#043 I Narzisstische Partner & Toxische Beziehungen – Experten-Interview

Veröffentlicht von Linda Mitterweger am

Narzisstische Partner & Toxische Beziehungen

Experten-Interview mit Susanne Kraft

 

Heute spreche ich mit der Narzissmus-Expertin und Drehbuchautorin Susanne Kraft über toxische Beziehungen, dysfunktionale Beziehungen, Beziehungen mit Narzissten.

Susanne berät Menschen, die sich aus Beziehungen mit Narzissten befreien wollen oder unter den Folgen dieser Beziehungen leiden.

Wir sprechen darüber,

  • was eine toxische Beziehung ist und
  • woran man diese erkennt.
  • Woran man merkt, dass der eigene Partner narzisstisch ist.

Susanne erklärt

  • wie man sich vor diesen Beziehungen schützen kann und
  • auf welche Warnsignale man achten muss.

Du erfährst

  • wie und mit welchen Methoden Narzissten überhaupt in sozialen Beziehungen und Partnerschaften manipulieren
  • und wie du aus einer solchen Beziehung wieder raus kommst.

All das wird dir Susanne Schritt für Schritt erklären.

Ich wünsche dir ganz viel Spaß und viele neue Erkenntnisse – denn auch für mich war diesmal so einiges Neues dabei!

Du erfährst mehr über Susanne und ihre Arbeit auf www.susannekraft.com.

 

Du kannst die Folge direkt hier hören – oder auf Spotify & ITunes.

Die wichtigsten Botschaften aus dem Interview mit Susanne und Antworten auf die wichtigsten Fragen kannst du zudem in dieser Woche auch ganz bequem als Blogpost nachlesen!

Komm sehr gerne in meine neue Facebook Gruppe „Paartherapie Podcast – Glückliche & Erfüllte Beziehungen leben“ und tausche dich dort mit mir persönlich und anderen Podcast-Hörern über die Themen Partnerschaft, Liebe & Paartherapie aus!

 

Typische Merkmale von toxischen Beziehungen

 

Hier kannst du das komplette Interview zudem im Detail nachlesen:

Willkommen beim ersten Interview-Special im Paartherapie-Podcast!

Mein Name ist Linda Mitterweger – ich bin Psychologin und Online-Paartherapeutin und heute spreche ich mit der Narzissmus-Expertin und Drehbuchautorin Susanne Kraft über toxische Beziehungen, dysfunktionale Beziehungen, Beziehungen mit Narzissten.

Susanne berät Menschen, die sich aus Beziehungen mit Narzissten befreien wollen oder unter den Folgen dieser Beziehungen leiden.

Wir sprechen darüber,

  • was eine toxische Beziehung ist und
  • woran man diese erkennt.
  • Woran man merkt, dass der eigene Partner narzisstisch ist.

Susanne erklärt

  • wie man sich vor diesen Beziehungen schützen kann und
  • auf welche Warnsignale man achten muss.

Du erfährst

  • wie und mit welchen Methoden Narzissten überhaupt in sozialen Beziehungen und Partnerschaften manipulieren
  • und wie du aus einer solchen Beziehung wieder raus kommst.

All das wird dir Susanne Schritt für Schritt erklären.

Ich wünsche dir ganz viel Spaß und viele neue Erkenntnisse – denn auch für mich war diesmal so einiges Neues dabei!

 

Eine Beziehung mit einem Narzissten führen

 

Linda:

Schön, dass Du da bist, ich freue mich sehr! Ich begrüße Dich heute als ersten Gast in meinem Podcast. Ich hatte ja noch nie einen Gast und ich finde es total schön, dass Du heute mein erster Gast bist! Es ist mir eine Ehre, dass Du auch meiner Einladung gefolgt bist. Und heute sprechen wir über Deine Arbeit und auch über das Thema Narzissmus, narzisstische Beziehungen, giftige, abhängig machende, toxische Beziehungen – da werden wir später noch genauer darauf eingehen. Ich möchte erst mal erzählen woher wir uns kennen. Und zwar haben wir in München vor mehreren Jahren – 2 oder 3 Jahre ist es jetzt her – zusammen eine Ausbildung angefangen an dem Institut für systemische Weiterbildung und wir werden in wenigen Wochen unsere Ausbildung dort auch abschließen. Dieses Interview ist für mich auch irgendwie so der Abschluss dieser Zeit. Ich finde es schön, dass Du jetzt hier bei mir sitzt. Ich habe Dich eingeladen, weil ich weiß wie viel Expertise Du auf dem Gebiet hast. Und weil ich immer viele Nachrichten bekomme per E-Mail, von Lesern, die in solchen Beziehungen stecken und nicht mehr richtig weiterwissen. Und ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht der Experte auf dem Gebiet bin und dass gleich Du mir eingefallen bist. Und ich mir dachte, ich lade Dich heute ein um darüber zu sprechen. Ich weiß, dass Du Dich seit einem guten Jahrzehnt mit dem Thema auseinandersetzt. Emotionale Abhängigkeit, narzisstische Störung, toxische Beziehung und dass Du aber eigentlich aus einer ganz anderen Richtung kommst – nämlich vom Drehbuch her. Und jetzt möchte ich Dir einfach die Chance geben, Dich mal selbst vorzustellen und über Dich zu erzählen.

 

Susanne:

Ja, sehr gerne. Also erstmal, Linda, vielen Dank für die Einladung – ehrt mich sehr und ich komme sehr, sehr gerne zu Dir in den Podcast. Der Weg vom Drehbuch zur Beratung war ein spannender Weg und für mich sehr stimmiger Weg. Ich habe diese Themen, die Du angezählt hast, eigentlich alle in meiner eigenen Biografie. Das war mir lange nicht so bewusst, bis die Schwierigkeiten überhandnahmen und ich anfing mich damit auseinanderzusetzen und zwar ganz, ganz intensiv. Das war also erstmal so ein Weg der Selbstheilung, würde ich sagen, um daran zu wachsen und mich da weiterzuentwickeln. Und als ich merkte, ich habe durch diese Arbeit und Auseinandersetzung mittlerweile ungeheuer viel Wissen angesammelt. Ich werde oft auch befragt als Spezialistin. Es kommen viele zu mir und sagen, Du kennst Dich damit aus, kannst Du mir helfen? Und so kam es dann zu der Entscheidung, sich einfach auch professionell da noch mal Instrumente, Methoden und Wissen zu holen und auch eine Grundhaltung – würde ich jetzt sagen – in der Herangehensweise an diese wirklich ungeheuer komplexe und schwierige Thematik, wo es viel gegenseitige Schuldzuweisungen gibt und einfach viele Vorwürfe auch im Raum stehen, die nicht wirklich weiterhelfen. Und an der systemischen Arbeit schätze ich sehr die wertschätzende Grundhaltung. Das finde ich ungeheuer wichtig, dass jeder seinen Raum bekommt und dass man sieht: alles ist ein System. Nichts existiert einzeln vor sich hin rotierend, sondern wir hängen alle miteinander zusammen und wenn ich in so eine Partnerschaft gehe, dann sagt das auch etwas über mich. Dann kann ich da auch in mir einen unglaublichen Ressourcenschatz wiederfinden. Und im Moment sieht es so aus, als würde ich meinen Beruf der Drehbuchautorin ganz, ganz gut mit der psychologischen Beratung verbinden können, weil wir auf so kreative Ansätze stoßen. Also wir gehen weg aus diesem Klagen oder „Blaming“ – wie es in der Szene vielmehr heißt – und gehen viel, viel mehr in kreative Ansätze. Was kann ich daraus machen, was kann ich daraus entwickeln? Also im Drehbuch geht es ganz viel um Stoffentwicklung. Wir brauchen neue Stoffe, jeder will immer neue Geschichten hören und so machen wir in der Beratung auch so eine Art Stoffentwicklung. Sodass wir sagen: Was haben wir denn an Material, an Geschichten, an Drama, an Protagonisten? Und wie lässt sich daraus eine gute Geschichte entwickeln?

