Toxische Beziehungen – Der Umgang mit narzisstischen Partnern

Veröffentlicht von Linda Mitterweger am

Toxische Beziehungen – Der Umgang mit narzisstischen Partnern

Tipps von der Narzissmus-Expertin Susanne Kraft

 

Ich bekomme immer wieder Nachrichten von Menschen, die in toxische Beziehungen geraten sind. Die eine Beziehung mit einem Narzissten eingegangen sind. Der Weg aus solchen Beziehungen heraus ist schwierig – aber möglich. Mit Narzissmus-Expertin Susanne Kraft habe ich im Interview über toxische Beziehungen – Beziehungen mit Narzissten – gesprochen. Heute gibt es die Tipps der Expertin für dich!

Du erfährst in diesem Blogpost

  • was eine toxische Beziehung ist und
  • woran man merkt, dass der eigene Partner narzisstisch ist.
  • Wie du dich vor einer solchen Beziehung schützen kannst
  • und auf welche Warnsignale du achten musst.
  • Mit welchen Methoden Narzissten überhaupt in sozialen Beziehungen und Partnerschaften manipulieren
  • und wie du aus einer solchen Beziehung wieder herauskommst.

Du kannst das komplette Interview mit der Narzissmus-Expertin Susanne Kraft nachlesen und zudem auch hier anhören:

Toxische Beziehungen und narzisstische Partner

 

Toxische Beziehungen – was ist das?

Der Begriff „toxische Beziehung“, der heute gerne verwendet wird, kann zum besseren Verständnis auch ersetzt werden mit den Begriffen „schädliche Beziehung“, „ungesunde Beziehung“ oder „destruktive, schwierige Beziehung“.

Es handelt sich hier um Beziehungen, die weh tun. Die mehr Kraft kosten als sie geben und auf Dauer seelisch und körperlich krank machen.

Du kannst eine toxische Beziehung unter anderem daran erkennen, dass du dich dauerhaft unwohl fühlst, nicht angenommen oder sogar herabgesetzt von deinem Gegenüber. Das kann der eigene Partner sein, toxische Beziehungen gibt es aber auch in der Beziehung zu dein eigenen Eltern oder Geschwistern.

 

Toxische Beziehung was ist das

 

Worin unterscheidet sich eine toxische Beziehung von einer gesunden Partnerschaft?

  • Extremes Streitverhalten

In der toxischen Beziehung ist der Stresspegel deutlich erhöht. Es gibt hier deutlich mehr Streit, der ausgesprochen dramatisch geführt wird und auch endet. Konflikte werden existenziell ausgetragen – die Situation wirkt schnell bedrohlich.

  • Starkes Machtgefälle

Beziehungen mit Narzissten zeichnen sich zudem durch ein starkes Machtgefälle aus. Der narzisstische Partner beansprucht die Macht und Führung in der Beziehung für sich. Er lässt nicht zu, dass ihm die Macht genommen wird: Versuche jeglicher Art, auf Augenhöhe zu kommen, führen zu starken existenziellen Konflikten.

  • Emotionale Abhängigkeit

Dieses Machtgefälle führt auf die Dauer dazu, dass der andere Partner sich zwangsläufig dem Narzissten unterwirft. Und diese Form der Unterwerfung führt zu einer emotionalen Abhängigkeit: Der Gedanken an Trennung wird ausgesprochen schwierig. Es ist kaum vorstellbar, sich zu trennen. Ein Leben ohne den Partner ist außerhalb der eigenen Vorstellung: Allein der Gedanke an Trennung wirft existenzielle Ängste auf.

  • Trennung wird als Entzug wahrgenommen

Schafft es ein Partner dennoch, sich zu trennen, durchlebt er einen körperlichen und psychischen Entzug – ähnlich der Entwöhnung bei einer stofflichen Sucht. Es treten körperliche Symptome auf, beispielsweise Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Unruhezustände oder Schweißausbrüche.

 

Was tun bei toxischen Beziehungen

 

Warnsignale: Wie lassen sich toxische Beziehungen vermeiden?

