#079 | Toxische Beziehungen beenden: Tipps & Erfahrungen

Veröffentlicht von Linda Mitterweger am

Toxische Beziehungen beenden:

Tipps & Erfahrungen

Interview-Special mit Nadine Klein

Heute habe ich ein ganz besonderes Interview-Special für dich!

Ich spreche mit Nadine Klein über ihren Weg aus einer toxischen Beziehung. Vielleicht kennst du Nadine aus dem Fernsehen oder von Instagram.

Im Interview sprechen wir darüber,

  • woran sie bemerkt hat, dass die Beziehung toxisch war,
  • wie sie einen Weg aus dieser Partnerschaft gefunden hat,
  • was diese Erfahrung sie gelehrt hat
  • und welche Botschaft sie allen Betroffenen mit auf den Weg geben möchte.

Im Interview finden sich so viele Tipps & so einschlägige Erfahrungen – kraftvoll & unglaublich stark! Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei Nadine für ihre Offenheit und den Mut, ihre Geschichte zu erzählen und ich hoffe, dass das Interview dich genauso berührt wie mich!

Viel Spaß beim Hören und viele gute Impulse für dich!

 

Du kannst die Folge direkt hier hören – oder auf Spotify & ITunes.

 

Außerdem habe ich dir die wichtigsten Inhalte und Erkenntnisse des Gespräches in einem gesonderten Blogbeitrag in aller Kürze zusammen gefasst. Den Blogbeitrag findest du hier!

 

Achtung: Wenn du selbst in einer toxischen Beziehung lebst, hole dir bitte rechtzeitig Hilfe! Wende dich an eine Beratungsstelle für Beziehung & Familie oder kontaktiere meine Freundin und Narzissmus-Expertin Susanne Kraft. Das Interview mit Susanne, in dem wir noch genauer darüber sprechen, wie du narzisstische Züge erkennen und den Weg aus einer toxischen Beziehung finden kannst, findest du hier.

 

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Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit diesem Buch & alles Gute für deine Beziehung!

 

Toxische Beziehung Tipps

 

Hier kannst du das Interview zudem als Blogpost nachlesen:

 

Linda Mitterweger:

Hallo liebe Nadine, herzlich willkommen hier im Paartherapie Podcast wie schön, dass du da bist. Ich freue mich unglaublich auf dieses Gespräch, das wir jetzt führen werden. Erzähl uns doch gerne mal warum bist du heute hier und worüber möchtest du heute hier im Paartherapie Podcast sprechen?

 

Nadine Klein:

Danke erst einmal, dass ich überhaupt hier sein darf. Ich bin heute hier, weil ich über etwas sprechen möchte, worüber ich trotz meiner öffentlichen Auftritte, meiner TV-Präsenz und auch trotz meiner Reichweite bei Instagram aus verschiedenen Gründen noch nie öffentlich gesprochen habe. Ich war selbst in einer Beziehung mit jemandem, der absolut toxisch ist, toxisch war und diese Beziehung bestand nur aus Drama, aus Machtspielen, aus Kontrolle und Eifersucht. Ich wurde am laufenden Band provoziert, beleidigt und erniedrigt. Als ich die Beziehung verlassen habe, wurde ich auch noch bedroht und all das wurde mir als Liebe verkauft.

 

Linda Mitterweger:

Das klingt nach einer unglaublich herausfordernden Situation, die du da gemeistert hast. Ich finde es einen unheimlich mutigen und sehr, sehr starken Schritt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, sich damit zu zeigen und davon zu erzählen. Ich bin dir sehr dankbar, dass du dich dazu entschieden hast und dass du andere Menschen, die Hörer und Hörerinnen an deiner Geschichte teilhaben lässt und versuchst, ihnen da auch etwas mitzugeben. Was hat dich schlussendlich jetzt dazu bewogen, öffentlich darüber zu sprechen, damit nach außen zu gehen?

 

Nadine Klein:

Ich habe lange geschwiegen, weil ich auf der einen Seite bedroht wurde. Damals habe ich auch Nachrichten bekommen, wenn du jemals ein schlechtes Wort über mich sagst, dann pack ich richtig aus. Ich kann dein Leben zerstören, wenn ich will. Das waren Nachrichten, die ich schwarz auf weiß bekommen habe. Und zum anderen habe ich mich auch geschämt. Ich habe mich gefragt, wie ich es überhaupt so weit kommen lassen habe , dass es anderen Frauen vielleicht nicht passiert wäre, in so eine Situation zu geraten und hatte wirklich Angst und Scham. Das Alles hat mit rein gespielt, warum ich nie darüber gesprochen habe. Aber letzten Endes habe ich mir gedacht, wenn alle Frauen schweigen, denen das passiert ist, dann wird auch niemandem geholfen. Ich bin sicherlich nicht die einzige Frau, der das passiert ist. Er ist nicht der einzige Mann, der da draußen rumläuft und der das macht. Und letzten Endes kann ich vielleicht durch meine Geschichte, durch das, was ich zu sagen und zu erzählen habe, durch das, was mir passiert ist und wie ich es da raus geschafft habe, wie ich heute damit umgehe, vielleicht anderen Frauen auch helfen. Und wenn nur eine einzige Frau da draußen ist, die das hört, die sich in meinen Worten wiedererkennt und die daraufhin sich vielleicht auch eingestehen kann, dass die Beziehung, die sie führt, ebenso ungesund und toxisch ist, wie es bei mir war und die daraufhin aus der Beziehung herausfindet, dann hat es sich schon gelohnt, dass ich heute hier bin.

 

Nadine Klein toxische Beziehung beenden

 

Linda Mitterweger:

Absolut. Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass du durch deine Geschichte hier ganz vielen Zuhörern oder auch Zuhörerinnen helfen kannst.

Dass sich hier einige, die diesen Podcast hören, die sich vielleicht auch gerade selbst mit dem Thema Narzissmus, mit dem Thema toxische Beziehungen auseinandersetzen, in deiner Geschichte wiederfinden. Deshalb auch an dieser Stelle nochmal vielen, vielen Dank. Danke, dass du deine Geschichte, deine Erlebnisse hier zur Verfügung stellst. Und danke, dass du damit anderen die Möglichkeit gibst, aus deiner Erfahrung zu lernen und zu lernen, dass sie damit nicht allein sind und dass es viel mehr Menschen betrifft, als man vielleicht auf den ersten Blick so annehmen würde.