Und so kommt dann beides langsam, aber ganz schön auch in der Beratungsarbeit zusammen.

 

Toxische Beziehung was ist das

 

Linda:

Ja, ich finde es eine total spannende Kombination. Tatsächlich hast Du ja in den letzten Jahren schon einiges an Erfahrung in der praktischen Beratungsarbeit gesammelt. Du hast schon viele Stunden Menschen beraten, die in toxischen Beziehungen sind, die in Beziehungen mit Narzissten sind, die da vielleicht keinen so guten Weg rausfinden, die darunter leiden. Worüber wir auch schon oft gesprochen haben, ist dieses Thema toxische Beziehung, giftige Beziehung, abhängig machende Beziehung. Was ist jetzt eigentlich was?

 

Susanne:

Ja, also da kursieren ganz, ganz viele Begriffe. Toxisch wird gern genommen, weil es so griffig ist. Da entfaltet sich ein ganzer bildlicher Sprachraum dahinter. Da geht es um Gift, da geht es um „abhängig machen“, da geht es auch um Wirkungen von Gift. Das hat auch sowas Endgültiges. Wenn ich vergiftet bin – so quasi – gibt es denn dann ein Gegengift, oder führt es automatisch zum Tod? Also da geht so eine ganz farbige Begriffswelt automatisch auf – es ist aber ein populärwissenschaftlicher Begriff. Also wenn man das runterbricht, da ein bisschen so die Spitzen und das Drama rausnimmt, dann kommt man auch gut zurecht mit Begriffen wie „schädliche Beziehung“, „ungesunde Beziehung“, „eine destruktive, eine schwierige Beziehung“. Und das hilft im Dialog mehr, als wenn ich sozusagen so etwas ganz Zugespitztes wie „toxisch“ benutze. Wie gesagt, wir erkennen an dem Begriff schnell worum es geht. Aber er ist in der Auseinandersetzung, in der Aufarbeitung, nicht mehr so hilfreich, weil wir unglaublich schnell in der verletzten Opferrolle einfach festgefroren sind und da nicht mehr rauskommen. Wenn ich vergiftet bin, bin ich vergiftet. Was soll ich dann tun? Und wenn man sagt, es ist schädlich, es ist ungesund, dann kann ich mich ja entscheiden. Will ich dieses Schädliche, Ungesunde weiter in meinem Leben haben oder möchte ich mich langsam daraus entfernen? Man erkennt diese „nicht normalen“ – sag ich jetzt mal – schwierigeren Partnerschaften oder Beziehungen daran, dass sie uns viel mehr Kraft kosten als sie geben und dass sie auf Dauer körperlich und seelisch krank machen. Und dass, ja – wie es oft auch so im Netz heißt – dass Liebe regelrecht weh tut. Also daran erkennt man es eigentlich am deutlichsten. Wenn Liebe, wenn Partnerschaft, Beziehung – auch in der Familie übrigens, Mutterliebe, Vaterliebe, Geschwisterliebe – wenn das weh tut, wenn man sich dauernd unwohl fühlt, nicht angenommen fühlt, dauernd herabgesetzt fühlt, dann sollte man aufhorchen und sich die Sachen gut anschauen, ob da nicht eine ungesunde, schädliche Beziehung vorliegt.

 

Woran erkennt man toxische Beziehungen

 

Linda:

Das ist auf jeden Fall schon mal ein guter Hinweis. Jetzt kann ich mir trotzdem vorstellen, dass viele Menschen sich denken. Ja, in der Beziehung gibt es immer mal schlechte Phasen und eine Beziehung ist immer mal schwierig oder vielleicht nach einem großen Vertrauensbruch. Sagen wir mal, nachdem ein Partner fremd gegangen ist. Das schadet Beziehungen. Da tut es weh. Woran erkenne ich den Unterschied? Woher weiß ich wirklich, mein eigener Partner ist narzisstisch, das ist jetzt nicht nur eine Phase, die wieder vorbei geht?

 

Susanne:

Also es ist ein deutlich erhöhter Stresspegel. Es gibt deutlich mehr Streit. Streit, der gerne ausgesprochen dramatisch geführt wird und auch endet. Also in einer normalen Partnerschaft glaube ich, streitet man normal, kommuniziert normal. Es gibt aber auch immer wieder Friede, es wird aber auch immer wieder mal ruhig.

 

Linda:

Es gibt Krach und es gibt auch Versöhnung.

 

Susanne:

