109 I Wenn die sexuelle Lust in der Beziehung fehlt

Veröffentlicht von Linda Mitterweger am

Wenn die sexuelle Lust in der Beziehung fehlt

Bin ich asexuell oder ist es nur eine Phase?

 

Heute spreche ich mit dir über die Themen sexuelle Lust oder Unlust und Asexualität. Wir klären, was typische Gründe dafür sind, wenn es im Bett mal nicht läuft. Wir sprechen aber auch über den dauerhaften Zustand der Asexualität. Was das ist und woran du es erkennst.

Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit dieser Podcast-Folge und viele neue Erkenntnisse.

 

Du kannst die Folge direkt hier hören – oder auf Spotify & ITunes.

 

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Asexualität

 

Hier kannst du den Inhalt der Folge zudem als Blogpost nachlesen:

 

Ich arbeite häufig mit Paaren, bei denen es im Bett nicht oder nicht mehr so gut läuft. Sie haben nur noch wenig oder gar keinen Sex mehr oder fühlen sich in ihrem Sexleben nicht erfüllt. Oftmals leidet ein Partner stärker unter der Situation als der andere, fühlt sich jedoch nicht imstande irgendetwas an der Situation zu verändern. Ein solcher Zustand kann ganz schön an die Substanz der Beziehung gehen. Oftmals bewegt man sich dann in eine Art Teufelskreis: Die Sexualität wird ein empfindliches Thema. Es wird unangenehm darüber zu sprechen. Es gab schon so viel Abweisung und Ablehnung, dass beide Partner sich sehr verletzt fühlen und das Thema noch mehr meiden, was wiederum zu keiner Veränderung im Sexleben führt.

Ich habe schon einige Paare begleitet, bei denen sich ein Partner im Laufe des Prozesses, als asexuell definiert und auch geoutet hat.

Was das genau bedeutet, dazu werde ich dir später mehr erzählen.

Dass sich das Sexleben über die Zeit der Beziehung verändert, ist ganz normal. Andere Aspekte der Beziehung verändern sich ja auch. Veränderung ist nichts grundsätzlich Schlechtes. Aber im Sexleben braucht es – genauso wie bei der Kommunikation oder dem alltäglichen Umgang – in den meisten Fällen Achtsamkeit, proaktive Entwicklung, Fokus und auch eine gewisse Menge an Energie.

Nicht in jeder Lebensphase können wir dem Sexleben das gleiche Maß an Energie oder Aufmerksamkeit widmen – den Fokus darauf legen. Das ist auch nicht schlimm, solange beide Partner gut im Kontakt bleiben über die Situation und die Bedürfnisse, die in der Beziehung Raum brauchen.

Es gibt jedoch auch eine große Anzahl anderer Gründe, warum es im Bett nicht klappt und Paare keine erfüllte Sexualität leben können.

Zu den körperlichen Ursachen für fehlende Sexualität und fehlende Lust können beispielsweise hormonelle Gründe rund um die Geburt oder die Menopause zählen. Eine Medikation, z.B. mit Antidepressiva, Beruhigungs- oder Schlafmitteln, kann ebenfalls die sexuelle Aktivität verändern. Auch Drogenkonsum hat eine Auswirkung auf die sexuelle Lustentwicklung. Und fehlende Lust kann auch neuronale Ursachen haben, beispielsweise eine Fehlfunktion im Lustzentrum des Gehirns.

Körperliche Ursachen für fehlende sexuelle Lust sollten immer auch ärztlich abgeklärt werden!

Und dann gibt es psychische Ursachen, die manchmal unter stärkerer Belastung kurzzeitig oder im schlimmsten Fall auch langfristig, zu sexueller Unlust führen.

Dazu gehören ganz typisch Stress und Schlafmangel. Aber auch psychisch sind die Nachwirkungen beispielsweise einer Geburt nicht zu unterschätzen. Menschen, die sexuellen Missbrauch erlebt haben, können mit psychischen Auswirkungen zu kämpfen haben, die zu Unlust oder auch fehlendem Interesse an sexuellen Handlungen führen. Und ein Faktor – der häufig unterschätzt wird – ist die Unzufriedenheit in der Partnerschaft. Für viele Menschen stellt ihre sexuelle Lust oder Unlust auch stellvertretend ein Messinstrument für die Qualität der Partnerschaft dar.

Auch solche psychischen Faktoren sollten bedacht und möglicherweise behandelt werden, wenn ihr in eurer Beziehung mit Herausforderungen im Sexleben zu kämpfen habt.