Und dass es sehr, sehr helfen kann, darüber zu sprechen, anstatt sich eben in die Schuld und die Scham zurückzuziehen und zu versuchen, alles ganz allein für sich selbst zu lösen. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass diese Beziehung ja nicht vom ersten Tag an so toxisch und so verletzend verlaufen ist, sondern dass du irgendwann an einem gewissen Punkt bemerkt hast, dass sich da was verändert hat. Nimm uns doch mal mit und erzähl uns, welche Entwicklung in deiner Partnerschaft stattgefunden hat.

 

Nadine Klein:

Es hat so natürlich nicht angefangen und es war auch nicht die ganze Zeit so. Es war ein ständiger Wechsel zwischen guten und schlechten Phasen. In den guten Zeiten kamen auch die schönsten Worte, die schönsten Versprechungen. Er möchte mich heiraten. Er möchte Kinder mit mir bekommen. Er liebt mich so sehr. Ich bin die perfekte Frau. Und ich dachte dann natürlich auch, dass ich einen ganz, ganz tollen Mann gefunden habe. Und dann gab es aber auch noch die schlechten Phasen.

Er hatte wahnsinnige Stimmungsschwankungen und war unfassbar launisch. Das kam von einer Sekunde auf die andere, von jetzt auf gleich. Und dann kamen die Beleidigung und Drohungen. Da hat er sich dann natürlich immer raus geredet. Er hat Versprechungen gemacht, es wird nicht wieder vorkommen. Er wird sich ändern. Er will so gar nicht sein. So ist er gar nicht. Er erschrickt vor sich selbst, dass er so ist im Umgang mit mir. Er hat es dann auch ganz oft darauf geschoben, dass er einen schlechten Tag hat oder dass ihn irgendwas provoziert hat.

Meistens war ich schuld. Meistens hab ich ihn dann selbst provoziert. Wenn ich mich nicht so verhalte, wenn ich es nicht provoziere, dann sagt er das auch nicht, dann macht er das nicht und beleidigt mich auch nicht. Ich bin also selber schuld. Und man muss natürlich auch dazu sagen, er hat sich unfassbar schnell provoziert gefühlt. Wenn ich ihm nachts beim Schlafen den Rücken zugedreht habe, hat er sich provoziert gefühlt. Aus diesem Grund hat er mal zwei Tage nicht mit mir gesprochen. Wenn ich in seiner Gegenwart eine SMS bekommen hab, hat er sich provoziert gefühlt, wenn ich gelacht habe an einem Tag, an dem er schlechte Laune hatte, hat er sich auch provoziert gefühlt. Da hieß es, Du bist so falsch, du bist so fake. Also im Grunde hat er gefühlt alles als Auffassung genommen, um sich provoziert zu fühlen und als Grund genommen, um mich dann zu bestrafen.

Ich wurde entweder durch Schweigen oder durch ignoriert werden bestraft. Ich wurde mit bockigen Antworten abgespeist, egal wie, er hat mich das dann immer spüren lassen oder hat mich immer irgendwie abgestraft, weil ich in seinen Augen etwas falsch gemacht habe. Das war für ihn alles ein riesiges Machtspiel und irgendwann hab ich das gemerkt, dass all diese Entschuldigungen, dass all diese Versprechungen einfach nur leere Worte sind und dass es sich einfach nicht ändern wird, dass er sich nicht ändern wird.

Manchmal hat es Tage gedauert, manchmal nur Stunden. Dann hat er genau das Gleiche wieder gemacht. Es hat sich einfach nichts verändert. Er hat sich immer gleich verhalten und ich hab das einfach zuvor noch nie so erlebt, dass ein Partner mir gegenüber so feindselig eingestellt war, so voller Hass, so voller Wut mir gegenüber in Gesprächen. Das war einfach der Punkt, wo ich wusste, dass das alles nicht normal ist. Dass das alles nicht vergleichbar ist mit Ex-Beziehungen, die ich hatte und gleichzeitig wusste ich auch, dass sich das alles nie ändern wird.

 

Nadine Klein Toxische Beziehung

 

Linda Mitterweger:

Wahnsinn. Wenn ich da so die Warnsignale und die Kriterien toxischer Beziehungen im Hinterkopf habe, dann stimmt da doch ziemlich viel überein. War dir das bewusst? Oder vielleicht anders gefragt wann wurde dir bewusst, dass du da vielleicht in eine toxische Partnerschaft geraten bist, dass dein damaliger Partner möglicherweise narzisstische Züge hat?

 

Nadine Klein:

Ja, gute Frage. Wo fängt man da an? Also das klingt jetzt natürlich so glasklar, dass das eine Beziehung ist, die ungesund und toxisch ist. Ich muss dazusagen, dass ich damals in der Situation das gar nicht verstanden habe. Also ich habe nicht begriffen, was vor sich geht. Es hat wirklich noch Wochen und Monate nach der Trennung gebraucht, bis ich ansatzweise ein Gefühl dafür bekommen habe, was da eigentlich alles schiefgelaufen ist. Ich habe einfach gemerkt, irgendetwas stimmt hier hinten und vorne nicht. Und wenn es so weitergeht, gehe ich vor die Hunde und wir kommen einfach nicht auf einen Nenner.

 

Linda Mitterweger:

Als dir das klar wurde und du diese Erkenntnis hattest, wenn es so weiter geht, dann gehe ich vor die Hunde. Wie kam das zustande? Gab es da eine bestimmte Situation, die das ausgelöst hat? Oder wie kam dir damals überhaupt diese Gedanken, diese Erkenntnis, dass das gefährlich für dich wird, dass du da raus musst?

 

Nadine Klein:

Es war über Wochen immer sehr, sehr versteckt, erst mal sehr unterschwellig. Er hat einfach nonstop provoziert. Ich nenne einfach mal ein Beispiel. Er hat immer wahnsinnig viel Bestätigung und Aufmerksamkeit gebraucht. Das hat er mir auch wirklich so ins Gesicht gesagt. Du gibst mir nicht genug Bestätigung und hat das damit auch begründet, indem er mir ein paarmal angekündigt hat, wenn ich nächste Woche dort und dort bin, werde ich dann übrigens auch mit anderen Frauen flirten. Das muss dann für dich okay sein. Das hat er mir sonst Gesicht gesagt. Und beim ersten Mal hab ich dann so getan, als hätte ich es nicht gehört. Dann hat er es ein zweites Mal gesagt, dann hab ich drüber hinweg gelächelt, weil ich dachte vielleicht ist es ein Scherz, ein schlechter Scherz, aber ein Scherz. Als er es dann ein drittes Mal gesagt hat, meinte ich dann warum sagst du das? Das ist so verletzend, das ist so respektlos. Was soll das denn? Und dann hat er es umgedreht. Dann hieß e du hast ein Vertrauensproblem. Aha, du vertraust mir nicht. Du bist eifersüchtig. Was ist mit dir? Irgendwas stimmt nicht mit dir, oder er meinte dann, es war ja nur ein Scherz, er hat es nicht ernst gemeint. Und ich mach da gleich ein riesen Fass auf. Er hat sich in meiner Gegenwart wirklich die Nummern von anderen Frauen geben lassen. Und wenn ich gesagt habe, ich finde das respektlos und verletzend, meinte er ja, das macht er ja auch für uns. Das sind ja Kontakte, die wir dann haben.

