bindungsstil:

  •  Den Gleichgültig-vermeidenden Bindungstyp

Menschen dieses Bindungsstils sind wenig bereit, sich zu binden. Sie möchten sich selbst genügen. Im Unterschied zum unsicher-vermeidenden Bindungstyp haben Sie keinen Wunsch nach Nähe und Intimität.

 

Die Bindungstypen hängen mit der Beziehungsfähigkeit zusammen

Wie ich gerade schon angedeutet habe, gehen mit jedem Bindungsstil auch typische Glaubenssätze einher. Und auf Basis dieser Glaubenssätze entwickeln sich sogenannte Handlungspläne. Als Menschen leiten wir also aus unseren bisherigen Erfahrungen her, wie wir uns in Zukunft verhalten sollen und das hängt maßgeblich davon ab, wie wir gebunden sind.

Nehmen wir an, einer Person hat schlechte Erfahrungen mit den Bezugspersonen ihrer Kindheit oder auch mit früheren Partnern gemacht. Sie ist unsicher gebunden und hat innere Überzeugungen und Glaubenssätze, die ihr sagen, dass Menschen in Partnerschaften nicht verlässlich sind. Davon geht sie aus. Wenn sie jetzt doch auf jemanden trifft und sich darauf einlässt, der sicher gebunden ist, der zuverlässig und treu ist, sammelt sie widersprüchliche Erfahrungen. Und im Laufe der Zeit kann das dann dazu führen, dass ihre inneren Überzeugungen verändert werden und dass die unsichere Bindung zu einer sicheren Bindung wird.

Was sich tatsächlich ändert, wenn sich das Bindungsverhalten ändert, sind zwei Faktoren, die den Bindungstypen zugrunde liegen.
Die Qualität der Bindung hängt nämlich von folgenden zwei Faktoren ab:

  • Der Ausprägung der Bindungsangst,

also: Wie sehr fürchte ich mich davor, feste Bindungen einzugehen?
Wenn die Bindungsangst sehr hoch ausgeprägt ist geht man eher mit einer sehr misstrauischen und angespannten Haltung Beziehungen ein.

  • Der zweite Faktor, der die Qualität der Bindung bestimmt, ist die Ausprägung der Bindungsvermeidung

also: Wie sehr vermeide ich es, mich fest zu binden?
Wenn die Bindungsvermeidung sehr hoch ausgeprägt ist liegt eher eine geringe Bindungsbereitschaft vor und die betreffenden Personen haben wenig Motivation, in diese Beziehung zu investieren und sich dafür einzusetzen.

 

Bindungstyp: Zu welchem gehörst du?

Sichere Bindung bedeutet also: Niedrige Bindungsangst kombiniert mit niedriger Bindungsvermeidung.
Während eine hohe Angst und eine hohe Vermeidung z.B. einen ängstlich-vermeidenden Bindungsstil kennzeichnen.

Studien haben gezeigt, dass am häufigsten tatsächlich die Beziehungen auftreten, in denen beide Partner sicher gebunden sind.
Partner, die beide unsicher-vermeidend oder beide ängstlich-ambivalent eingestellt sind, sind eher selten in einer Beziehung.
Häufiger ist es so, dass ein Partner – tatsächlich eher der Mann – unsicher-vermeidend ist während der andere Partner – Studien zufolge sind das oft Frauen – ängstlich-ambivalent gebunden ist. Und das führt zu ganz typischen Problemen:

  • In solchen Partnerschaften wird eher destruktiv statt konstruktiv mit Konflikten und Problemen umgegangen.
  • Die Konflikte eskalieren auch viel häufiger als in sicher gebundenen Partnerschaften.
  • Und es kommt relativ häufig zu Streit.

Und deshalb wundert es natürlich nicht, dass es Studien gibt, die zeigen, dass die Beziehungszufriedenheit und Stabilität in Partnerschaften am höchsten ist, in denen gegenseitig eine sichere Bindung verwirklicht wird.

