#063 I Warum ein falsches Wort oft einen großen Streit auslösen kann

Veröffentlicht von Linda Mitterweger am

Warum ein falsches Wort oft einen großen Streit auslösen kann

Eigene Schattenanteile akzeptieren & annehmen


Heute wird es um ein Thema gehen, das viele Beziehungen eher unbewusst belastet:
Den Umgang mit den eigenen Schattenanteilen.

Vielleicht kennst du das auch aus deiner Beziehung, dass Konflikte ganz leicht eskalieren, dass ihr bei einem falschen Wort an die Decke geht, dass ihr euch gegenseitig triggert und provoziert ohne so richtig zu wissen, warum.

Das hat mit euren Schattenanteilen zu tun und hierbei wird euch diese Podcast-Folge helfen!

Du erfährst,

  • was Schattenanteile überhaupt sind,
  • welche Einfluss sie auf deine Beziehung nehmen und
  • wie du sie akzeptieren und integrieren kannst.

Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit dieser Folge und viele neue Erkenntnisse.

 

Du kannst die Folge direkt hier hören – oder auf Spotify & ITunes.

 

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Konflikte in der Beziehung eskalieren schnell

 

Hier kannst du den Inhalt der Folge zudem als Blogpost nachlesen:

Es begegnet mir sehr oft in der Online Paartherapie, dass Paare mir von Streitigkeiten erzählen, die entweder

  • aus keinem wirklich erkennbaren Grund ausgebrochen sind, also wie aus dem Nichts,

oder

  • plötzlich extrem eskaliert sind, sozusagen „nach einem falschen Wort“.

Und vielleicht kennst du das selbst aus deiner Partnerschaft. Entweder weil dein Partner ganz schnell von einer Sekunde auf die andere die Stimmung wechselt und es zu einem heftigen Streit kommt, ohne dass du weißt, was du eigentlich falsch gemacht hast. Dieses typische: „Aus einer Mücke einen Elefanten machen.“ Oder auch aus der anderen Perspektive: Dass dein Partner im Streit manchmal Dinge sagt, die dich total treffen. Die dich triggern, wie man in der Psychologie dazu sagt, auf die du sehr stark reagierst. Die dich so richtig aus der Haut fahren lassen und treffen, auf die du unglaublich emotional reagierst.

Konflikte in Beziehungen können schnell & heftig eskalieren!

Wenn du so etwas aus deiner Partnerschaft kennst, dann weißt du sicher auch, wie belastend das sein kann. Dass es manchmal Spuren in der Beziehung hinterlässt, die länger als nur ein paar Minuten zum Heilen brauchen. Dass es sogar dauerhaft etwas in der Partnerschaft kaputt machen kann. Dass du die ganze Beziehung in Frage stellst, weil es manchmal einfach so schwierig ist.Das ist die eine Perspektive. Und die andere ist, dass du sicher auch weißt, wie verletzend eine solche Situation ist. Für euch beide. Wie traurig es macht, wie verzweifelt vielleicht manchmal. Wie einsam man sich dann auch fühlen kann. Manchmal sogar ungeliebt.

Häufig auftretende Streits belasten Beziehungen sehr!

Und das muss nicht sein. Wir schauen uns das heute mal genauer an. Was da eigentlich wirklich passiert, wenn es plötzlich so emotional wird. Wenn ein falsches Wort gleich einen riesigen Streit auslöst. Um damit zukünftig konstruktiver umzugehen ist es nämlich unglaublich wichtig zu verstehen, was da manchmal dahinter steckt und was auch, unter Umständen in eurer Beziehung dahinter steckt.

Heute wird es um Schattenseiten gehen. Um Schattenanteile.

 

Selbstakzeptanz und Annahme

 

Und das ist ein Konzept von Carl Gustav Jung, einem Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie. Jung sagt, dass es Anteile in uns gibt, die wir irgendwann in unserem Leben von uns abgespalten haben. Die wir unterdrückt haben, abgelehnt haben. Und die uns trotzdem noch immer beeinflussen.