Genau, und auch der Krach wird nicht wirklich gleich bedrohlich. Oder es gibt vielleicht dieses Machtgefälle in der normalen Partnerschaft nicht. Weil in der Beziehung mit einem Narzissten ganz besonders, gibt es ein ganz großes Machtgefälle. Der Narzisst beansprucht die Dominanz, die Macht und die Führung in der Beziehung. Und die lässt er sich auch nicht nehmen. Das heißt, wenn man da einen Anspruch erhebt, dann knallt es wirklich. Und das macht auch die Abhängigkeit dann wiederum aus. Also wenn einer sagt: ‚Ja, ich bin der Boss‘ und ich unterwerfe mich ihm, gehe ich automatisch in die Abhängigkeit. Und auch daran erkennen wir, dass wir uns eher in so einer schwierigen Beziehung befinden. Wenn der Gedanke an die Trennung ausgesprochen schwierig für uns wird, also wenn wir uns nicht vorstellen können uns zu trennen. Wenn wir uns ein Leben ohne den Partner nicht vorstellen können. Wenn das ein Ding der Unvorstellbarkeit ist. Wenn das Ängste auslöst – gravierende, große Ängste auslöst. Wie gesagt, eigentlich alles, was mehr und anders als normal ist. Niemand will sich trennen in einer Partnerschaft, klar. Aber wenn man merkt es geht nicht mehr, fängt man an abzuwägen. Und überlegt sich, wäre es vielleicht nicht besser ohne ihn oder mit jemand anders? In der toxischen Partnerschaft, um den Begriff nochmal zu verwenden, ist es ein Ding der Unmöglichkeit – es kommt einem Todesurteil gleich. Man kann es sich nicht vorstellen. Es ist unendlich schwer an Trennung zu denken und wenn man sich zu einer Trennung entscheidet, oder eine Trennung abverlangt wird, ist es wirklich der reine Entzug. Körperlich und seelisch. Was hochinteressant ist, da man ja keine Droge zu sich genommen hat, aber man hat einen körperlichen Entzug, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Unruhezustände, Schweißausbrüche. Alles, als hätte man jahrelang eine Droge genommen.

 

Tipps für toxische Beziehungen

 

Linda:

Wahnsinn! Das heißt diese Unfähigkeit sich zu trennen, diese Unfähigkeit sich zu lösen – trotz des Wissens – dass es nicht guttut, dass es vielleicht auch schädlich ist. Das zeigt Dir, wie stark diese Abhängigkeit da wirklich ist! Gibt es jetzt Möglichkeiten, sich davor zu schützen in so einer Beziehung zu landen. Gibt es Warnsignale?

 

Susanne:

Womit solche Beziehungen, gerade wenn man es mit einem Narzissten zu tun hat, gerne beginnen ist: ein romantisches Feuerwerk, ein Fest der Liebe. Wenn es zu viel des Guten ist und wenn dieser Mann sofort einen Heiratsantrag macht oder einem 27 SMS am Tag schickt oder einen mit Geschenken überschüttet oder einem in die Augen schaut und sagt: Du bist die, auf die ich mein Leben lang gewartet habe. Wir zwei sind seelenverwandt, mit Dir will ich 5 Kinder haben, Du bist die Liebe meines Lebens. Nicht dass es verkehrt ist, das kann auch ernst gemeint sein. Da will ich niemandem seine Romantik nehmen. Aber wenn es ein bisschen zu viel ist oder wenn man sich denkt, dass ist jetzt zu gut um wahr zu sein. Dieser Gedanke „zu gut um wahr zu sein“, dann bitte, bitte genau hinschauen. Vielleicht hat man einen Sechser im Lotto gezogen, vielleicht gibt es das in dieser Welt. Aber auf jeden Fall erstmal genau hinschauen. Wie geht’s mir dabei? Wie fühle ich mich? Gibt es irgendwie eine innere Stimme, die warnt? Die irgendwie sagt, „Moment mal“, „pass mal auf“. Lass den gern da seine Party organisieren und das berühmte Feuerwerk abbrennen. Aber bleib Du mal mit den Füßen auf dem Boden und lausche gut, gucke gut und in Dich hinein, ob Dir das alles richtig vorkommt, ob da irgendwelche Dinge nicht ganz stimmig sind. Guckt er vielleicht oft auf sein Handy, das Du Dir nicht ganz erklären kannst. Sind seine Augen vielleicht nicht warm, sondern eher kalt oder vielleicht verschleiert? Sind seine Gesten zu viel des Guten, kommt er Dir zu schnell zu nah, will er zu schnell zu viel? Wenn Du das merken solltest, dann versuche einen Schritt zurück zu gehen. Wir haben immer so die Angst, also wenn uns einer quasi mit seiner Liebe überschüttet und sagt: „Du, nur Du allein“ und wir geben uns reserviert, dann haben wir Angst wir verlieren diesen Menschen, der uns so liebt. Ich sage immer, einer der Dich wirklich liebt, der wartet sowieso auf Dich. Den kannst Du erst mal behandeln, als wäre er Luft. Weil, der liebt Dich ja. Das heißt der hat viel Energie. Der bringt viel Wärme, viel Liebe und viel Energie mit und der wird viel investieren, um Deine Gefühle langsam zu erobern. Also lieber einen Schritt zurück gehen, lieber sich den Menschen erst mal angucken ob er wirklich so ist oder nicht doch eine Mogelpackung, als was sich eben der Narzisst im Laufe der Zeit – sehr bitter – oft erweist.

 

Linda:

Ok, das bedeutet, dass wenn man das Gefühl hat, es geht alles zu gut, zu schnell, zu weit – einfach einen Schritt zurücktreten sollte. In guter Verbindung auch mit dem eigenen Bauchgefühl sein, hast Du auch gemeint und gut auf die innere Stimme, gut auf Signale hören und sich vielleicht einen Schritt zurücknehmen. Ein bisschen Tempo rausnehmen und wenn es doch alles nur gut gemeint war, dann kann man trotzdem gemeinsam langsam weiter gehen und kann das Tempo auch wieder erhöhen. Aber einfach mal sich zurücknehmen und auch beobachten und mal schauen was passiert. Wie reagiert die Person auch, wenn ich mich zurücknehme?

 

Susanne:

Zum Beispiel, weil, das wird -sollte es ein Narzisst sein – ihm nicht unbedingt sozusagen in seinen Kram und in seine Strategie passen – weil tatsächlich der Narzisst immer recht genau weiß was er tut. Er ist berechnend, er ist nicht wirklich empathisch – also emotional empathisch, sondern kognitiv empathisch. Das heißt er liest sein Gegenüber. Er scannt es komplett durch, deswegen auch diese hohe Energieleistung zu Beginn. Es geht darum das Gegenüber zu Beginn komplett – sozusagen zu durchdringen – mit Allem. Auch all seine Schwachstellen, seinen verletzten Stellen relativ schnell zu identifizieren, weil all das wird später gegen diesen Menschen verwendet werden. Also im ersten Moment wirst Du ungeheuer aufgewertet, ungeheuer hochgehoben, ungeheuer idealisiert und das kippt dann irgendwann ins komplette Gegenteil. Und ab dann werden diese Beziehungen so unendlich schmerzhaft. Und diese Verführung der ersten Stunde, die sogenannte „Love Bombing“ – also mit Liebe regelrecht zugeschüttet, zugebombt werden – dient wirklich dazu, dass Du Dich immer an diesen feurigen ersten Moment, als Ideal Eurer Beziehung, erinnern wirst. Und dass er später tun kann was er will, weil Du sagst: „aber es war doch…“, „wir lieben uns doch so“, „wir sind doch seelenverwandt“, „ich bin doch die Liebe seines Lebens“, „wir hatten doch so eine grandiose Zeit, ganz zu Beginn“. Das ist sozusagen die Droge, das ist das Gift, mit dem wird er Dich ab jetzt am Laufen halten.

