Der Partner zieht sich zurück! Emotionaler Distanz über die Entfernung entgegenwirken

Veröffentlicht von Linda Mitterweger am

Leserfrage:  Er zieht sich immer mehr zurück!

Fernbeziehung: Wenn der Partner sich über die Distanz entfernt

 

Als dritte und vorerst letzte Leserfrage beantworte ich in dieser Woche die E-Mail von Sarah W. Sie schrieb mir im Januar als Antwort auf das Gewinnspiel in meinem Newsletter – für den du dich hier eintragen kannst – folgende Nachricht:

 

Hallo Linda,

ich habe ein Problem in meiner Fernbeziehung. In letzter Zeit zieht sich mein Partner immer öfter zurück. Er meldet sich dann nicht, reagiert oft stundenlang nicht auf meine Nachrichten, antwortet nur ganz kurz. Ganz anders als ich es von ihm gewöhnt bin! Ich weiß einfach nicht, wie ich mich verhalten soll. Wenn ich ihm schreibe oder ihn anrufe und ihn auf die Situation anspreche, reagiert er genervt. Er sagt, dass er gerade viel Stress hat, vor kurzem war er auch krank. Ich verstehe das ja, aber ich habe Angst, ihn zu verlieren und weiß überhaupt nicht, was ich machen kann. Ich lasse ihn mittlerweile schweren Herzens in Ruhe und hoffe darauf, dass er sich wieder meldet. Er meldet sich auch irgendwann wieder und für ihn ist alles ok. Ich kann damit aber nicht umgehen. Ich weiß nicht mehr weiter.

Viele Grüße,

Sarah W.

 

Er zieht sich immer mehr zurück 

Liebe Sarah,

wenn sich ein Partner zurückzieht ist das – gerade in einer Fernbeziehung – für den anderen Partner sehr schmerzhaft und schwer auszuhalten. Ich kann deine Ängste und deine Verzweiflung absolut nachvollziehen und möchte dir direkt als Einstieg in meine Antwort sagen:

Du musst das nicht aushalten!

In einer Beziehung soll es beiden Partnern gut gehen. Dass dein Partner scheinbar gerade eine schwierige Phase durchmacht ist offensichtlich. Trotzdem gibt ihm das nicht das Recht, deine Gefühle zu verletzen indem er dich kommentarlos ausschließt! Offensichtlich leidest du unter der aktuellen Situation, aber

du hast das Recht zu wissen, wo du stehst!

Wie du jetzt am besten auf deinen Partner zugehen solltest, erkläre ich dir gleich. Erst einmal möchte ich dir erklären, was möglicherweise gerade in deinem Partner vorgeht.

 

Wenn der Partner sich über die Distanz entfernt

 

Vielleicht kennst du meinen Blogpost zum Thema „Innere Landkarte“ – ich verlinke ihn dir hier zum Nachlesen. Die Kurzfassung: Jeder Mensch verfügt über eine sog. „Innere Landkarte“ auf der alle persönlichen Erfahrungen, Gedanken, Gefühle, Glaubenssätze und Überzeugungen gespeichert sind. Da dein Partner in seinem Leben andere Erfahrungen gemacht hat als du, sieht seine innere Landkarte auch anders aus als deine.

Dein Partner hat eine andere Herangehensweise an die Situation als du!

Er wendet bei Problemen möglicherweise eine andere Lösungsstrategie an als du. Vielleicht hat er den Glaubenssatz: „Wenn es mir schlecht geht muss ich das mit mir selbst regeln!“ und handelt fest nach dieser Überzeugung. Ich verlinke dir hier einen früheren Blogpost, in dem du mehr zu Glaubenssätzen erfährst. Möglicherweise ist er zudem aus seinem Elternhaus oder aus früheren Beziehungen andere Streitmuster gewöhnt als du und hat gelernt, dass er sich keine Unterstützung holen soll, kann oder darf.

 

Du musst das nicht aushalten

 

Ich würde dir in deiner aktuellen Situation folgendes Vorgehen empfehlen:

Übe keinen Druck auf deinen Partner aus!

Auch wenn dir das vielleicht schwer fällt. Ich kann verstehen, dass du den Kontakt zu ihm suchst und wissen möchtest, was los ist. Wenn du ihn jedoch in die Ecke drängst, ihm im schlimmsten Fall sogar ein Ultimatum stellst, wird folgendes passieren: Dein Partner gerät in Stress – und auf Stress reagiert bekanntlich jeder anders. Vielleicht kennst du die Fight/Flight/Freeze-Theorie – oder du kannst sie hier nochmal nachlesen. Es scheint als würde dein Freund in der aktuellen Beziehungssituation zu einer Flight-Reaktion neigen: Er flüchtet aus der Konfrontation indem er den Kontakt zu dir minimiert oder sogar ganz einstellt.