 

Nadine Klein Narzissmus Beziehung

 

Linda Mitterweger:

Wow. Also das ist wirklich eine mögliche Sichtweise, dass ist kaum zu glauben und das ist sicher nicht die einzige Situation, auf die du jetzt in der Rückschau mit ganz anderen Augen blickst oder?

 

Nadine Klein:

Ich habe festgestellt, er hat an super vielen Punkten gelogen. Er hat dann nicht nur mich angelogen sondern auch über andere Personen gelogen. Er lügt auch jetzt in Bezug auf mich zum Beispiel. Um das mal zu veranschaulichen, in einem Urlaub den wir hatten, sind die Fetzen geflogen. Da ist der Streit wieder eskaliert. Er hatte sein Bettzeug gepackt, hat sich vors Bett gelegt und gesagt ich will nicht mehr mit dir in einem Bett schlafen. Dann meinte ich okay, dann lass uns zurückfliegen. Also wenn wir an dem Punkt sind, wo wir nicht mal mehr vernünftig miteinander reden können, dann lass uns jetzt den Rückflug buchen. Meinte er nein, das will er nicht. Er will hierbleiben. Er hat sich so drauf gefreut. Dann hab ich gesagt okay, dann flieg ich zurück, ich kann das einfach nicht mehr. Es macht mich kaputt. Von mir aus reden wir in der Woche. Aber an dem Punkt, wo jetzt kein Verständnis und keine Liebe mehr füreinander  in einem Gespräch da ist, will ich nicht weiter streiten. Und da meinte er wenn du das machst, dann gibt’s nichts mehr zu reden. Es gibt keine Trennung im Guten. Wir sind geschiedene Menschen. Ich werde direkt allen sagen du hast mich verlassen, du hast mich sitzen lassen und ich bin geblieben. Ich bin wirklich noch den ganzen Urlaub über geblieben. Wir sind zusammen zurück geflogen. Ich hab mich auch im Flugzeug noch fertigmachen lassen. Ich hab mich im Taxi noch beleidigen lassen. Und über diesen Urlaub z.B. Beispiel erzählt er anderen, ich wäre früher zurückgeflogen. Ich habe ihn da alleine sitzen lassen.

 

Linda Mitterweger:

Das ist wirklich sehr, sehr eindrücklich, wenn du das jetzt so beschreibst. Danke für diese Beispiele, Nadine, weil genau diese Beispiele zeigen, so gut wie die Tatsachen verdreht werden und auf welcher tiefgründigen, tiefgreifenden Ebene da auch Abwertung und Verunsicherung stattfindet, wie deine Wünsche und Bedürfnisse da ignoriert wurden und dir aus seinem egoistischen Verhalten dann im Nachhinein auch noch einen Strick gedreht wurde und du als fehlerhaft und schuldig dargestellt wurdest.

Das muss man in dieser Situation ja dann auch erst erkennen. Das ist so schwierig, das ist so tiefgreifend.

 

Nadine Klein:

Heute weiß ich es, damals hat es mich wahnsinnig verunsichert. Heute weiß ich, keine Frau wird diesem Mann genug Aufmerksamkeit im Leben schenken. Das waren einfach so Dinge, die mich komplett verunsichert haben. Ich hab dann immer den Fehler bei mir gesucht, auch wenn er mich beleidigt hat. Am Ende der Beziehung hat er mich als billig und nuttig beschimpft. Das waren Dinge, wo ich mir gesagt habe okay, jetzt ist wirklich eine Grenze erreicht. Wenn ich zu diesem Mann trotzdem zurückgehe, obwohl der so mit mir redet, so mit mir umspringt, dann verliere ich mich selbst. Weil das so verletzend ist, wenn jemand so mit einem spricht, so voller Hass und Wut, dir gegenüber steht in Streit Situationen, dass ich einfach gemerkt hab, ich muss gehen, ich muss da raus.

 

 

Nadine Klein Beziehung

 

Linda Mitterweger:

So eine wichtige Erkenntnis. Und dann doch noch so ein langer und schwieriger Prozess. Darüber werden wir später noch sprechen. Wie hat dein Partner denn damals reagiert, als dieser Prozess bei dir eingesetzt hat? Als diese Gedanken kamen, als du nicht mehr bereit warst, das mit dir machen zu lassen und vielleicht auch, als du begonnen hast, dich da gegen zu wehren?

 

Nadine Klein:

Seine Erklärung war immer ich hab’s provoziert. Ich bin selber schuld, wenn er mich beleidigt, wenn er mich demütigt, dann provoziere ich es. Er nennt mich nur nuttig, weil das Kleid ihm nicht gepasst hat, obwohl es bis zum Knie ging. Und er nennt mich nur billig, weil ich ja soviel Aufmerksamkeit brauche. Also er hat alles verdreht. Ich weiß, es ist wahnsinnig schwierig für Außenstehende zu beschreiben, weil das so manipulativ war und auch so verwirrend ist, so richtige Verwirr-Spielchen, die in dieser Beziehung stattgefunden haben, das ich selber ja schon nicht mehr wusste, was ich glauben soll und was ich denken soll.

Ich hab mir den Schuh wahnsinnig lange angezogen, dass ich die Schuldige bin, dass ich die Böse bin, dass ich wirklich irgendwas tue oder nicht tue, irgendetwas sage oder eben nichts sage und ihn dadurch provoziere. Bis ich wirklich verstanden habe, Monate nach der Trennung schon, dass es egal gewesen wäre, was ich tue. Es wäre einfach früher oder später darauf hinausgelaufen, dass ich die Böse sein muss. Ich musste es einfach sein. Ich hatte nie eine Wahl.