 

Hilfe bei narzisstischen Partnern

 

Linda:

Und wenn es dann umschlägt, so wie Du gerade gemeint hast, was kann dann passieren? In E-Mails, die ich bekomme, lese ich dann wirklich teilweise ganz schlimme Geschichten. Ich lese von Menschen, die sagen: „ich bin gerade so mit dem Leben davongekommen“. Wie äußert sich das in der Beziehung? Wie äußert sich der Narzissmus? Kannst Du da mal ein paar Beispiele nennen, was da so passieren kann?

 

Susanne:

Also es gibt natürlich eine ganze Skala. Da muss man wirklich auch wieder sehr wertschätzend und vorsichtig sein in den Formulierungen. Es gibt sozusagen auch diese leichten Stile. Man spricht jetzt nicht mehr von Störung, man sagt es sind Strukturen, es sind Stile. Es gibt diese leichten Persönlichkeitsstile und es gibt natürlich mittelschwer bis schwer. Da muss jeder bei sich schauen, wo er seine Beziehung einordnet. Bei schwer heißt es wirklich aufzupassen und sich gut zu schützen und auch den Ausstieg zu finden, weil dass was da so an Manipulationen, an Lügen, Betrug, Ausbeutung, an dauerndem Stress, dauernden Schuldzuweisungen, dauernden Vorwürfen, dauernden Entwertungen läuft – das kann so subtil, passiv aggressiv, immer mal wieder tröpfchenweise kommen – sodass es unangenehm ist, aber jetzt nicht schrecklich. Und es kann aber auch soweit gehen, dass wirklich der Partner damit droht zum Beispiel Dich bis zu Deinem Selbstmord zu manipulieren. Das gibt es! Dass ein Partner sich hinsetzt und sagt: „Ich kann Dich bis zu Deinem Selbstmord manipulieren“. Dich mit ganz kalten Augen anschaut und Du weißt der meint es ernst in dem Moment. Und da heißt es die Füße in die Hand zu nehmen. Oder auch eben vermehrt Streit, die Eskalationen, die Manipulationen. Es gibt ja das berühmte „Gaslighting“. Das bezieht sich auf den Film „Das Haus der Lady Alquist“, auf den alten schwarzweiß Film aus den 30 oder 40er Jahren – ich weiß es nicht genau – und da versucht ein Mann, der hinter dem Vermögen seiner Frau her ist, sie verrückt zu machen, indem er in dem Haus immer die Gaslampen manipuliert, sodass das Licht immer flackert. Aber nur, wenn die Frau alleine ist. Und sie erzählt ihm dann das Licht flackert, da stimmt was nicht und dann sagt er immer, ich weiß nicht was Du hast, das Licht ist doch ganz ok. Ist mit Dir vielleicht etwas nicht in Ordnung? Das ist das berühmte „Gaslighting“, das sehr weit gehen kann. Wo man Menschen wirklich an den Rand ihrer Verstandesmöglichkeiten bringen kann.

 

Linda:

Tiefe Verunsicherung.

 

Susanne:

Genau, also dass dauernd die Worte im Mund rumgedreht werden, dass dauernd Tatsachen verdreht werden. Dass vielleicht auch „Flying Monkeys“ geschickt werden. Das sind Menschen, die er instrumentalisiert, damit sie Dich entweder noch mehr verwirren mit ihren Aussagen, die er gefüttert hat. Oder aber, dass, wenn Du Dich vielleicht wehrst oder am Absprung bist oder über Trennung nachdenkst oder Dich vielleicht getrennt hast, dann kommen auch wieder die „Flying Monkeys“ und sagen: „es geht ihm so schlecht“, “er leidet so“, „er vermisst Dich so“, „es war doch gar nicht so schlimm“, „Du warst doch eigentlich die Schuldige“, „Du musst Dich um ihn kümmern“. Also, das sind alles so Methoden, die wirklich weit gehen können. Manipulationsmethoden, wo der Narzisst ein großer Meister ist und die er eigentlich permanent verwendet. Es kann auch so weit gehen, dass er Doppelleben führt, dass er zwei oder drei Ehen oder Partnerschaften gleichzeitig hat. Es kann sein, dass er Dich finanziell total ausbeutet. Natürlich auch Schläge – es geht bis zu Tätlichkeiten. Wenn es schlimm wird, also dass Streit, welcher extrem emotional ist, extrem laut und extrem bedrohlich – da kann auch schnell mal eine Hand ausrutschen und es wird tätlich. Und das sind wahrscheinlich die Situationen, die Deine Klienten auch beschreiben, wo sie sagen, das wird mir jetzt zu gefährlich oder ich bin da gerade nochmal mit heiler Haut davongekommen.

 

Linda:

Du merkst schon, dass ich immer stiller werde, weil ich es wirklich unfassbar finde und unglaublich tragisch.

 

Sich von toxischen Beziehungen trennen

 

Susanne:

Das ist vielleicht auch ganz, ganz wichtig. Das ist etwas, dass mir auch immer wieder auffällt. Dass viele der Menschen, die eben in so eine Beziehung gehen, ohne zu wissen was sie erwartet, weil sie das Phänomen nicht kennen, immer auch in der Beratung sagen, aber das ist doch nicht „normal“. Und wo ich auch immer sage, ja genau, das ist nicht normal und daran erkennst Du, dass Du in so einer Beziehung bist. Das heißt, wenn wir davon keine Ahnung haben, uns verlieben, in so einen charismatischen Menschen. Die Narzissten sind ja erstmal auf den ersten Eindruck großartig, weil sie sich selber so großartig fühlen! Wir verlieben uns in so einen Menschen, ahnen gar nicht, mit wem wir es zu tun haben, glauben ihm all seine Lügen, weil: warum sollten wir sie ihm nicht glauben? Wir lieben, wir vertrauen – wir öffnen uns der Beziehung, wir lassen uns darauf ein. Also denken wir, der Andere tut genau das gleiche. Wir wissen nicht, dass bei ihm alles kalte Berechnung ist, um seine Ziele zu erreichen. Um ein neues „Opfer“ – ich sage es gerne in Anführungsstrichen – zu haben, einen neuen Wirt zu finden. Also auch, wenn man nochmal sagt „Gift“ oder das „vampirhafte“. Dazu brauche ich Wirte – ich brauche Menschen, die ich aussaugen kann. Ich brauche Menschen, die mir ihre Energie geben. Ich brauche Menschen, die ich benutzen kann für meine eigenen Zwecke. Und das wirklich Bestürzende ist für Menschen, die da rein geraten, dass sie sagen, aber das ist doch nicht „normal“. Nein, es ist nicht normal und wir müssen erkennen, dass es nicht normal ist und wir müssen erkennen, was daran nicht normal ist. Wir müssen erkennen, was hat das, was nicht normal ist, mit mir – mit meinen Schattenseiten – zu tun? Und da steckt mein Potential drin. Da geht’s dann in die Selbsterfahrung und auch ins Rauskommen aus diesem Desaster, in das man sich hineinbegeben hat.