Nichtsdestotrotz gibt es aber abseits dieser psychischen und körperlichen Faktoren, die zu sexueller Unlust führen können, eine Gruppe an Menschen, die sich als asexuell definieren. Diese Gruppe umfasst Schätzungen zufolge etwa 1% der deutschen Bevölkerung.

Unter Asexualität wird die Abwesenheit sexueller Anziehung gegenüber anderen, fehlendes Interesse an Sex oder ein nicht vorhandenes Verlangen nach Sex verstanden.

Das bedeutet nicht, mal keine Lust auf Sex zu haben. Das bedeutet auch nicht, dass ein psychischer oder körperlicher Faktor das sexuelle Verlangen für eine gewisse Zeit beeinträchtigt. Asexualität ist ein dauerhafter Zustand.

Asexuelle Menschen verspüren keine körperliche Anziehung zu anderen Menschen.

Und um das ganz klar zu stellen: Asexualität bedeutet nicht eine willentliche Enthaltsamkeit. Es bedeutet auch nicht zwangsläufig eine fehlende Libido. Es bedeutet schon gar nicht, dass man sich nicht romantisch zu einem anderen Menschen hingezogen fühlt, keine Liebe empfindet. Asexuelle Menschen können sehr wohl lieben und sie wünschen sich vielleicht auch eine Beziehung, einen Partner oder eine Partnerin. Sie können heterosexuell sein, homosexuell oder bisexuell. Ihre Libido kann stark oder schwach ausgeprägt sein – wie bei jedem anderen Menschen auch. Sie können ein Bedürfnis nach Masturbation haben.

Asexualität ist keine Entscheidung. Es ist eine sexuelle Orientierung.

Und Asexualität existiert auf einem Spektrum. Es gibt Menschen, die sexuelle Handlungen vollkommen ablehnen und solche, die Sex beispielsweise angenehm finden aber kein dringendes Bedürfnis danach haben.

Asexuelle Menschen haben also nicht zwangsläufig nie Sex!

Einige Asexuelle haben Sex zur Pflege der Beziehung mit einem nicht asexuellen Partner. Manche Asexuelle haben einen Kinderwunsch und haben deshalb Sex – zumindest so lange bis dieser Wunsch erfüllt wird.

Asexualität ist sehr individuell und bei jedem asexuellen Menschen unterschiedlich ausgeprägt.

Alle asexuellen Menschen haben gemeinsam, dass sie keinen Wunsch nach sexueller Interaktion verspüren.

Aber bei einigen fängt die Definition sexueller Interaktion schon beim Küssen an und bei anderen erst beim wirklichen Geschlechtsverkehr.

Wenn der Wunsch nach Beziehung da ist, dann ist das ein Wunsch nach Nähe und Verbindung auf anderen als der sexuellen Ebene.

Einige asexuellen Menschen bemerken in der Jugend, dass sie sich anders als Gleichaltrige empfinden, beispielsweise indem sie andere Menschen als nett oder hübsch wahrnehmen – nicht aber als sexuell anziehend. Sie können nicht nachvollziehen, weshalb anderen Menschen Sex so wichtig ist und finden sexuell aufgeladene Situationen unangenehm oder befremdlich.

Einige Menschen können sich so direkt als asexuell definieren und outen.

Das hilft, in Beziehungen Klarheit zu schaffen und zwischen den Partner deutlich zu klären, was möglich ist und was nicht.

In vielen Partnerschaften, in denen diese Klarheit noch fehlt, birgt das unterschiedliche Bedürfnis Konfliktpotenzial. Möglicherweise fühlt sich der asexuelle Partner zu mehr sexueller Aktivität gedrängt. Eventuell ändert sich das Sexualleben nach der Geburt eines oder mehrerer Kinder auch nochmal vollkommen, weil der asexuelle Partner jetzt keinen Grund für sexuelle Handlungen mehr sieht.

In solchen Situationen braucht es eine offene und ehrliche Kommunikation in der Partnerschaft.

Ich erlebe häufig, dass die sexuell aktiven Partner versuchen, ihre asexuellen Partner zu verändern. Es fällt oftmals schwer, diese Unterschiedlichkeit zu akzeptieren. Sie suchen nach einer Lösung oder einer Möglichkeit, den Partner zu behandeln.

Tatsächlich ist Asexualität keine Krankheit und benötigt somit auch keine Behandlung.