 

Linda Mitterweger:

Das heißt, was da stattgefunden hat, war Beschuldigung, Entwertung, extremes Streitverhalten, emotionale Erpressung und Verdrehung der Tatsachen. Um nur mal ein paar Muster zu nennen, über die wir gerade schon gesprochen haben. Und das sind Muster, die fast alle Menschen kennen, die in einer Beziehung mit einem narzisstischen Partner sind oder waren. Und ein weiterer ganz typischer Faktor ist, dass die Streitigkeiten, diese Konflikte in einer toxischen Beziehung eben ganz oft hausgemacht sind. Dieses typische auf Eierschalen laufen.

Es gibt kein wirkliches, zugrunde liegendes Problem. Die meisten Streitpunkte, die werden einfach aus dem Nichts herbeigeholt.

 

Nadine Klein:

Vieles, also der Großteil. Definitiv.

 

Nadine Klein Bachelorette

 

Linda Mitterweger:

Machen wir es nochmal ganz deutlich. Warum ist es so schwer zu gehen? Warum war es für dich so schwer, aus dieser Beziehung zu gehen, als du so behandelt wurdest?

 

Nadine Klein:

Zum einen, weil ich es nicht verstanden habe. Der Begriff Narzissmus oder narzisstische Züge war für mich nichts Greifbares. Ich dachte auch immer, ein Narzisst ist jemand, der super, super selbstverliebt, selbstbewusst ist, dem das Ego schon hundert Meter vorauseilt, dem man das vielleicht schon direkt anmerkt. Und so war er ja überhaupt nicht. Er hat sich als wahnsinnig einfühlsam, sensibel verkauft, als liebevoll, als würde er wirklich komplett zurückstecken. Hauptsache, es geht der Partnerin gut. Also er hat das komplett anders nach außen verkauft. Aber die Betonung liegt auf verkauft, weil die Realität sah komplett anders aus. Dieser Mann hatte einfach zwei Gesichter.

 

Linda Mitterweger:

Das beschreiben mir Menschen, die in einer toxischen Beziehung sind oder waren immer wieder. Und genau das macht es eben auch so schwer, sich da sicher zu sein. Aus dieser Situation heraus sicher zu sein und sich selbst da Glauben zu schenken, seiner eigenen Wahrnehmung zu trauen. Hast du da einen Tipp? Wie kann man sich deiner Erfahrung nach sicher sein, dass es nicht nur eine Phase ist, dass es nicht nur vielleicht ein schlechter Tag ist, den Partner gerade hat, sondern dass da wirklich Anzeichen für Narzissmus, für eine toxische Beziehung sind? Was hast du als den größten Unterschied erlebt, als das eindeutigste Signal?

 

Nadine Klein:

Das war auch etwas, was ich so noch nie erlebt habe. Jemand, der es wirklich provoziert, den Partner zu verletzen, weil wir alle machen mal Dinge, die den anderen verletzen. Wir alle haben Fehler und das ist ja auch das Normalste der Welt, auch das man streitet. Aber mir war das einfach komplett neu, dass jemand es wirklich liebt und genießt. Das klingt jetzt absolut perfide, aber das ist das Gefühl, was ich bei ihm hatte, dass er es liebt und genießt mich wirklich zu verletzen. Und es für ihn ein Triumph ist, wenn ich dann die Kontrolle verlor, wenn ich weine, heule oder ich dann wütend bin. Dann war er zufrieden. Das war dann für ihn auch die Bestätigung. Jetzt hat er es geschafft.

 

Hilfe bei toxischer Beziehung

 

Linda Mitterweger:

Das finde ich so wichtig, was du beschreibst, weil das sicher auch Mechanismen sind, die sich in vielen toxischen Beziehungen zeigen. Diese extreme Art, Konflikte anzuzetteln und dann aber auch auszutragen, da gibt es einen riesigen Unterschied zwischen einer stabilen, einer gesunden Beziehung mit einem psychisch gesunden Partner ohne narzisstische Züge. Du beschreibst es so schön, in einer gesunden, glücklichen Beziehung da bleibt Verletzung auch nicht immer aus. Das lässt sich in einer so intimen Beziehung wie einer Partnerschaft leider eben nicht immer vermeiden, in einer gesunden und in einer stabilen Partnerschaft da gibt es hinter der Verletzung aber in der Regel keine Intention. Der wird nicht mit voller Absicht verletzt. Da wird es nicht darauf angelegt, den Partner zu schaden, ihn zu verletzen, zu erniedrigen. Da wird sich nicht bewusst dafür entschieden zu schaden. Der zweite große Unterschied ist, dass da mit der Verletzung auch anders umgegangen wird. In der Regel steht in einer stabilen, in einer gesunden Beziehung nach der Verletzung der Wunsch nach Versöhnung und meistens damit einhergehend dann eben auch der Wunsch nach vielleicht Wiedergutmachung im Sinne einer Entschuldigung oder einer Aussprache.

Wie hast du das erlebt? Wie war das in der Partnerschaft, die du beschreibst?

 

Nadine Klein:

Die Versöhnung hatte mir eigentlich immer erst einmal untersagt, oder auch den Streit an sich hat er mir sogar schon untersagt. Er hat immer so lange provoziert, provoziert, provoziert und mich auch schikaniert, bis ich dann gesagt habe, okay, es reicht, sag, was los ist. Sag, was dich stört. Sag, was ich gemacht habe. Ich merke ja, dass irgendetwas im Raum steht. Entweder du sagst das jetzt, wir sprechen drüber und schaffen das aus der Welt oder wir reden dann halt beide nicht mehr miteinander. Wir ignorieren uns dann beide. Aber was ist das für eine Beziehung? Und dann hat er sich da raus gezogen. Dann hat er mich entweder mal sitzen lassen. Also im Urlaub ist er dann immer gerne abgehauen. Ich wusste dann auch immer nicht, wo er hin ist, wann er wiederkommt, ob er überhaupt wiederkommt. Er hat dann immer nur gesagt, er will jetzt nichts mit mir machen. Er will mich jetzt nicht sehen und weg war er.