 

Linda:

Und jetzt wird mir auch noch klarer warum es so wichtig ist, mit sich selbst in Verbindung zu sein. Mit seinem eigenen Bauchgefühl vielleicht auch in Verbindung zu sein, weil der Partner ja wirklich auf so einer tiefen Ebene versucht zu manipulieren und mich von mir selbst zu trennen. Und mich mit mir selbst zu verunsichern, sodass ich mir selbst nicht mehr glaube, sondern eher ihm und seinen „Flying Monkeys“, wie Du es vorher genannt hast.

 

Susanne:

Genau. Und es gibt da ganz schöne – auch so eine Art Aphorismen – die das sehr gut in kurzen Sätzen irgendwie zusammenfassen, was da eigentlich passiert. Also, wenn der Narzisst irgendwie Dich anhimmelt und sagt: „Du bist wonach ich immer gesucht habe“, heißt das übersetzt „Du bist mein Spielzeug, bis Du kaputt bist“. Oder wenn er sagt: „wir haben doch so viel Spaß zusammen“, heißt das eigentlich: „solange Du tust, was ich will und dann hört der Spaß auf“.

Oder: „ich würde Dich doch niemals belügen, wie kommst Du denn da drauf?“, heißt übersetzt „guck aber mal besser nicht in mein Handy“. Oder: „ich liebe Dich über alles“, heißt „zumindest bis Du herausfindest, wer ich wirklich bin“ – weil hinter der Maske etwas ganz anderes steckt.

 

Linda:

Das heißt, jede Aussage ist an eine ganz starke Bedingung geknüpft.

 

Susanne:

Absolut!

 

Linda:

Es ist nicht frei, es ist nicht bedingungslos. Es ist nicht annehmend.

 

Susanne:

Und es ist nicht ehrlich und authentisch. Also die Worte – und das ist vielleicht auch etwas, was für die Menschen so schwer ist und weswegen der Abschied daraus so schwer ist, dass nichts so ist, wie es gesagt wurde. Dass alles anders gemeint ist, als es ausgedrückt wurde. Dass permanent „Double Bind“ und Subtext da ist. Was ja auch wieder so „Verrück-Mach-Maschinen“ sind. Mit „Double Bind“ kannst Du Menschen verrückt machen. Du sagst was anderes aus, als was Du wirklich verkörperst und ausdrückst. Und dann wissen die Leute ja nicht, welche Message gilt denn jetzt? Wonach soll ich mich richten? Der hat gesagt, tu dieses und hat im gleichen Atemzug verkörpert, tu aber lieber das. Das macht es uns so schwer und deswegen ist es wirklich, wirklich der einzige Weg und sehr, sehr wichtig raus zu gehen, in Distanz zu gehen und zurück zu sich zu gehen und anfangen aufzuarbeiten.

 

Toxische Beziehungen und narzisstische Partner

 

Linda:

Und damit sind wir gleich beim nächsten Thema. Wie komme ich aus so einer Beziehung wieder raus? Der Weg raus fängt bei mir an, nehme ich mal an.

 

Susanne:

Der fängt bei mir an. Dann muss man eben gucken, was für eine Beziehung ist es? Wenn es sozusagen eine noch nicht so lang dauernde Beziehung von zwei Menschen ist, die sich weder verlobt noch verheiratet haben, noch gemeinsamen Besitz, noch gemeinsame Kinder haben – ist sicher eine Trennung leichter – eventuell so durchzuziehen, als wenn Kinder da sind. Dann wird es besonders schwierig, weil selbst nach der Trennung – sollte der gewünscht sein – ja der Kontakt mit den Kindern organisiert und hergestellt werden muss. Also es ist ein breites und weites Feld. Was ich den Menschen aber auf jeden Fall rate, wenn sie überhaupt mal anfangen darüber nachzudenken. Das ist ja erstmal ein innerer Prozess. Man merkt, da stimmt was nicht. Man merkt das Unwohlsein ist riesig, man fühlt sich vielleicht auch gefährdet und überlegt, wie schaffe ich eventuell den Ausstieg? Oder will ich den Ausstieg überhaupt? Und da finde ich wichtig, dass man erstmal die Isolation aufbricht. Weil es auch ein Teil dieser narzisstischen Beziehungen ist, dass der Narzisst auf jeden Fall schaut, seinen Partner sozial zu isolieren. Das macht es ihm leichter über den Partner zu verfügen. Wenn der noch einen vitalen Freundeskreis hat und ganz viel Kontakt zu Familie und zu Kollegen und so, dann ist er viel zu gut vernetzt als dass er sozusagen in diese Hörigkeit und Abhängigkeit gelangen kann.

 

Linda:

Dann fällt auch ziemlich schnell, ziemlich vielen Menschen auf, dass da etwas nicht stimmt.

 

Susanne:

Genau, also die soziale Isolation wieder verlassen, aufbrechen – sich öffnen, ist oft ein schwerer Weg. Wieder zu Freunden zu gehen, zur Familie zu gehen, die sowieso vielleicht schon gewarnt haben und gesagt haben: „Da stimmt was nicht“, „der gefällt uns nicht“, „geht’s Dir denn eigentlich gut?“. Und da hat man immer gesagt: „alles in bester Ordnung“. Und jetzt muss man dahin zurück, um zu sagen: „war vielleicht doch alles nicht so gut“, „ist vielleicht doch alles nicht so gut“, „ich würde da jetzt gerne mal drüber reden, wie es mir so geht oder was da so passiert bei uns“. Aber das ist ein ganz wichtiger erster Schritt, einfach um sich Zeugen zu suchen, um sich Rückhalt zu suchen, Unterstützung zu suchen und vielleicht auch schon im Hinterkopf planen, wie ein Ausstieg gelingen kann. Ob man vielleicht da irgendwo temporär wohnen kann. Wenn man Arbeitsplatz wechseln muss, oder vielleicht auch den Ort wechseln muss. Wer einem da vielleicht alles hilft dabei und überhaupt auch wieder andere soziale Kontakte pflegt. Weg aus dieser Blase, in der man sich die ganze Zeit befunden hat. Auch wieder mehr Spaß zu haben, Sport machen, in Bewegung kommen. Einfach mal wieder – jetzt sind wir wieder bei dem Wort – „normale“ Dinge tun und nicht immer dieses ungeheuer Belastete und Eingefärbte. Das ist ein erster wichtiger Schritt. Zweiter wichtiger Schritt, eine gute Selbstfürsorge. Also gucken, ich ernähre mich gut, ich schlafe ausreichend, ich mache eben Sport, ich bewege mich. Ich gehe aus dieser Starre auch ein bisschen raus, aus dieser Opferhaltung, aus diesem: „es hilft ja alles nichts“. Also einfach wieder in Bewegung gehen, in Körperkontakt gehen. Vielleicht auch eine Achtsamkeitsmethode erlernen, oder Yoga machen, Meditieren anfangen, solche Dinge. Ich weiß, es ist mittlerweile inflationär, jeder soll das tun. Ich sage trotzdem: „Macht es, es bringt wirklich was!“. Gerade Achtsamkeit und Meditation ist wieder Kontakt mit dem eigenen Selbst und der geht in dieser Beziehung ganz, ganz stark verloren.