Das Konzept der Schattenanteile von Carl Gustav Jung

Es sind sozusagen Anteile, die wir uns selbst nicht erlauben. Die wir unterdrücken, weil wir denken, dass wir sie nicht haben dürfen. Weil wir denken, dass wir beispielsweise nicht liebenswert sind oder ein schlechter Mensch, wenn jemand rausfindet, dass wir auch diese Anteile in uns tragen. Und wir haben vor so langer Zeit angefangen, sie zu unterdrücken, sie von uns abzuspalten, dass wir denken, dass wir den Kampf gewonnen haben und sie kein Teil mehr von uns sind. Und das ist eine Illusion. Denn wenn wir etwas unterdrücken, zeigt es sich an anderer Stelle. Nichts verschwindet einfach. Wir können Dinge umwandeln, etwas Neues daraus entstehen lassen. Aber wir können nichts einfach verschwinden lassen. Auch keine unliebsamen Eigenschaften und Anteile.

Schattenanteile sind Seiten an uns, die wir uns selbst nicht erlauben

Es ist nicht immer leicht, diese unterdrückten Anteile zu erkennen, weil wir uns so große Mühe geben, sie von uns abzuspalten. Vielleicht denkst du auch gerade: „Nein, sowas habe ich nicht!“. Dann möchte ich dir einfach ein paar Beispiele geben, welche unserer Anteile ganz leicht zu solchen Schattenanteilen werden. Beispielsweise

  • die Gier,
  • der Hass,
  • die Wut,
  • die Rache,
  • der Egoismus,
  • der Neid,
  • die Missgunst.

All das sind Anteile, von denen wir uns selbst nicht eingestehen können, dass auch sie zu uns gehören. Dass auch sie Teile von uns sind. Manchmal kann auch

  • die Trauer oder
  • der Schmerz

beispielsweise zu einem Schattenanteil werden, den man nach einem Verlust erst einmal überhaupt nicht zulassen möchte.

 

Tipps gegen Streit in der Beziehung

 

Aus Angst, nicht geliebt zu werden, bilden wir Schattenanteile aus

Wir haben Angst, nicht mehr geliebt zu werden, wenn wir unser wahres Gesicht zeigen würden und diese Anteile zulassen würden. Wir haben Angst, andere Menschen zu verschrecken, zu verletzen, zu verlieren. Oder wir können uns selbst nicht sehr gut leiden, wenn wir diese Anteile in uns selbst erkennen oder sie nach außen zeigen.

Und das ist tatsächlich was oft im Streit passiert: Unser Partner drückt – ohne es zu wollen oder es überhaupt zu registrieren – einen Knopf bei uns. Er triggert uns durch etwas, was er tut oder sagt. Und dann läuft – ganz automatisch – ein Programm ab. Wir fühlen eine Emotion, die wir meist unterdrücken – Trauer, Wut, Schmerz, Verlassen sein – oder sagen Worte, die wir uns sonst nicht erlauben. Werden laut, werden persönlich, greifen an, verteidigen uns. Kommt dir irgendwas davon bekannt vor? Und was dann passiert ist ein Kreislauf: Wir mögen uns selbst nicht, wenn wir so sind. Aber wir finden keinen Weg raus.

Unterdrückte Gefühle führen zu Streit und Stress in der Partnerschaft

Uns einzugestehen, dass wir gerade so sind – so im Kampfmodus, so laut, so wütend, so unfair, so beleidigend, oder wie immer du dann eben bist – ist praktisch nicht möglich, weil wir uns ja nicht erlauben, diese Seite überhaupt zu haben. Und so entfernen wir uns in der Situation immer weiter von uns selbst. Wir sind sozusagen gar nicht mehr wir selbst. Wir sind wie ferngesteuert. Jemand anders. Eine andere Persönlichkeit. Das ist tatsächlich was mir manchmal Paare in der Beratung beschreiben. Dass sie das Gefühl haben, im Streit oder Konflikt – in einer solchen Situation – nicht mehr sie selbst zu sein sondern eine ganz andere Persönlichkeit anzunehmen. Das sind unsere Schattenanteile.