Beziehungen mit Narzissten zeichnen sich in der Regel durch einen über die Maßen perfekten Anfang aus: Ein romantisches Feuerwerk der Gefühle – ein Fest der Liebe. Vorsichtig sollte man werden, wenn das Verhalten des Partners „ein bisschen zu viel des Guten“ ist, sagt die Expertin, wenn Gedanken kommen, wie: „Das ist zu gut um wahr zu sein!“ Dann sollte unbedingt genauer hingesehen werden. Die Geduld des Partners möglicherweise ein wenig auf die Probe gestellt werden: Meint er es ernst und besteht echtes Interesse – fernab von einer narzisstischen Persönlichkeit – wird der Partner bereit sein, deine Gefühle langsam zu erobern und in kleinen Schritten gemeinsam vorwärts zu gehen.

Der Narzisst geht berechnend vor, scannt sein Gegenüber komplett durch, liest es und durchdringt die Person mit all ihren Schwachstellen – diese werden dann später gegen sie verwendet. Zu Beginn der Beziehung geschieht eine Aufwertung und Idealisierung des Opfers um Vertrauen zu schaffen. Im weiteren Verlauf der toxischen Beziehung wandelt sich das dann ins genaue Gegenteil: Abwertung und schmerzhafte Verletzung.

Dieses Phänomen zu Beginn der toxischen Beziehung nennt sich in der Fachsprache „Love Bombing“ – mit Liebe regelrecht zugeschüttet oder zugebombt werden. Das Ziel dieser Liebesbombe besteht darin, dass sich das Opfer später immer an diesen feurigen ersten Moment – die ideale Beziehung – zurück erinnert und überzeugt ist, den idealen Partner, den Seelenverwandten an seiner Seite zu haben. Diese Liebesbombe entpuppt sich als das Gift, das die toxische Beziehung im weiteren Verlauf aufrecht erhält.

 

Wie erkennt man Narzissten

 

Symptome der toxischen Beziehung: Woran du narzisstische Partner erkennst

Zu den typischen Verhaltensweisen, die narzisstische Partner in toxischen Beziehungen anwenden, zählen

  • Manipulationen
  • Lügen
  • Betrug
  • Ausbeutung
  • andauernder Stress
  • Schuldzuweisungen
  • Vorwürfe
  • Entwertungen

Diese Verhaltensweisen können in subtiler, passiv aggressiver Form Einzug in deine Beziehung finden oder sogar lebensbedrohlich werden und die Opfer an den Rande ihrer Verstandesmöglichkeiten bringen. Sie soweit bringen, ihre eigenen Gedanken und Empfindungen anzuzweifeln und sich selbst keinen Glauben mehr zu schenken.

Die Manipulationsmethoden des Narzissten werden permanent angewendet und können so weit gehen, dass Doppelleben geführt werden und mehrere Partnerschaften gleichzeitig bestehen. Es kann zu totaler finanzieller Ausbeutung kommen. Auch Schläge und Tätlichkeiten sind leider keine Seltenheit.

 

Hilfe bei narzisstischen Partnern

 

Unterstützt werden die narzisstischen Partner in ihrer Mission der tiefen Verunsicherung durch zwei Faktoren:

Soziale Isolation der Opfer

Schon früh in der Beziehung isoliert der narzisstische Partner sein Opfer vollkommen. Diese Isolation ist Teil der narzisstischen Beziehung. Der Kontakt zu Freunden, Familie und Kollegen wird auf Wunsch des Narzissten meist komplett abgebrochen oder auf ein Minimum heruntergebrochen: Der Narzisst macht sich um einzigen intimen Vertrauten und zur alleinigen Bezugsperson seiner Opfer. Alle anderen Beziehungen bestehen nur noch oberflächlich.

Aussendung von Unterstützern in Form von sog. „Flying Monkeys“

Der narzisstische Partner scharrt Unterstützer um sich, die er instrumentalisiert hat – die sogenannten „Flying Monkeys“. Die Aufgabe dieser Menschen besteht darin, das Opfer tief zu verunsichern, noch mehr zu verwirren oder eine Trennung und damit den Absprung aus der Beziehung durch gutes Zureden zu verhindern.

Sätze, die typisch für solche instrumentalisierten Helfen sind, können beispielsweise lauten

  • „Es war doch gar nicht so schlimm!“
  • „Er*Sie leidet so sehr und es geht ihm so schlecht!“
  • „Er*Sie vermisst dich so!“
  • „Du warst doch eigentlich der*die Schuldige!“
  • „Du musst dich um ihn*sie kümmern!“

Solltest du dich in einer solchen Situation wiedererkennen: Hole dir bitte Hilfe! Lass dich unterstützen von Experten wie Susanne oder wende dich an eine Beratungsstelle.