Vermeide, Stress auszuüben!

Denn genau dieser Stress führt bei deinem Partner ja bekanntlich zu genau der Reaktion, die du in Zukunft vermeiden möchtest.

 

Dein Partner hat eine andere Herangehensweise als du

 

Es ist wahrscheinlich unrealistisch, dass dein Partner vom Kontaktabbrecher in Stresssituation zum absoluten Kommunizierer wird, der zukünftig seine Probleme lang und breit mit dir besprechen wird anstatt sie, wie bisher, allein zu lösen. Trotzdem würde ich dir empfehlen, das Gespräch mit deinem Partner zu suchen. Wenn er sich verweigert und deine Anrufe nicht entgegen nimmt ist es vielleicht sinnvoll ihm eine Textnachricht, eine E-Mail oder möglicherweise sogar einmal einen Brief zu schreiben. Noch stärker würde ich dir raten, das Gespräch mit deinem Partner zu suchen, wenn er gerade nicht im Rückzug ist.

Suche das Gespräch, wenn es euch gerade gut geht.

Du hast beschrieben, dass er sich nach einiger Zeit wieder meldet und die Situation für ihn dann völlig in Ordnung ist. Ich kann mir vorstellen, dass sein Verhalten sehr frustrierend für dich sein muss. Nutze trotzdem die Chance, in genau diesen Situationen den Grundstein für einen besseren Umgang mit eben solchen Situationen in der Zukunft zu legen.

 

Übe keinen Druck auf deinen Partner aus

 

Gehe auf deinen Partner zu, wenn er sich dir wieder zuwendet. Empfange ihn wohlwollend und ohne Vorwürfe oder Anklagen. Suche ein Gespräch mit ihm, um die Situation nachzubereiten und eine bessere Lösung für die Zukunft zu finden.

Beachte die Kommunikationsregeln!

Auch wenn die Situation für dich enttäuschend und frustrierend ist: Achte unbedingt darauf, wie du mit deinem Partner sprichst. In meinem Workbook zur Kommunikation in Beziehungen habe ich viele Kommunikationstipps und -regeln gesammelt, die du beachten solltest, um das Gespräch in eine positive Richtung zu lenken. Außerdem solltest du dich im Gespräch an den Regeln der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg orientieren.

  1. Spreche von dir, statt Vorwürfe zu machen!
  2. Beschreibe deine Sichtweise der Situation ohne zu interpretieren.
  3. Sage deinem Partner, welches Gefühl die Situation in dir auslöst, ohne ihn für deinen Frust oder deine Trauer verantwortlich zu machen.
  4. Formuliere einen konkreten Wunsch an deinen Partner.

Achte darauf, dass dein Wunsch für deinen Partner erfüllbar ist. Sich für die Zukunft zu wünschen, dass ein solcher Rückzug nicht mehr vorkommt, ist unrealistisch – es ist ganz einfach die Lösungsstrategie, die dein Partner anwendet.

 

Vermeide Stress auszuüben

 

Erkläre deinem Partner besser wie unsicher du dich fühlst, wenn er sich von dir zurückzieht und welche Sorge sein Verhalten in dir auslöst. Sage ihm, was du dir wünschst – beispielsweise ein Zeichen, dass zwischen euch alles in Ordnung ist und er weiterhin zu dir und der Beziehung steht, auch wenn er gerade ein Problem mit sich selbst ausmachen muss. Und dann verabredet ein Wort, einen Satz oder ein Zeichen – eine Geste, mit der dir dein Partner genau diese Sicherheit in solchen Situationen geben kann ohne all seine Sorgen und Emotionen mit dir zu teilen.

Ich wünsche dir viel Erfolg für deine Fernbeziehung,

deine

Linda Mitterweger


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Linda Mitterweger Psychologe Psychologin Berater Beraterin PSY-ON HilfeLinda Mitterweger  (Psychologin)

Ich helfe Menschen in Fernbeziehungen, trotz der Distanz eine erfüllte Partnerschaft zu leben. Ich selbst habe bereits viele Jahre Fernbeziehungen geführt und kenne die Herausforderungen, die diese Beziehungsform bietet – aber auch die Chancen. Mit meiner Unterstützung kannst du die Kommunikation und Offenheit in deiner Beziehung stärken und so gute Lösungen für die Herausforderungen finden, die sich dir in deinem Leben und in deiner Fernbeziehung stellen. Neben Einzelsitzungen und Online-Paartherapie biete ich Beratungspakete für Frauen und Männer zu verschiedenen psychologischen Themen an. Kontaktiere mich für deine 90-minütige Power-Session oder verabrede direkt online deinen nächsten Termin.


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