Asexualität ist eine Ausdrucksform der Sexualität. Bei Menschen, die sich als asexuell definieren, gibt es keinen Leidensdruck. Sie sind gut, wie sie sind. Deshalb gibt es im DSM-5 – dem Manual, in dem alle psychischen Krankheiten festgelegt und mit Nummern versehen sind – auch bewusst keine Diagnose für Asexualität. Und das wird sich auch nicht ändern.

Ich weiß, dass Asexualität in Partnerschaften herausfordernd sein kann.

Oft wünschen sich Partner von asexuellen Menschen Tipps für den Umgang. Tatsächlich führt der einzige Weg, mit der Asexualität des Partners umzugehen, über die Akzeptanz. Offenheit und ein ehrlicher Austausch über Möglichkeiten und Grenzen kann helfen, den Weg als Paar zu gehen.

Gerade wenn sich ein Partner erst während der Beziehung als asexuell definiert, kann das einiges abverlangen. Bleibt da gut in Kontakt und lasst euch, wenn nötig, unterstützen.

Mehr Informationen zum Thema Asexualität findest du auch beim Verein Aktivista, der 2012 in Deutschland gegründet wurde und neben Information auch Möglichkeiten zur Vernetzung bietet.

Und wenn du diese Podcast-Folge bis hierhin gehört hast und dir nicht sicher bist, ob du vielleicht asexuell bist ohne das bisher so für dich definiert zu haben, stelle ich dir jetzt zum Abschluss noch vier Fragen, die dir zu mehr Klarheit helfen.

Bitte bedenke: Jeder Mensch ist unterschiedlich. Nicht alle Fragen werden für dich gleich stark wirken und zutreffen. Wir wollen hier nicht in Schubladen packen. Aber solltest du die ein oder andere der vier Fragen mit JA beantworten, lohnt es sich vielleicht, dich nochmal tiefer in das Thema der Asexualität einzulesen und mehr darüber zu lernen.

  1. Wirken Sex und sexuelle Darstellungen nicht anziehend auf dich, sondern eher langweilig?
  2. Empfindest du sexuelle Erregung als gewöhnlich, ärgerlich oder unangenehm?
  3. Hat die Persönlichkeit eines Menschen für dich eine sehr viel größere Anziehungskraft als dessen Aussehen?
  4. Suchst du Intimität nicht in der Erfüllung sexuellen Verlangens?

Natürlich verspüren asexuelle Menschen nicht generell Ekel oder Aneigung gegen über Sex. Sie können auch sehr wohl sexuelle Erregung verspüren und sich von Schönheit angezogen fühlen und sicher wollen sie nicht unbedingt auf Intimität und Innigkeit verzichten. Das Bild asexueller Menschen ist so vielschichtig, wie wir als Individuen es sind. Und trotzdem hoffe ich, dass dir die vier Fragen eine Tendenz aufgezeigt haben.

Wenn dich das Thema noch weiter interessiert schaue gerne mal auf der Homepage von Aktivista vorbei – da gibt es viele nützliche Informationen.

 

Danke, dass du in dieser Podcast-Folge wieder mit dabei warst.

Ich freue mich sehr, wenn ich dich hier im Podcast unterstützen kann in deiner Beziehung und ich freue mich auch, wenn ich dir durch den Podcast hin und wieder mal ein ganz neues Thema zugänglich machen kann und so einem wichtigen Thema eine Plattform bieten kann.

Wenn du selbst einen Themenwunsch für den Podcast hast, schicke ihn mir gerne an linda@psy-on.de

Lass es dir gut gehen,

mach’s gut & bis bald,

deine Linda

 

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Linda Mitterweger Psychologe Psychologin Berater Beraterin PSY-ON HilfeLinda Mitterweger  (Psychologin)

Ich helfe Menschen eine glückliche und erfüllte Partnerschaft zu leben – in Nahbeziehung und auch in Fernbeziehungen, trotz der Distanz. Ich selbst habe bereits viele Jahre Fernbeziehungen geführt und kenne die Herausforderungen, die diese Beziehungsform bietet – aber auch die Chancen. Mit meiner Unterstützung kannst du die Kommunikation und Offenheit in deiner Beziehung stärken und so gute Lösungen für die Herausforderungen finden, die sich dir in deinem Leben und in deiner (Fern-)Beziehung stellen. Neben der Fernbeziehungsberatung biete ich Online-Paartherapie über Videochat an. Kontaktiere mich für deine 90-minütige Power-Session oder verabrede direkt online deinen nächsten Termin.


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