 

Häufige Streits belasten die Beziehung

 

Wie entstehen Schattenanteile & unterdrückte Emotionen?

Vielleicht interessiert dich jetzt, woher diese Schattenanteile kommen und wie sie entstehen.

Oft lehnen wir Anteile in uns ab, von denen wir gelernt haben, dass sie uns schaden. So ein Lernprozess kann auf viele Arten und Weisen ablaufen. Ich zeige dir mal ein paar Beispiele auf:

Glaubenssätze aus der Familie übernehmen

Möglicherweise hast du schon von frühester Kindheit an, Glaubenssätze aus der Familie übernommen, die dazu geführt haben, dass du Schattenanteile ausgebildet hast. Vielleicht kennst du Sätze, wie

  • Das kannst du eh nicht.
  • Das schaffst du niemals.
  • Du bist zu klein/groß/dick/dünn.
  • Du nimmst anderen etwas weg, es ist nicht genug für alle da.
  • Du bist nicht gut/schön/schlau genug.

All das sind Sätze, die dazu führen, dass du Schattenanteile ausbildest. Diese und viele andere Sätze. Wenn du ein Verlangen hattest, das dir abgesprochen wurde. Einen Wunsch, der dir nicht erlaubt wurde. Wenn dir etwas verboten wurde. Du gelernt hast, dass etwas was du denkst, fühlst oder tust falsch ist, dann können sich daraus Schattenanteile bilden. Wenn du beispielsweise als Kind manchmal wütend warst – und Wut ist eine legitime Emotion, die wir alle hin und wieder spüren –, du aber getadelt wurdest oder es dir verboten wurde, wütend zu sein. Wenn du vielleicht sogar befürchtet hast, nicht mehr geliebt zu werden, wenn du wütend bist, ausgeschlossen oder bestraft zu werden, wenn du wütend wurdest, dann kann es sein, dass du diesen Anteil von dir abgespalten hast. Dass die Emotion Wut zu deinem Schattenanteil wurde, dein wütendes Ich von dir abgetrennt wurde.

Negatives Feedback von außen

Vielleicht hast du auch einmal negatives Feedback bekommen. Von deinen Eltern, von einem anderen Kind oder von einem Lehrer. Vielleicht hat dir irgendjemand mal gesagt, dass du nicht malen kannst, nicht schnell rennen, dass du keine Freunde hast, dass du hässlich bist, dass du nicht gut in Mathe bist oder in Englisch.

 

Schattenanteile akzeptieren und integrieren

 

Negative Erfahrungen aus früheren Beziehungen

Vielleicht gibt es in deinem Leben auch negative Vorerfahrungen aus früheren Beziehungen. Vielleicht hat dir einmal ein Partner gesagt, dass du zu viel verlangst. Dass du zu zickig bist, zu viel willst – zu viel Nähe oder zu viel Freiraum. Dass du nicht beziehungsfähig bist. Dass du ein schlechter Partner bist, schlecht im Bett oder nicht schön genug. Dass du zu dick bist, zu dünn bist, zu schlecht gekleidet, nicht intelligent genug oder zu kompliziert.

Was wir über uns selbst gelernt haben, ist oft nicht wahr!

Das alles sind im ersten Schritt nur Sätze, nur Anschuldigungen vielleicht, nur Fakten, die – in den meisten Fällen – nicht mal wahr sind oder wenn wahr, dann nicht wirklich wichtig. Was diese Sätze zu Schattenanteilen macht ist ein entscheidender Faktor: Du hast es geglaubt.