Auch zuhause hat er mich entweder stundenlang oder auch tagelang teilweise in meiner Unsicherheit komplett schmoren lassen. Er hat dann immer gesagt, er will jetzt nicht reden. Ich zwinge ihn zu reden. Ich bin aggressiv. Ich möchte streiten. Ich hab gesagt, ich möchte die Dinge klären. Und wenn wie jetzt gerade auch wütend aufeinander sind, dann klären wie sie morgen. Das ist ja auch kein Problem, oder? In einer Woche. Aber er hat mir das immer komplett untersagt und meinte immer nein, wir sind geschiedene Menschen, wir gehen getrennte Wege. Melde dich nicht mehr bei mir. Lösche meine Nummer. Also absolut theatralisch, Hauptsache er lässt mich erst mal im Unklaren und gibt mir die Möglichkeit der Versöhnung oder auch des Klärens nicht. Das ist für mich auch die absolute Hölle gewesen. Auch ohne zu wissen, was überhaupt ist, was vorgefallen ist, warum wir streiten, warum er jetzt sauer auf mich ist, warum er mich seit Stunden oder seit Tagen ignoriert und auch ohne zu wissen, ob wir es überhaupt klären können, dann einfach sitzen gelassen zu werden. Und meistens hat er sich einen Tag später gemeldet und meinte ich hatte einen schlechten Tag, aber von mir aus können wir jetzt reden. Aber von seiner Seite aus gibt es eigentlich auch nichts zu reden, weil er liebt mich ja und er weiß, dass er mit mir zusammen sein möchte. Also am besten machen wir jetzt einfach da weiter, wo wir aufgehört haben.

 

Linda Mitterweger:

Wie ging es dir in dieser Zeit? Was hat diese Situation mit dir gemacht?

 

Nadine Klein:

Ich hab kaum essen können. Ich hab kaum noch schlafen können. Ich hatte so eine innere Unruhe die ganze Zeit. Ich war ein einziges Nervenbündel. Es war am Schluss auch wirklich soweit, dass ich nachts wach geworden bin, weil ich Herzrasen hatte. Ich bin auch zum Arzt gegangen, hab mich durchchecken lassen, hatte dann auch Langzeit Blutdruck Messgerät dran. Ich hab einfach  gemerkt, ich fühle mich wahnsinnig unsicher und komplett fertig mit den Nerven, selbst wenn dann wieder gute Phasen kamen.

Also selbst wenn er wieder Phasen hatte, wo er absolut toll und traumhaft war. Mir die größten Liebeserklärungen gegeben hat. Ich hab mich nicht mehr sicher gefühlt. Ich hab mich auch nicht mehr fallen lassen können und hatte auch nicht mehr das Gefühl, dass es jetzt ernst ist, was er sagt, sondern ich hatte dann vielmehr den Gedanken testet er mich gerade. Es ist jetzt gerade ein Test seinerseits, wo er guckt, wie reagiert sie und was sagt sie? Welche Komplimente macht sie mir jetzt oder welche Liebesbekundungen kommen von ihr? Und wenn das in seinen Augen nicht angemessen ist, dann war wieder die Hölle los.

 

Toxische Beziehung was ist das

 

Linda Mitterweger:

In so einer Situation, wenn man so oft die Welt nicht mehr versteht. Wenn die Stimmung so stark schwankt, wenn es ständig und vor allem so unvorhergesehen solche Gefühlsausbrüche gibt, dann hilft ja oftmals auch so ein Realitätscheck. Vielleicht so ein Blick von außen auf die Beziehungen. Gab es da jemanden, der dich unterstützen konnte? Welche Rolle haben da vielleicht auch Freunde und Familie in dieser Zeit eingenommen?

 

Nadine Klein:

Ich hatte niemanden, mit dem ich mich da austauschen konnte. Auch mein ganzes Umfeld war im Grunde von ihm beeinflusst und instruiert worden. Er hat es perfekt beherrscht, alle um sich herum, alle um mich oder um uns herum, auch wirklich dieses Bild von dem perfekten Partner zu verkaufen.

Und dementsprechend hat mir auch einfach niemand geglaubt.

 

Linda Mitterweger:

Was ein weiteres klassisches Merkmal von toxischen Beziehungen ist, die soziale Isolation. An deiner Geschichte sieht man so gut, dass soziale Isolation nicht nur über Kontaktverbot funktioniert, nicht nur darüber, den Kontakt zu Freunden und Familie zu verbieten, sondern dass man einen Menschen auch innerhalb seiner sozialen Beziehungen isolieren kann. Einfach darüber, dass ihm nicht mehr geglaubt wird, dass er nicht mehr ernst genommen wird. Hast du so was auch erlebt?

 

Nadine Klein:

Also das war auf jeden Fall ganz, ganz schwierig, weil ich das Gefühl hatte ich stoße nur auf taube Ohren. Er hat das natürlich immer sehr nach außen verkauft. Wie er ist, wie unsere Beziehung ist, wie harmonisch, wie sensibel, wie einfühlsam er ist und dementsprechend hat mir auch erst mal niemand geglaubt, wenn ich gesagt habe, irgendwas stimmt da nicht, irgendwas läuft da nicht richtig. Ich habe ein komisches Gefühl bei der Sache. Es gibt so viele Sachen, die ich nicht verstehe, wo ich sein Verhalten nicht verstehe. Da hat mir wirklich erst einmal niemand geglaubt. Also weder Familie noch Freunde. Alle waren total überrascht und meinten nur interpretiere da nichts rein,  er macht nur eine schlechte Phase durch. Jeder von uns hat mal eine schlechte Phase. Man darf es dann aber nicht am Partner auslassen. Ihr hattet eine Meinungsverschiedenheit, klärt das nochmal. Es war ja auch mal mein Gedanke, dass man alles klären kann, dass man sich über alles einig wird, selbst wenn man sich einig wird, dass man sich nicht einig wird und dann getrennte Wege geht. Aber ich war der Meinung, man kann über alles im Leben reden und auch mit jedem Menschen kann man irgendwie reden. Und deswegen musste ich unfassbar lange das auch alles mit mir erst mal ausmachen.

 

Linda Mitterweger:

Du hast es jetzt schon angedeutet. Irgendwann ist es dir gelungen, den Weg aus dieser Beziehung zu gehen. Du hast dich getrennt. Nimm uns doch mal mit dahin. Wie ist dir das gelungen und welche Herausforderungen haben sich da vielleicht auch noch gestellt?

 

Nadine Klein:

Die Trennung war ehrlich gesagt die Hölle. Da bin ich dann richtig richtig durchs Fegefeuer gegangen. Er hat erst mal noch versucht, mich umzustimmen, das Ruder nochmal herumzureißen. Hat mir auch versichert, jetzt hat er es verstanden. Jetzt hat er seine Fehler eingesehen. Jetzt hätte sich ja alles geändert. Wenn ich jetzt auf die Trennung beharre, nehme ich ihm die zweite Chance. Und eigentlich hatte er ja schon die zweite Chance, die dritte, die vierte… Wenn man bedenkt, wie oft er im Streit Schluss gemacht hat. Er ist immer wieder zurückgerudert und hat dann mir die Entscheidung überlassen. Das war auch eine dieser Situationen und ich bin nicht wieder zurückgerudert, sondern ehrlich gesagt, ich möchte die Trennung durchziehen und kann einfach auch nicht mehr. Ich kann nicht mehr kämpfen und ich kann nicht mehr diskutieren. Ich kann nicht mehr streiten. Ich will auch nicht mehr streiten. Vor allem nicht, wenn ich merke, dass einfach keine Reflektion da ist, keine Einsicht und auch keine Empathie.