 

Tipps für mehr Beziehungsfähigkeit und sichere Bindung

Wenn deine Beziehung allerdings unter einer unsicheren Bindung leidet, heißt das nicht unbedingt, dass ihr keine Zukunft habt und das für immer so bleiben muss.
Ihr solltet lernen

  • eine positive Kommunikation in der Beziehung zu etablieren,
  • die Konflikte zu minimieren
  • und euch miteinander übereinander auszutauschen – darüber, wie ihr Situationen empfindet, wie es euch geht.
  • Ihr solltet gemeinsam herausfinden, wie ihr eine verlässliche Bindung erleben könnt, ohne dass sich einer von euch dabei eingeschränkt fühlt.

Und das kann schwierig sein, vor allem, wenn man das vorher noch nie so gemacht hat. Und deshalb kann bei unsicherer Bindung eine Paartherapie, die auf den Erkenntnissen der Bindungstheorie aufbaut, förderlich sein. Ihr solltet also sicherstellen, dass der Paartherapeut oder die Paartherapeutin, an die ihr euch wendet, die Bindungstheorie wirklich gut kennt.

Und dann sind die Erfolgsaussichten für eure Beziehung auf jeden Fall positiv!

Also: Wenn ihr feststellt, dass ihr aktuell noch unsicher gebunden seid, dass ihr aktuell noch nicht so sehr beziehungsfähig seid, dass ihr da noch Veränderungen braucht, dass ihr vielleicht Unterstützung braucht – dann ist die wunderbare Nachricht: Ihr habt das in der Hand. Ihr müsst euch nicht damit abfinden, wie die Situation aktuell ist. Was ihr vielleicht an negativen Erlebnissen aus eurer Kindheit mitgebracht habt. Was ihr vielleicht an schwierigen Situationen in früheren Beziehungen meistern musstet. Das beeinflusst euer Bindungsverhalten nur temporär. Ihr könnt das ändern. Findet heraus was dahinter steckt, arbeitet an diesen Überzeugungen und Glaubenssätzen und lasst diese unsichere Bindung hinter euch. Ihr könnt gemeinsam den Weg gehen hin zu einer sicher gebundenen Partnerschaft. Ich wünsche euch ganz viel Erfolg dabei!

 

Verbessere deine Beziehungsfähigkeit!

Vielleicht konntest du dich direkt in einen der vier Bindungstypen einordnen. Sicher weißt du jetzt, ob du sicher oder unsicher gebunden bist. In jedem Fall hast du heute einige Information zum Thema Bindungstheorie mitbekommen und sicher auch den ein oder anderen Tipp, wie du die Bindungsfähigkeit in deiner Partnerschaft steigern kannst.
Wenn du heute was aus dieser Folge mitnimmst freue ich mich sehr über eine Bewertung bei Itunes oder eine E-Mail von dir! Erzähl mir, wie diese Folge dir weiter hilft!
Wenn du dir selbst mal ein Thema im Podcast wünschst, schreibe mir oder komm in meiner Facebook Gruppe „Paartherapie Podcast – Glückliche & erfüllte Beziehungen leben“ – die Gruppe wächst immer mehr und ich freue mich so sehr auf Austausch dort.
Mach’s gut,
lass es dir gut gehen und bis bald,
deine Linda

 

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Linda Mitterweger Psychologe Psychologin Berater Beraterin PSY-ON HilfeLinda Mitterweger  (Psychologin)

Ich helfe Menschen eine glückliche und erfüllte Partnerschaft zu leben – in Nahbeziehung und auch in Fernbeziehungen, trotz der Distanz. Ich selbst habe bereits viele Jahre Fernbeziehungen geführt und kenne die Herausforderungen, die diese Beziehungsform bietet – aber auch die Chancen. Mit meiner Unterstützung kannst du die Kommunikation und Offenheit in deiner Beziehung stärken und so gute Lösungen für die Herausforderungen finden, die sich dir in deinem Leben und in deiner (Fern-)Beziehung stellen. Neben der Fernbeziehungsberatung biete ich Online-Paartherapie über Videochat an. Kontaktiere mich für deine 90-minütige Power-Session oder verabrede direkt online deinen nächsten Termin.


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