 

Linda:

Zu sich selbst zurückfinden.

 

Susanne:

Jeder Fokus geht auf den Partner: „Was will er?“. Das berühmte „Walking on Eggshells“ – auf Eierschalen laufen – damit man nur nichts macht, was seinen erneuten Zorn, seinen erneuten Vorwurf, seine erneute Kritik irgendwie erregen könnte. Also wir sind total fokussiert auf den Partner, auf seine Bedürfnisse und wir haben überhaupt keinen Zugang mehr zu unseren Bedürfnissen. Es ist ganz wichtig da hin zu gehen. Was brauche ich jetzt, was tut mir gut? Das können klitzekleine Dinge sein. Das kann ein Spaziergang sein, eine halbe Stunde einfach mal raus. Das kann sein, ich möchte mal wieder in Ruhe etwas lesen, oder ich muss mal wieder über etwas ganz Weiches streicheln. Oder ich brauche jetzt vielleicht ein Stofftier, an das ich mich klammern kann, denn das tut mir jetzt so gut. Da ist der Phantasie überhaupt keine Grenze gesetzt, Hauptsache Dinge, die wirklich mit MIR zu tun haben und die wieder für Wohlgefühl sorgen und auch, dass etwas Frieden einziehen kann. Und als nächster Schritt natürlich dann am besten, wenn Freundeskreis und diese selbstfürsorgenden Tätigkeiten und Aktionen nicht ausreichend sein sollten, sich eine gute Beratung und Begleitung suchen. Zumindest für die erste krasse Zeit, damit man da jemanden hat, der einen wirklich gut durch coacht. Einem vielleicht auch viel erklären kann und über Aufgabenstellungen vielleicht auch neue Skills oder neue Strategien entwickeln hilft.

 

Wie erkennt man Narzissten

 

Linda:

Da gebe ich Dir vollkommen recht, dass man auch nicht immer alles alleine schaffen muss. Man darf sich auch Hilfe zu holen, das finde ich ganz wichtig. Jetzt kann ich mir aber trotzdem vorstellen, dass es dem narzisstischen Partner nicht ganz so gut gefällt, wenn man beginnt wieder Dinge für sich zu tun und sich auch zu entfernen – aus seinem Einzugsgebiet, sag ich jetzt mal. Wie schafft man es durchzuhalten? Wie schafft man eine Trennung zu vollziehen und nicht wieder einzuknicken?

 

Susanne:

In der Szene und auch in der Literatur gibt es eine ganz klare Aussage dazu. Wenn es irgend möglich geht, nach der Trennung keinerlei Kontakt mehr. Das ist die sichere Seite. Da muss man sehr konsequent, sehr diszipliniert sein – alles blockieren. Und auch mental stark arbeiten, denn diese permanenten, zwanghaften Gedanken an die Beziehung und an den Partner – auch das muss sozusagen aufgehört werden. Das ist sehr schwer. Da sind wir auch wieder bei dem Abhängigkeits- und Entzugsgedanken. Der körperliche Entzug zum Beispiel bei Alkohol, ist in 2 Wochen durch. Nicht angenehm, aber der ist dann durch. Das „Craving“ ist weg. Das Denken an Alkohol, kann ein Leben lang anhalten – je nach Typ. Und ähnlich ist es jetzt, wenn wir da aus einer Beziehung gehen mit diesen Vorzeichen und das „No Contact“ durchführen, dann haben wir einen körperlichen Entzug, der so auch eine bis zwei Wochen anhalten kann, wo es einem richtig, richtig hundeelend schlecht geht. Und danach ist dann aber dieser mentale Entzug. Da hilft auch Meditation wieder oder Achtsamkeit oder Selbstbewusstsein, Selbstwahrnehmung gut, dass man sich dabei ertappt, dass man schon wieder an ihn denkt, dass man schon wieder in der Gedankenschleife gefangen ist. Und so lange wir daran denken, sind wir nicht frei davon – sind wir immer noch kontaminiert – sag ich jetzt mal – von der Beziehung. Also „No Contact“, wie gesagt, wenn es sich durchführen lässt. Wenn Kinder da sind, ein gemeinsames Geschäft, was auch immer – also verbindende Dinge, die man nicht oder nicht so schnell lösen kann, dann sollte man sich erstmal sehr gut beraten lassen, auch von anwaltlicher Seite. Also dass man einfach immer auch rechtlich abgesichert ist und sich da zu nichts hinreißen lässt. Ich finde da ist es dann ganz, ganz gut, wenn man sich dann eine andere Kommunikation anlernt. Also nicht immer im Konflikt, im Streit und gegenseitige Schuldzuweisungen. Da ist der Narzisst dann ungeheuer provozierend, taktierend – der kennt ja Deine Schwachstellen und auf die rührt er ja permanent, denn der will Dich ja ausflippen sehen, der will ja, dass Du sozusagen wieder einknickst, umfällst. Und das ist es gut, Du hattest da auch einen schönen Podcast darüber, über die gewaltfreie Kommunikation – ist glaub ich die Nummer 24 – also sich dahin mal zu begeben und zu lernen: wie kommuniziere ich anders? Wie ist, zumindest von meiner Seite, kein Subtext mehr, kein unterschwelliger Vorwurf mehr? Wie gehe ich nicht in die Konfrontation, sondern wie bleibe ich gut bei mir? Und wie schütze ich mich auch in der Diskussion oder in der Konfrontation? Wie neutralisiere ich mich, wie werde ich ruhig, wie bleibe ich sachlich? Das sind wichtige Gedanken dazu. Es gibt noch eine andere Seite, die auch sein könnte. Der Narzisst ist hartnäckig und vielleicht geht ihm da eine fette Beute verloren. Das will er natürlich nicht, wenn ich dann gehe – sollte ich noch fette Beute sein. Und dann gibt es das berühmte „Hoovering“, nach dem amerikanischen Staubsaugermodell Hoover genannt. Das er quasi nochmal so die ganze Batterie an Feuerwerkskörpern und Rückholversuchen und Liebe schwören und „ab jetzt wird alles ganz anders“ und „ich schwöre Dir“ verbraucht. Und „jetzt wirklich nur Du allein“ und „ich habe alles andere aufgehört“ und „ich weiß ganz genau, wie Du Dich fühlst“ und „ich verspreche Dir, ab jetzt wird das nicht mehr vorkommen“. Da muss man halt auch gut bei sich sein, gut nachhören. Glaube ich ihm nochmal, traue ich ihm nochmal? Möchte ich es nochmal versuchen? Oder weiß ich, dass das alles Schall und Rauch ist und ich einfach nur standhaft sein muss und diesen Rückholversuch einfach an mir abprallen lassen muss.