Du hast diesen Menschen geglaubt, was sie dir über dich selbst gesagt haben. Du hast es ernst genommen, du hast es als Tatsachen angenommen, hast es nicht in Frage gestellt und hast dich selbst nicht nur verurteilt, sondern gewertet. Abgewertet. Du hast all die negativen, schlechten, scheußlichen Dinge, die dir jemand über dich selbst erzählt hat, angenommen, geglaubt und dann daraus geschlossen, dass du nicht liebenswert bist. Dass du kein guter Mensch bist, kein gutes Kind, kein braves Kind, kein guter Partner. Und weil kein Mensch solche Gedanken aushalten kann, hast du dir verboten, weiterhin so schlecht zu sein. So fehlerhaft, so schwierig. Du hast all diese Dinge, von denen du einerseits geglaubt hast, dass sie stimmen und andererseits auch noch geglaubt hast, dass sie andere Menschen davon abhalten werden, dich zu mögen oder zu lieben, in eine riesige emotionale Kiste gesperrt und dir gesagt: „Ich bin so nicht mehr.“ – ab heute bin ich nur noch alles andere. Ab heute bin ich nur noch die Sonnenseite, nur noch

  • liebevoll,
  • witzig,
  • gehorsam.

Ab heute bin ich nur noch so, wie mich meine Eltern oder mein Partner haben möchten. Und du hast angefangen, dich zu verstellen. Indem du deine Schattenanteile weggesperrt – von dir abgespalten hast – und dich nur noch von der Sonnenseite gezeigt hast, hast du angefangen, dich zu verstellen. Du hast dir eine Maske aufgesetzt – die Maske  der besten Version deiner selbst – und jetzt gehst du mit dieser Maske durchs Leben, immer in der Angst, entdeckt zu werden.

 

Konzept der Schattenanteile von Jung

 

Wir zeigen lieber unsere positiven Seiten – doch auch die Schatten gehören zu uns!

Diese Sonnenseite, das bist auch du! Diese Anteile stecken auch in dir. Die gehören auch zu dir. Aber die anderen eben auch. Du bist beides. Sonne und Schatten. Jeder Mensch ist beides.

Jeder Mensch hat eine Sonnenseite und seine Schattenanteile – jeder!

Und die Menschen, die wir als ausgeglichen, als mit sich im Reinen erleben, das sind die Menschen, die auch ihre Schattenseite zulassen. Die sich erlauben, beides zu sein. Die wissen, dass auch sie geliebt und angenommen sind, wenn sie beides zeigen. Das sind die Menschen, die nicht mehr auf Biegen und Brechen versuchen, zu unterdrücken, dass sie auch Seiten haben, die sie selbst nicht so gut an sich leiden können. Die aufhören, ihre Schattenseiten zu unterdrücken. Denn diese permanente Unterdrückung kostet Energie. So viel Energie!

Anteile unserer Persönlichkeit zu unterdrücken kostet Energie & verursacht Stress

Wenn wir uns nochmal das Beispiel mit der Wut ansehen: Es ist natürlich, dass uns manche Situationen wütend machen. Wut entsteht beispielsweise oftmals dann, wenn wir frustriert sind. Es ist nicht mögliche, jegliche Quelle der Frustration in unserer Umwelt zu umgehen. Auch in der Beziehung nicht. Auch in deiner Beziehung wird es immer wieder Situationen geben, die dich vielleicht frustrieren, die dich wütend machen. Der Versuch, das zu vermeiden, würde zu einem Lauf im Minenfeld führen. Es ist praktisch unmöglich jegliche Quelle der Frustration, des Ärgers oder der Wut in einer Beziehung zu umschiffen. Wenn die Wut zu deinen Schattenanteilen führt, wenn du dir nicht erlaubst, die Wut zu fühlen, wenn du sie nicht als deine natürliche Emotion anerkennst, wirst du also möglicherweise in Situationen, die Wut in dir wecken, versuchen, deinen Partner für diese Emotion verantwortlich zu machen. Du wirst ihn beschuldigen, dich wütend gemacht zu haben, weil du nicht anerkennen kannst, dass die Wut in dir entsteht. Du wirst im Außen, in deiner Partnerschaft, nach dem Auslöser für die Wut suchen anstatt sie in dir selbst anzuerkennen.