 

Sich von toxischen Beziehungen trennen

 

Toxische Beziehungen abbrechen: Wie kommst du da wieder heraus?

Der Weg aus der toxischen Beziehung fängt bei dir an! Eine Trennung ist sicherlich leichter, wenn noch keine Ehe geschlossen, noch keine Familie gegründet ist. Eine Trennung ist aber in jedem Fall möglich.

Schritt 1:  Sich die Situation bewusst machen

Der Ratschlag der Expertin für einen ersten Schritt in Richtung Trennung von einem narzisstischen Partner lautet in jedem Fall: Sich mit der Beziehung auseinandersetzen. Darüber nachdenken, was gerade passiert.

Schritt 2:  Die Isolation aufbrechen

Im zweiten Schritt sollte versucht werden, die Isolation so gut wie möglich aufzubrechen. Sich zu öffnen und wieder auf Freunde oder die Familie zuzugehen. Dieser Schritt ist kein leichter, da sich sorgende Freunde und Familienmitglieder vormals mit allen Mitteln davon überzeugt wurden, dass in der Beziehung alles gut geht. Hier gilt es, über den eigenen Schatten zu springen und zuzugeben, dass doch nicht alles gut ist und dass Hilfe benötigt wird oder zumindest Gesprächsbedarf besteht. Gemeinsam mit neuen Verbündeten kann der Ausstieg geplant werden, Rückhalt gesucht und Unterstützung gesichert werden.

 

Tipps für toxische Beziehungen

 

Schritt 3:  Gute Selbstfürsorge

Die alten Muster, die sich in dieser dysfunktionalen Beziehung gefestigt haben, müssen durchbrochen werden. Es wird Zeit, wieder gut für dich zu sorgen.

  • Treibe Sport, bewege dich! Und wenn es nur ein kurzer Spaziergang ist.
  • Ernähre dich gut und gesund!
  • Schlafe ausreichend.
  • Verlasse die Starre, in die du durch die Beziehung gelangt bist.
  • Mache Yoga, erlerne eine Achtsamkeitspraxis.

Es geht darum, wieder mit dir in Kontakt zu kommen. Mit dem eigenen Selbst, das du in dieser Beziehung ganz stark verloren hast.

In der Beziehung liegt der Fokus oft sehr stark auf dem Partner. Es geht darum, sich bloß nicht falsch zu verhalten, alles richtig zu tun – auch wenn das gar nicht möglich ist. „Walking on Eggshells“ wird das in der Fachsprache genannt: „Auf Eierschalen laufen“. Bloß nichts tun, was den Zorn des Partners erneut erwecken lässt. Und dabei verlierst du dich selbst und deine Bedürfnisse ganz automatisch vollkommen aus den Augen.

Schritt 4:  Sich Unterstützung und Beratung suchen

Der Weg aus einer solchen Beziehung ist schwierig! Dein Partner wird alles daran setzen, dich davon abzuhalten, zu dir selbst zurück zu finden. Es kann helfen, sich unterstützen zu lassen. Von jemandem, der dir die Hintergründe erklären kann, der mit dir gemeinsam neue Skills und neue Strategien entwickelt.

Ich kann dir die Arbeit mit der Expertin Susanne Kraft aus tiefster Überzeugung empfehlen – persönlich in München oder über das Telefon. Du erfährst mehr über sie und ihre Arbeit auf www.susannekraft.com.

Sollte dir eine solche Beratung aus finanziellen oder sonstigen Gründen nicht möglich sein, bietet beispielsweise die Caritas kostenlose Beratung – online und anonym. Mehr Informationen dazu findest du hier.

 

Woran erkennt man toxische Beziehungen

 

Die Trennung durchhalten – wie kann das gelingen?

Die Trennung zu schaffen und dann aufrecht zu erhalten ist eine große Herausforderung in toxischen Beziehungen.

Die klare Aussage der Expertin lautet: Keinerlei Kontakt mehr!

…wenn das möglich ist. Denn damit bist du auf der sicheren Seite. Das bedeutet auch, absolut konsequent und diszipliniert zu sein. Den Partner auf allen Kanälen zu blockieren und mental stark zu arbeiten: Abhängigkeits- und Entzugsgedanken nicht nachzugeben.

Unterstützen kann auch hier Meditation, Achtsamkeit, Selbstbewusstsein und Selbstwahrnehmung.