Das ist auch ein wahnsinnig wichtiges Wort. Ich habe nie gemerkt, dass er auch nur ansatzweise empathisch war mit mir, verstanden hat, was er gerade wirklich macht. Und auf der einen Seite hat er dann mir verkündet Ja, jetzt hätte sich ja alles geändert. Auf der anderen Seite habe ich aber Nachrichten bekommen, die jenseits von Gut und Böse waren, z. B. sag du nur ein schlechtes Wort über mich und ich mach dich richtig fertig. Genauso habe ich auch Nachrichten bekommen, ich lese immer alle deine Nachrichten auf dem Handy mit und wenn du das nicht willst, musst du deine Passwörter ändern. Ich bin trotzdem gegangen und habe den Kontakt total abgebrochen. Ich habe ihn überall blockiert und jegliche Möglichkeit genommen, mich weiterhin zu schikanieren und mich weiterhin zu verletzen.

 

Toxische Beziehung und Narzissmus

 

Linda Mitterweger:

Wahnsinn! Wenn du das erzählst, dann kann ich richtig spüren, wie viel Energie dich das gekostet hat, wie viel Energie dich das auch heute noch kostet, wie viel Überwindung es auch kostet, darüber überhaupt zu sprechen. Wie ist das heute für dich?

 

Nadine Klein:

Das mag jetzt hart klingen, aber ich glaube, dass es nie endet. Zumindest ist das die Erfahrung, die ich gemacht habe, dass es immer noch nicht vorbei ist, wo er noch eine Chance und eine Möglichkeit sieht, nochmal nachzutreten nutzt er diese auch. Er ergreift jede Möglichkeit, schlecht über mich zu reden. Ich hab so viele Lügen gehört, die er über mich verbreitet. Das kann ich nicht beeinflussen, das einzige, was ich machen kann, ist, dass ich ihm jeglichen direkten Kontakt zu mir verwehre. Das war für mich unfassbar schwer und hat auch Wochen gedauert, bis ich es begriffen habe, weil eigentlich bin ich so, dass ich sage, man kann alles klären, man kann mit jedem reden, man muss nicht im Schlechten auseinander gehen. Irgendwie wird man sich einig und selbst wenn man sich einig wird, dass man sich nicht einig wird, wünscht man sich alles gut und geht getrennte Wege, weil irgendetwas hat man ja füreinander empfunden. Man hat ja für eine zeit lang den gleichen Lebensweg geteilt. Aber das war ein Punkt, den ich einsehen musste, dass es ein Spiel ist, welches ich einfach nicht gewinnen kann. Und das einzige, was ich machen kann, ist, mich aus diesem Spiel raus zuziehen. Ich spiele es nicht mehr. Er läuft einfach ins Leere. Auch wenn das bedeutet, dass ich für mich keinen Abschluss von diesem ganzen Kapitel finden kann.

 

Linda Mitterweger:

Aus deiner Schilderung wird so deutlich, wie viel Grenzüberschreitung es in dieser Beziehung gab und was bei Grenzüberschreitung hilft. Und das ist wirklich das einzige, was da hilft. Das ist, sich noch stärker abzugrenzen und das hast du getan. Durch diesen vollständigen Kontaktabbruch. Und ich kann mir vorstellen, dass das alles andere als leicht war. Du hast meinen größten Respekt dafür, dass dir das gelungen ist, aus dieser Beziehung zu gehen und auch stark zu bleiben. Das ist für ganz viele Betroffene eine unglaublich große Herausforderung. Hast du vielleicht auch da einen Tipp? Wie kann es gelingen, da stark zu bleiben, den Gegenwind auszuhalten, der da kommt und bei dieser Entscheidung, die man getroffen hat, zu bleiben?

 

Nadine Klein:

Ich glaube, da muss man ganz individuell schauen, wem kann ich mich anvertrauen? Sind Freunde oder Familie da, die vielleicht auch ein bisschen dafür sensibilisiert sind. Das war bei mir auch erst einmal schwierig, weil auch das komplette Umfeld, wie ich schon gesagt habe, perfekt da mit eingebunden war. Also auch das war alles Teil seiner Inszenierung. Sich nach außen hin eine Fassade aufzubauen, die alle glauben und wo ich erst mal ins Leere gelaufen bin. An der Stelle wäre es vielleicht auch gut gewesen, sich therapeutische Hilfe zu suchen. Jemand, der unabhängig ist, der objektiv ist. Das hab ich zwar nicht gemacht, ich hab dann einfach super viel gelesen, mir Videos angeguckt und Podcasts angehört, weil ich dann erst so nach und nach verstanden habe, was eigentlich wirklich vor sich gegangen ist in dieser Beziehung.

 

Toxische Beziehung Tipps Nadine Klein

 

Linda Mitterweger:

Ich kann mir vorstellen, dass deine Entscheidung nicht unbedingt leicht hingenommen wurde. Oftmals gibt es dann ja Reaktionen auf ganz viele verschiedene Arten und Weisen. Womit wurdest du von deinem früheren Partner denn da im Nachgang eurer Beziehung noch konfrontiert? Wie bist du dem auch begegnet?

 

Nadine Klein:

Er sieht sich als armes Opfer, der von heute auf morgen von mir sitzen gelassen wurde. Und das einfach so stehen zu lassen und so zu tun, als würde es mich nicht interessieren, ist unfassbar schwer. Aber das einzige, was ich mir gedacht habe, ich möchte nicht ewig darunter leiden. Ich möchte mein Leben wieder leben. Ich möchte nicht sein Opfer sein, egal was er mit mir gemacht hat, egal was er mir angetan hat. Ich gebe ihm diese Genugtuung nicht. Ich gebe ihm auch nicht die Aufmerksamkeit und das war auch ein Grund, warum ich nie öffentlich drüber gesprochen habe. Diese Aufmerksamkeit, die er bekommen hätte, das wäre wieder eine Bestätigung für ihn gewesen. Das ist genau das, was er möchte, auch zu sehen, aha, ich hab sie fertiggemacht. Ich hab sie gebrochen. Eben weil ich auch nach außen hin immer though wirke. Ich wirke immer mega selbstbewusst. Ich wirke so, als hätte ich mein Leben wunderbar im Griff und unter Kontrolle, dass wäre für ihn auch die komplette Bestätigung und der Gewinn zu sehen, ich hab’s geschafft, den wollte ich ihm einfach nie geben. Also diese Genugtuung und diese Bestätigung bekommt er von mir nicht.