Hast du so etwas vielleicht sogar schon einmal erlebt?

 

Konflikte eskalieren heftig in der Partnerschaft

 

Unterdrückte Anteile sorgen immer wieder für Streit & Konflikte in der Partnerschaft

Menschen, die ihre Schattenanteile wieder integriert haben, die in der Akzeptanz sind, müssen ihre Wut nicht auf andere Menschen projizieren. Sie müssen den Auslöser für ihre Wut nicht im Verhalten des anderen suchen. Sie müssen das Gegenüber nicht für ihre eigene Wut verantwortlich machen. Sie müssen sich nicht verteidigen. Müssen nicht kämpfen. Weil sie wissen, dass die Wut zu ihnen gehört. Und dass es okay ist, dass die Wut da ist. Dass sie ihre Berechtigung hat. Dass sie ihren Zweck hat. Dass sie – konstruktiv genutzt – sogar dienlich für sie ist. Dass Wut hilft, Grenzen zu erkennen und sich abzugrenzen. Dass Wut schützen kann. Dass Wut Energie freisetzen kann, die dabei helfen kann, Situationen zu verändern. Menschen, die die Wut anerkennen und annehmen, können sie für sich nutzen und von ihr profitieren anstatt all ihre Energie darauf zu verwenden, sie zu unterdrücken und so zu tun, als wäre sie nicht da oder kein Teil von ihnen.

Und so wie es sich in diesem Beispiel mit der Wut verhält, so oder so ähnlich verhält es sich mit den meisten unterdrückten Emotionen. Mit den meisten Schattenanteilen.

Unsere Schwächen & Schatten gehören genauso zu uns wie unsere Stärken!

Und ich glaube es ist auch schon deutlich geworden, was das ganze Thema Schattenanteile mit deiner Beziehung zu tun hat: Deine Schattenanteile zeigen sich in deiner Partnerschaft. Das lässt sich nicht vermeiden, wenn man anderen Menschen nahe kommt. In deiner Partnerschaft werden diese Seiten an dir, diese Anteile, früher oder später getriggert werden. Oftmals neigen Menschen dazu dann ihre Beziehung anzuzweifeln. Über Trennung nachzudenken, ganz nach dem Motto: Wenn etwas sich so negativ anfühlt oder so schmerzhaft ist, kann es nicht gut für mich sein. Doch genau diese Menschen machen dann nach der Trennung in einer neuen Beziehung genau die gleichen Erfahrungen. Sie nehmen ihre Schattenanteile mit in eine neue Beziehung. Ein neuer Partner triggert diese Anteile früher oder später erneut. Sie erleben die gleiche Situation wieder und wieder und halten sich im schlimmsten Fall sogar für beziehungsunfähig.

 

Die eigenen Fehler und Makel annehmen

 

Dem Kreislauf entkommen & die eigenen Schattenanteile integrieren

Diesem Kreislauf zu entkommen, hilft einzig und alleine, die Schattenanteile ins Licht zu holen. Sie anzuerkennen und anzunehmen. An und mit ihnen zu arbeiten.

Was kannst du jetzt also konkret tun, um diesen Kreislauf zu unterbrechen und deine Schattenanteile wieder zu integrieren?

Schritt 1:  Schattenanteile erkennen

Im ersten Schritt musst du deine Schattenanteile wahrnehmen, um sie integrieren zu können. Nicht immer ist es leicht, diese Anteile zu erkennen, da du dich ja bisher darum bemüht hast, sie vollkommen aus deinem Bewusstsein zu streichen.

Was dir hilft, sie zu erkennen, ist der Spiegel, den dir dein Partner vorhält.