Und allen Versuchen des narzisstischen Ex-Partners zu wiederstehen. Denn auch hierfür gibt es einen Begriff – das „Hoovering“; nach dem amerikanischen Staubsauermodell „Hoover“ genannt. Der Narzisst legt sich nochmal ins Zeug und testet alle Rückholversuche.

  • Er schwört die Liebe,
  • verspricht, dass ab jetzt alles anders wird und
  • dass er mit allem anderen aufgehört hat.
  • Er behauptet zu wissen, wie du dich fühlst und
  • schwört sich zu ändern.

Und hier braucht es Standhaftigkeit um alle Rückholversuche auszuschlagen und die Bemühungen abprallen zu lassen.

Der Narzisst folgt typischen Verhaltensmustern und Regeln, die – wenn sie einmal durchschaut sind – fast vorhersagbar eintreffen. Das Verhaltensrepertoire ist überschaulich, wenn auch wirkungsvoll.

 

Typische Merkmale von toxischen Beziehungen

 

Gemeinsam mit Susanne habe ich zum Abschluss drei ultimative Tipps für Menschen, die Erfahrungen mit Narzissten gemacht haben, für dich gesammelt.

3 Tipps für den Umgang mit Narzissten

Tipp 1: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen…!“

Schalte dir Ohren aus, dreh den Ton ab. Schau einfach mal nur drauf, was dein Partner tut – und nicht mehr was er sagt!  So kannst du Klarheit bekommen, was wirklich in eurer Beziehung passiert. Das gibt möglicherweise sofort die Erkenntnis, die zwar schwer zu akzeptieren ist, dich aber auf dem Weg aus der Beziehung unterstützt: Dass der narzisstische Partner nicht hält, was er verspricht.

Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen!

Tipp 2:  „Erkenne dich selbst!“

Erkenne, was die Situation mit dir zu tun hat. Verlasse die Opferrolle. Denke nicht nur darüber nach, welche Fehler dein Partner gemacht hat und wie er sich falsch verhalten hat. Dass du in dieser Beziehung gelandet bist, zeigt, dass es Dinge gibt, die aufgearbeitet werden müssen. Traue dich dort hinzusehen!

Tipp 3:  Erkenne die Chance in dieser Beziehung

Erkenne, dass es möglicherweise eine Selbstwertproblematik gibt, die dich in diese Situation gebracht hat. Erkenne diese Defizite und Verletzungen, die dich dazu gebracht haben, diese Beziehung überhaupt einzugehen und so lange auszuhalten, an. Und erkenne sie als Schatz an und traue dich, den kraft- und liebevollen Weg zu gehen aus dem Schmerz heraus zu erblühen und freier und klarer zu werden.

 

Eine Beziehung mit einem Narzissten führen

 

Die Expertin:  Susanne Kraft

Susanne Kraft ist Drehbuchautorin, Systemische Beraterin und Narzissmus-Expertin. Seit einem guten Jahrzehnt setzt sie sich mit den Themen emotionale Abhängigkeit, narzisstische Störung und toxische Beziehung auseinander, die sie aus ihrer eigenen Biografie gut kennt. Sie berät Menschen, die sich aus Beziehungen mit Narzissten befreien wollen oder unter den Folgen dieser Beziehungen leiden. In der systemisch fundierten Beratung geht sie weg vom Klagen oder sog. „Blaming“ – raus aus der Opferrolle – und arbeitet kreativ: Die Geschichte des eigenen Lebens kann neu gestaltet und geschrieben werden.

Mehr über Susanne Kraft und ihre Arbeit erfährst du auf www.susannekraft.com.

 


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Linda Mitterweger Psychologe Psychologin Berater Beraterin PSY-ON HilfeLinda Mitterweger  (Psychologin)

Ich helfe Menschen in Fernbeziehungen, trotz der Distanz eine erfüllte Partnerschaft zu leben. Ich selbst habe bereits viele Jahre Fernbeziehungen geführt und kenne die Herausforderungen, die diese Beziehungsform bietet – aber auch die Chancen. Mit meiner Unterstützung kannst du die Kommunikation und Offenheit in deiner Beziehung stärken und so gute Lösungen für die Herausforderungen finden, die sich dir in deinem Leben und in deiner Fernbeziehung stellen. Neben Einzelsitzungen und Online-Paartherapie biete ich Beratungspakete für Frauen und Männer zu verschiedenen psychologischen Themen an. Kontaktiere mich für deine 90-minütige Power-Session oder verabrede direkt online deinen nächsten Termin.


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