 

Linda Mitterweger:

Ein unglaublich starkes Statement und so wichtig, sich selbst starke Grenzen zu setzen. Grenzen, die man auch selbst nicht übertritt, um stark bleiben zu können. Oft zeigt sich nach einer vermeintlich negativen Erfahrung dann doch die ein oder andere Leere, die damit einhergeht. Das ein oder andere Learning vielleicht. Wie ist das bei dir? Wie siehst du aus heutiger Perspektive auf diese Zeit?

 

Nadine Klein:

Es hat mich schon extrem verändert. Ich muss auch sagen, ich bin viel klarer geworden in dem, was ich möchte, was ich nicht möchte, was ich mir gefallen lasse, auch in einer Beziehung. Ich hoffe mal, oder ich würde wirklich mal felsenfest behaupten, dass ich das heute definitiv nicht mehr mit mir machen lassen würde. Aber meine Alarmglocken schrillen jetzt einfach auch früher. Ich bin sehr sensibel für solche Anzeichen, aber hab daraus auch viel positives für mich gezogen. Zumindest hab ich das einfach auch versucht. Ich wollte das einfach für mich so angehen, dass ich eben nicht als Opfer aus dieser Beziehung rausgehe. Es ist was, was mir passiert ist, es ist eine Beziehung, in der ich mich befunden habe.

Aber ich mag einfach diesen Opfer Begriff nicht, weil das hat immer so was leidendes, so was gebrochenes. Und ich war immer in meinem Leben, egal was mir passiert ist, egal wie viel Sch… mir passiert ist, war ich immer jemand der sich aufrappelt, weitermacht. Ich will mich einfach auch von so etwas nicht kaputtmachen lassen. Und letzten Endes hat es mich zu einer stärkeren Person gemacht, zu einer thougheren Person, zu einer Frau, die auch nochmal dazugelernt hat. Ich bin der Meinung, wir werden nie alt genug, um zu sagen Ich kann nichts mehr dazulernen, auch über mich selbst, weil diese Beziehung hat unfassbar viel über mich selbst ausgesagt, dass ich den Fehler immer bei mir suche, dass ich immer denke, ich bin nicht gut genug für meinen Partner oder für andere Menschen. Diesen Punkt hat er sicherlich auch ein Stück weit gespürt und hat ihn einfach komplett ausgenutzt. Diese Unsicherheit bei mir und auch diese Angst etwas falsch zu machen. Die Angst, nicht gut genug zu sein. Die Angst nicht zu genügen. Genau diese Unsicherheiten hat er genommen und auf die Spitze getrieben. Und das auch zu begreifen, dass das auch viel über mich gesagt hat, dass ich daran arbeiten muss, dass ich an mir arbeiten muss. Das hat mir wirklich viel Positives mitgegeben.

 

Toxische Beziehung beenden Tipps

 

Linda Mitterweger:

Und das, auch wenn ich das niemandem wünsche, das auf diese Art und Weise zu lernen. Aber auch das ist eine unglaublich wichtige Lehre. Das kann dir jetzt helfen zu lernen, dich besser abzugrenzen, deinen Selbstwert zu stärken, besser mit dir selbst umzugehen, zu lernen, was du wert bist und was du auch verdient hast.

 

Nadine Klein:

Also es ist toll, wenn man ein gutes Herz hat, wenn man empathisch ist und wenn man mit dem Partner zusammen einer Beziehung arbeitet. Weil jeder von uns hat Fehler, jeder von uns hat Unsicherheiten, jeder von uns hat Ängste. Ich genauso. Ich bin auch nicht fehlerfrei, aber das ist die große Herausforderung in der Beziehung. Sich wirklich darauf einzulassen, zusammen daran zu arbeiten und darüber zu kommunizieren. Aber es müssen einfach auch beide wollen. Und wenn eine Person da ist, wenn ein Partner da ist, der komplett unglücklich und unzufrieden ist und irgendwelche eigenen Dämonen bekämpft. Das darf er dem anderen nicht aufbürden. Ich hab das bei ihm ja alles gesehen. Seine eigenen Unsicherheiten, seiner eigenen Verletztheit. Er macht das nicht, weil er ein böser Mensch ist. Er macht das, weil er selber mit sich überhaupt nicht im Reinen ist und überhaupt nicht klarkommt. Aber das darf er niemand anderem aufbürden. Und das ist einfach auch der große Punkt, den man erkennen muss, wenn du mit dir selbst nicht glücklich bist, dann kann auch niemand anderes dich glücklich machen.-

 

Linda Mitterweger:

Gibt es was, was du anderen Menschen, die vielleicht in einer ähnlichen Situation stecken, gerne mitgeben möchtest, wodurch du sie vielleicht auch noch bestärken möchtest in ihrem Tun und in ihrem Sein.

 

Nadine Klein:

Ich musste ja auch irgendwie damit abschließen, ansonsten hätte ich damit nie wirklich einen Abschluss finden können, weil dieses Spiel ewig und drei Tage weitergehen würde. Aber im Grunde, wenn ich jetzt zurückblicke, können einem solchen Menschen nur leidtun. Jeder macht irgendwelche Sch… im Leben mit. Ich hab auch so viel mitgemacht. Ich könnte rein theoretisch das größte A… der Nation sein, aber die Frage ist ja lässt du das mit dir machen? Und rechtfertigt das, wenn du dann mit anderen Menschen schlecht umgehst? Nein. Es zeigt viel, viel mehr Größe, das für sich dann zu verarbeiten. Daraus zu lernen, auch aus den eigenen Fehlern zu lernen und auch zu sagen okay, es wird mir kein zweites Mal passieren. Und sein Leben zu leben und glücklich zu werden. Und genau das ist auch das, was ich gemacht habe. Das ich daraus so viel Stärke und Kraft gewonnen habe, weil ich mich durch niemanden und auch nicht durch ihn zu Hass und Wut und Aggression verleiten lassen möchte. Das Recht hatte er  nicht.