 

Linda:

Ja, finde ich sehr gut, dass Du auch solche Muster aufzeigst. Sodass sich vielleicht der eine oder andere, der das aus seiner eigenen dysfunktionalen Beziehung kennt, vielleicht auch darin wiederfindet und merkt: „ach, das ist ja ein Muster, das da dahintersteckt“. Ich dachte vielleicht, mein Partner meint das ernst, aber jetzt erkenne ich, er folgt einfach genau diesem Muster, wie es typisch ist.

 

Susanne:

Und das ist das Interessante in dieser Thematik. Wir denken ja immer alle, wir sind so starke Individuen – und das sind wir sicher auch – aber tatsächlich, der Narzisst hat ein striktes Verhaltensmuster, das wenn man es mal durchgearbeitet hat, ziemlich transparent ist und ziemlich gleichförmig ist. Und auch die narzisstischen Beziehungen sind so, nicht gerade auswechselbar, aber folgen so immer den gleichen Mustern und auch das Verhaltensrepertoire des Narzissten ist sehr überschaubar, wenn man es mal kennengelernt hat. Das kommt daher, dass diese Menschen eigentlich auf dem Stand von Kleinkindern irgendwie stehen geblieben sind und dann so ein grandioses Selbst entwickelt haben und das Innere eigentlich von einer großen Leere bedroht und auch geprägt ist. Das heißt, er hat nicht mehr, als dass das er da permanent einsetzt. Das macht ihn ja auch oft so wütend. Er ist nicht sehr vielfältig und nicht sehr vielschichtig.

 

Linda:

Schwierige Persönlichkeit auf jeden Fall.

 

Susanne:

Absolut!

 

Was tun bei toxischen Beziehungen

 

Linda:

Jetzt hast Du ja, in den letzten Jahren auch sehr viele Erfahrungen gesammelt und ich würde Dich gerne auch zum Abschluss dieser Folge fragen, was sind Deine 3 ultimativen Tipps für Zuhörerinnen und Zuhörer, die jetzt vielleicht auch merken, dass sie möglicherweise davon betroffen sind. Dass sie schon einmal so eine Erfahrung in ihrem Leben gemacht haben. Welche 3 Tipps kannst Du zum Abschluss noch mitgeben?

 

Susanne:

Es begegnet mir in der Beratung sehr, sehr oft, dass die Menschen so tief verunsichert sind, denn es geht um Selbstbild und Fremdbild. Sie sagen: „aber ich liebe ihn doch“, oder „ich liebe sie doch“ und „wie kann sie/er mir das antun?“. Und „vielleicht liebt sie mich ja doch“ und „vielleicht verstehe ich das alles falsch“ und „sie sagt doch aber…“. Und da gehe ich echt zurück zur Bergpredigt, wo es heißt an ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Ich sage immer, nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Schaltet mal eure Ohren aus, geht da einfach mal auf Durchzug. Ton abdrehen und nur noch gucken, was tut er oder sie. Wenn das, was er oder sie als Partner tut, gut für Euch ist, ok „no problem“. Wenn es aber nicht gut für Euch ist und darüber gesäuselt wird: „ich tu das alles aus Liebe zu Dir“, „ich tu das alles, weil Du das brauchst“ oder „ich sage Dir mal wer Du jetzt bist“. Nein, an ihren Taten erkennen. Bitte darauf fokussieren, darauf konzentrieren. Um mal eine Klarheit zu bekommen, was eigentlich in Eurer Beziehung passiert. Und das kann man sich gut merken und das ist auch sehr bildhaft. Also ich höre mal nicht hin, sondern ich schaue nur was er oder sie tut. Das gibt mir sofort Erkenntnisse, die ich vielleicht gar nicht haben will, aber die mir sehr helfen auf dem Weg. Und der zweite Tipp ist wieder so eine sprachliche Geschichte, das Orakel von Delphi sagt nicht: „erkenne Deinen Partner, erkenne Peter oder Knut“, sondern es sagt: „erkenne Dich selbst“. Das ist ganz wichtig, wenn ich Probleme in meiner Partnerschaft habe und sage das liegt an ihm oder an ihr, dann komme ich nicht sehr weit. Wenn ich aber sage, ich gucke mal bei mir nach und was das mit mir zu tun hat – gerade in einer Narzissmus Beziehung – wird viel gespiegelt auch. Also viel was der Narzisst tut, hat mit mir zu tun. Und wenn ich mich das traue mir das anzugucken und mich auf diese Selbsterfahrung einzulassen, dann werde ich sehr weit kommen. Und da ist auch viel Glück auf dem Weg.

 

Linda:

Und das muss ich ja nicht immer alleine machen. Auch hier nochmal der Hinweis, man kann sich da Unterstützung holen. Es kann gut tun mal von außen auch drauf schauen zu lassen. Mal mit jemandem zusammen zu reflektieren. Wenn ich alleine vielleicht auch mich den Weg nicht gehen traue.