Überlege einmal:

  • Wann gerätst du mit deinem Partner so sehr in Konflikte?
  • Wann fühlst du dich so abgelehnt?
  • Wenn dein Partner welche Seite an dir anspricht, fühlst du dich getriggert?
  • Was an deinem Partner triggert dich?

Seiten, die dein Partner sich erlaubt, auszuleben, können unheimlich triggern, wenn du dir genau diese Seite bisher immer verboten hast. Dinge, die dein Partner anspricht, die du selbst über dich nicht wahrhaben willst, triggern und weisen auf Schattenanteile hin.

Eine Beziehung bietet eine unglaubliche Chance, die eigenen Schattenanteile zu erkennen – nutze diese Chance indem du bewusst in die Reflektion gehst:

  • Worüber bekommt ihr euch in die Haare?
  • Welche Themen tauchen immer und immer wieder auf?
  • Was an deinem Partner lehnst du ab?
  • Wodurch fühlst du dich getriggert oder provoziert?

Es ist nicht immer leicht, die eigenen Schattenanteile zu erkennen. Lass dich da gerne unterstützen! Ein Blick von außen macht oft relativ schnell klar, worum es wirklich geht und offenbart die Schatten, auf die du dir selbst nicht erlaubst, ein Licht zu werfen.

 

Was in der Beziehung Streit auslöst

 

Schritt 2: Wertschätze deine Schattenanteile

Im zweiten Schritt geht es darum, deine Schattenanteile zu wertschätzen. Zu erkennen, warum sie gut und wichtig für dich sind. Warum es hilfreich sein kann, sie bei dir zu haben. Wobei sie dich unterstützen können. Warum du sie nicht nur dulden solltest, sondern sogar richtig froh sein kannst, sie zu haben.

Es fällt zu Beginn erfahrungsgemäß sehr schwer den eigenen Schattenanteilen etwas Gutes  abzugewinnen. Mit ein wenig Übung wird dir das aber immer besser gelingen.

Ich möchte dir ein paar Beispiele nennen, welche positiven Seiten unsere Schatten mit sich bringen:

  • Wut

Über die Wut habe ich vorhin schon gesprochen: Sie hilft dir, deine Grenzen zu erkennen und zu setzen. Zu merken, wann es zu viel ist und wann Abgrenzung nötig wird.

  • Angst

Die Angst, die du bisher nicht anerkannt hast, hilft dir, gut auf dich aufzupassen und dich zu schützen. Sie hilft dir dabei, Risiken einzuschätzen ohne leichtsinnig zu sein. Sie hilft dir, zu bemerken, wenn Gefahr droht und dann zu handeln.

  • Egoismus

Viele Menschen hören: „Sei nicht so egoistisch! Schau nicht immer nur auf dich!“ und ihr Egoismus wird zu ihrer Schattenseite. Die Kehrseite: Sie agieren zukünftig selbstlos, sind immer für andere da, selbst wenn es ihre Kapazitäten und Ressourcen übersteigt. Sich selbst zu übernehmen, überarbeitet zu sein, nicht „Nein“ sagen zu können, sind alles Folgen davon, den eigenen egoistischen Anteil abgespaltet zu haben. Denn dieser Anteil ist wichtig! Er schützt dich. Er sorgt dafür, dass du auf dich selbst hörst, deine Bedürfnisse wahr nimmst und gut für dich sorgst. Selbstfürsorge ist eine so wichtige Funktion eines egoistischen Anteils. Der dann im Umkehrschluss wieder dafür sorgt, dass du gut in deiner Kraft und für andere da sein kannst. Denn ein Anteil wird immer nur ein Teil deiner Persönlichkeit sein. Niemals deine ganze Persönlichkeit, niemals alles was du bist.