 

Toxische Beziehung beenden

 

Linda Mitterweger:

Ich habe wirklich den Eindruck, dass du da heute eine sehr, sehr weise und sehr reflektierte Sicht auf diese Situation hast. Ich finde, dass da eine außerordentliche Großzügigkeit mitschwingt, wenn du sprichst. Eine Großzügigkeit, die sagt ich bin vielleicht nicht damit einverstanden, was da passiert ist und welches Verhalten da gezeigt wurde. Aber ich kann die Geschichte und die eigentlichen Bedürfnisse dahinter sehen und ich kann vielleicht sogar vergeben, um Frieden für mich und für mein eigenes Leben zu gewinnen.

 

Nadine Klein:

Die größte Lehre, die ich gemacht habe, ist, dass ich wirklich drauf schaue wie verhält sich jemand mir gegenüber? Ich lasse mich nicht mehr von Worten blenden. Ich lasse mich nicht mehr von Versprechungen blenden, sondern ich muss wirklich sehen, wie jemand mir gegenüber sich benimmt, welches Verhalten er an den Tag legt und nur das zählt für mich, weil reden kann jeder, versprechen kann auch jeder viel. Ich muss einfach merken, der andere tritt mir gegenüber respektvoll auf und mit Empathie. Ich glaube, das ist auch ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Egal ob es um Freundschaften oder Beziehung geht. Aber es muss einfach Respekt und Empathie vorhanden sein, weil ansonsten ist dieses Miteinander immer sehr, sehr einseitig.

 

Linda Mitterweger:

Okay, das heißt, Respekt und Empathie sind zwei grundlegende Voraussetzungen, die du in einer Partnerschaft erwartest und die dir in einer gewissen Weise zeigen, hier bin ich sicher. Was du gerade auch angesprochen hast die Taten sind es, was zählt. Es kann viele leere Worte geben, nur die Taten zählen, nur das, was dann wirklich folgt.

 

Nadine Klein:

Das finde ich einen extrem wichtigen Punkt , und zum anderen, auch wenn ich es nicht verstanden habe, was damals vor sich geht, habe ich es gefühlt. Mein Bauchgefühl hat mir gesagt, diese Beziehung ist absolut ungesund. Ich wusste nichts von irgendwelchen Definitionen, wie eine toxische Beziehung aussieht oder was ein Narzisst genau ist. Aber ich habe einfach gemerkt, das alles macht mich krank. Ich habe immer weniger geschlafen, ich habe immer weniger essen können. Ich war ein absolutes Nervenbündel, ich hab mich verändert. Ich hab gesagt, ich kenne mich so nicht wieder. Ich hab mich richtig vor mir selbst erschrocken. Wie fertig ich mit den Nerven bin, dass ich heule und teilweise wirklich wütend werde, weil ich so provoziert werde, nonstop. Das war auch der Punkt, an dem ich gesagt hab ich gehe. Diese Beziehung macht mich zu etwas, was ich nicht sein will und was ich eigentlich auch nicht bin. Und das war einfach zu viel irgendwann.

 

Tipps für toxische Beziehungen von Nadine Klein

 

Linda Mitterweger:

Das glaube ich dir. Und das merke ich auch im Gespräch mit dir. Ich merke, wie dich das immer noch berührt. Und ich danke dir aus vollem Herzen dafür, dass du deine Geschichte heute hier im Podcast mit mir und mit allen Zuhörern und Zuhörerinnen geteilt hast. Du bist hierhergekommen mit dem Wunsch, Menschen durch deine Geschichte zu unterstützen. Und ich glaube, dass uns das hier mit diesem Interview gelungen ist. Ich glaube, dass deine Geschichte sehr viele Menschen unterstützt und ermutigt.

Ich hoffe es. Wie geht es dir jetzt damit?

 

Nadine Klein:

Ich glaube, es ist einfach wichtig in einer solchen Situation den Mut zu haben und zu gehen. Es ist keine Schande, wenn einem so was passiert ist. Das spricht nur dafür, dass man ein Mensch mit einem guten Herzen ist. Und das gute Herz muss man sich einfach auch beschützen, bewahren, pack es ein, nimm es mit und gib es jemanden, der dir guttut!

 

Linda Mitterweger:

Absolut und ich denke das sind wunderbare Schlussworte. Liebe Nadine, danke, dass du hier bist. Danke, dass du so viel Mut machst. Danke, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Danke, dass du deine Erfahrung zur Verfügung stellst, damit wir daraus lernen können. Es war mir eine unglaubliche Freude, dich hier im Paartherapie Podcast zu Gast zu haben. Ich konnte für mich ganz viel mitnehmen und ich denke, damit bin ich nicht allein.

 

Nadine Klein:

Vielen herzlichen Dank, dass ich hier sein durfte. Und es fällt mir auch alles unfassbar schwer, darüber zu sprechen. Aber ich hoffe, dass es bei den richtigen Personen ankommt. Bei Personen, die es brauchen  können, die vielleicht einfach eine Portion Mut gerade brauchen und das wünsche ich einfach jedem, der da draußen ist.

 

Narzissmus und toxische Beziehungen

 

Vielen Dank, dass du beim Interview mit Nadine Klein dabei warst.

Ich konnte mir viel aus diesem Gespräch mitnehmen und bewundere Nadine sehr für ihren selbstbewussten und starken Umgang mit dieser Erfahrung und ganz besonders dafür, dass sie bereit war, sich damit hier im Podcast zu zeigen und so vielen Menschen dabei zu helfen, ihre eigenen Erfahrungen besser zu verstehen und vielleicht den Mut zu entwickeln, sich aus einer ähnlichen Situation zu befreien.

Danke liebe Nadine – schön, dass du im Paartherapie-Podcast warst!


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Linda Mitterweger Psychologe Psychologin Berater Beraterin PSY-ON HilfeLinda Mitterweger  (Psychologin)

Ich helfe Menschen eine glückliche und erfüllte Partnerschaft zu leben – in Nahbeziehung und auch in Fernbeziehungen, trotz der Distanz. Ich selbst habe bereits viele Jahre Fernbeziehungen geführt und kenne die Herausforderungen, die diese Beziehungsform bietet – aber auch die Chancen. Mit meiner Unterstützung kannst du die Kommunikation und Offenheit in deiner Beziehung stärken und so gute Lösungen für die Herausforderungen finden, die sich dir in deinem Leben und in deiner (Fern-)Beziehung stellen. Neben der Fernbeziehungsberatung biete ich Online-Paartherapie über Videochat an. Kontaktiere mich für deine 90-minütige Power-Session oder verabrede direkt online deinen nächsten Termin.


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