 

Susanne:

Eben dass einen jemand bei der Hand nimmt, unterstützende Methoden anbietet, einem vielleicht auch überhaupt erst mal eine Einführung gibt in innere Anteile-Arbeit oder in Schatten-Arbeit. Es sind ja eigene Methoden, die es gibt im Beratungs- und psychologischen Bereich. Und da kommt man sicher besser und schneller voran, wenn man sich mal eine Zeitlang begleiten lässt, als wenn man sich das alles mühsam selbst irgendwie anliest und antrainiert. Auch da ist der Dialog so fruchtbar und so weiterführend und da kommen wir zum dritten Tipp. Ich finde, dass man den narzisstischen Missbrauch oder die toxische Beziehung immer als Chance sehen soll. Da steckt ein Riesenpotential für einen selber drin. Das ist nicht ein schwerer Schicksalsschlag, der über einen kommt und sozusagen fürs Leben schädigt oder unbrauchbar macht, sondern im Gegenteil. Es ist wie ein Weckruf. Es ist wirklich ein Weckruf: „geh Deinen Weg, schau Dich an, dringe in Dein inneres Dickicht vor“. Da gibt es Dinge, die müssen aufgearbeitet werden. Wenn Dein Selbstwert gesund wäre, Dein Selbstbild rund wäre, würdest Du gar nicht in so eine Beziehung kommen. Du würdest was anderes abstrahlen, das interessiert den Narzissten nicht. Er könnte Dich mit seinen einfachen Tricks gar nicht so rumkriegen oder gar nicht so dauerhaft rumkriegen. Das heißt, da gibt es Defizite in Dir, auf die verweist diese Beziehung. Und es ist hochspannend und ganz wunderbar zu diesen Defiziten und Verletzungen zu gehen und daraus sozusagen die Schätze Deines Lebens zu machen und so einen glücklichen und so einen kraft- und liebevollen Weg ansteuern zu können. Also ich spreche da wirklich aus eigener Erfahrung. Das Schönste an meiner Arbeit ist, den Menschen dabei zuzuschauen, wie sie aus dem Schmerz heraus auf diesen Weg kommen und wie sie dann anfangen immer mehr zu erblühen und immer freier und immer klarer zu werden. Und so einen reichen Schatz darin entdecken aus dem, was ihnen eigentlich an Schlimmem widerfahren ist.

 

Linda:

Super! Wow! Vielen Dank für die 3 Tipps noch zum Abschluss, vielen Dank für alles, was Du jetzt hier erzählt und geteilt hast. Ich fand es total spannend und interessant. Ich denke mir, dass sich einige Menschen darin wiederfinden können. Danke, dass Du so exemplarisch wirklich auch Beispiele gebracht hast. Und es auch so gut runter gebrochen hast, sodass wahrscheinlich jeder, der davon betroffen ist, jetzt auch gut erkennen kann, sowas spielt sich auch bei mir ab, ich erkenne mich da wieder. Und wenn jetzt jemand Lust hat, da noch näher mit Dir in Kontakt zu treten, vielleicht auch mit Dir zusammen zu arbeiten, sich mit Dir auszutauschen, dann geht das persönlich. Du bist in München und bietest da Beratung an. Du arbeitest auch sehr gerne telefonisch, hast Du erzählt.

 

Susanne:

Ich habe damit ganz, ganz gute Erfahrungen gemacht. Erst war es aus der Not geboren, weil einfach viele Leute nicht in München sind, die aber mit der Thematik zu tun haben und als ich anfing zu beraten, ich eben sagte, lass es uns versuchen und wenn es nicht klappt, müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Und ich habe jetzt im Laufe der letzten Jahre gemerkt, dass es im Gegenteil sehr hilfreich sein kann. Weil die Thematik oft mit sehr viel Scham behaftet ist und es für die Leute ein bisschen leichter ist, wenn sie daheim im geschützten Raum sind. Vielleicht auch ohne Skype, also ohne Blickkontakt und damit ihren Emotionen sich langsamer annähern können und sich nicht so furchtbar schämen müssen, weil ich ihnen nicht dauernd in die Augen gucke oder ihnen nicht dauernd zugucke. Und ich erfahre ganz viel übers Hören, also da gibt es auch genügend Pausen und Wahrnehmung von den feinen Emotionen, die da passieren. Also das habe ich als sehr positiv erfahren dürfen, was natürlich, wenn man in die Aufstellungsarbeit geht – in die systemische Arbeit – weil da Familienthemen oder so bearbeitet werden sollen, da ist es dann unbedingt nötig und sicher auch sehr hilfreich, wenn man sich persönlich trifft im Beratungsraum und dann den Raum miteinbezieht in die Arbeit.

 

Linda:

Gut, aber für so einen ersten Einstieg, eine erste Arbeit an dem Thema und auch einfach mal, um zu schauen wo steht die Person gerade, ist es gut auch erstmal telefonisch zu beginnen. Und wenn Du jetzt gerne mit Susanne arbeiten möchtest oder mehr über Susanne erfahren möchtest, oder Kontakt aufnehmen möchtest, dann kannst Du gerne auf ihre Homepage schauen. Auf www.susannekraft.com Ich verlinke Dir das auch alles nochmal in den Shownotes, dann kannst Du da auch gerne nochmal nachsehen. Und dann vielleicht mit Susanne in Kontakt treten. Und jetzt bedanke ich mich bei Dir, Susanne, dass Du hier warst, dass Du Dein Wissen, Deinen breiten Wissensschatz hier mit uns geteilt hast. Ich fand es sehr spannend und sehr lehrreich. Ich habe viel erfahren, was ich davor noch nicht wusste und ich wünsche Dir weiterhin alles Gute und ganz viel Erfolg bei Deiner Arbeit und danke, dass Du so viele Menschen damit unterstützt, was Du tust!

 

Susanne:

Ich danke Dir Linda, es hat mich wirklich sehr, sehr gefreut hier sein zu dürfen. Ich wünsche all den Leuten, die das hören alles, alles Gute und alles Liebe und dass sie die Unterstützung bekommen, die sie brauchen und auch verdienen!

 

Danke, dass du in dieser Folge wieder dabei warst. Ich hoffe, dass auch du ganz viele neue und wichtige Informationen aus dieser Folge mitnehmen konntest. Schreib mir sehr gerne, wie dir die Folge gefallen hat und ob du Lust auf mehr Interviews im Paartherapie-Podcast hast!

Ich freu mich sehr, von dir zu hören. Ich freu mich sehr, wenn du nächste Woche wieder mit dabei bist.

Lass es dir gut gehen,

Mach’s gut & bis bald,

deine Linda

 

 

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Linda Mitterweger Psychologe Psychologin Berater Beraterin PSY-ON HilfeLinda Mitterweger  (Psychologin)

Ich helfe Menschen eine glückliche und erfüllte Partnerschaft zu leben – in Nahbeziehung und auch in Fernbeziehungen, trotz der Distanz. Ich selbst habe bereits viele Jahre Fernbeziehungen geführt und kenne die Herausforderungen, die diese Beziehungsform bietet – aber auch die Chancen. Mit meiner Unterstützung kannst du die Kommunikation und Offenheit in deiner Beziehung stärken und so gute Lösungen für die Herausforderungen finden, die sich dir in deinem Leben und in deiner (Fern-)Beziehung stellen. Neben der Fernbeziehungsberatung biete ich Online-Paartherapie über Videochat an. Kontaktiere mich für deine 90-minütige Power-Session oder verabrede direkt online deinen nächsten Termin.


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