  • Kindisch

Oft hören wir auch „Sei nicht so kindisch! Benimm dich.“ und sperren unseren kindischen Anteil weg. Erlauben ihn uns nicht mehr. Und rauben uns damit den Spaß im Leben und die Leichtigkeit. Die Lockerheit, die Entspannung.

 

Streit in der Partnerschaft

 

Du musst deine Schatten integrieren, um ein ausgeglichenes & erfülltes Leben zu führen!

Wir müssen aufhören im „entweder/oder“ zu denken und uns bewusst werden, dass es auch ein „sowohl/als auch“ gibt! Wir können kindisch sein und trotzdem gute Arbeit leisten. Wir können egoistisch sein und gerade deshalb gut für andere da sein können. All diese Seiten können nebeneinander existieren und wichtig füreinander sein. Wichtig für unseren Ausgleich und wichtig für die Gestaltung unserer Partnerschaft.

Damit nicht ein einzelnes Wort einen riesigen Konflikt auslöst. Damit wir wissen, was uns getroffen hat, wenn wir uns getriggert fühlen. Damit wir über das sprechen können, was wirklich wichtig ist.

Es kann schwer sein die eigenen Schatten zu erkennen – lasse dich unterstützen!

Und weil das nicht immer einfach ist möchte ich dich ermutigen, die Unterstützung zu suchen, wenn du merkst, dass du alleine nicht weiterkommst.

Wenn du bemerkst, dass

  • in deiner Beziehung oft ein Wort dazu führt, dass die Situation komplett eskaliert,
  • dass ihr im Streit die Kontrolle verliert und die Situation nicht mehr beruhigen könnt,
  • dass ihr euch so sehr triggert, dass die Beziehung infrage gestellt wird und in Gefahr ist oder
  • dass ihr selbst nicht an die Themen dahinter kommt, eure Schattenanteile nicht selbst erkennt und es euch nicht gelingt, sie selbst zu integrieren,

dann sucht euch Hilfe und lasst euch unterstützen. Einzeln oder gemeinsam in einer Paartherapie. Ihr müsst das nicht alleine schaffen und ihr müsst das vor allem nicht noch länger mit euch mittragen. Auch ihr könnt eure Schatten erkennen, integrieren und wieder ins Gleichgewicht kommen. Es gibt keine Grund warum ihr das nicht könntet oder nicht verdient hättet.

Ihr wünsche euch alles Gute!

 

Seiten die wir uns selbst nicht erlauben

 

Ich hoffe diese Podcast-Folge hat dir gefallen und du konntest etwas für dich mitnehmen. Wenn du heute etwas Neues gelernt hast, etwas verstanden hast, dann freue ich mich über eine 5-Sterne-Rezension bei Itunes.

Ich wünsche dir sehr, dass es dir gelingt, deine eventuell noch verborgenen Schattenanteile zu erkennen und zu integrieren. Für eine Partnerschaft voller Akzeptanz, Verständnis und echter Tiefe, in der alles gesagt und über alles gesprochen werden kann.

Alles Gute für dich,

lass es dir gut gehen,

mach’s gut & bis bald,

deine Linda

 

 

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Linda Mitterweger Psychologe Psychologin Berater Beraterin PSY-ON HilfeLinda Mitterweger  (Psychologin)

Ich helfe Menschen eine glückliche und erfüllte Partnerschaft zu leben – in Nahbeziehung und auch in Fernbeziehungen, trotz der Distanz. Ich selbst habe bereits viele Jahre Fernbeziehungen geführt und kenne die Herausforderungen, die diese Beziehungsform bietet – aber auch die Chancen. Mit meiner Unterstützung kannst du die Kommunikation und Offenheit in deiner Beziehung stärken und so gute Lösungen für die Herausforderungen finden, die sich dir in deinem Leben und in deiner (Fern-)Beziehung stellen. Neben der Fernbeziehungsberatung biete ich Online-Paartherapie über Videochat an. Kontaktiere mich für deine 90-minütige Power-Session oder verabrede direkt online deinen nächsten Termin.


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