Konflikte in der Fernbeziehung – Eine Streitkultur etablieren

Veröffentlicht von Linda Mitterweger am

Konflikte in der Fernbeziehung

Eine Streitkultur etablieren

 

Fernbeziehung schützt leider nicht vor Streit – auch über die Distanz ergeben sich Konflikte. In meiner Fernbeziehungsberatung habe ich schon ganz unterschiedliche Strategien erlebt, die Paare an den Tag legen, um Streitigkeiten in ihrer Fernbeziehung zu begegnen. Manche Paare sparen sich alle Streitthemen bis zum Wochenende auf, um die Konflikte dann persönlich zu klären. Andere Paare streiten über Skype oder über das Telefon.

Auch hier gilt: Es gibt kein Richtig und kein Falsch!

Jede Beziehung ist anders, jedes Paar hat andere Bedürfnisse. Wichtig ist:

Etabliert eine Streitkultur, die zu euch und eurer Beziehung passt.

Welche Möglichkeiten es hierfür gibt und wie es euch gelingen kann, Konflikte zukünftig konstruktiv zu lösen, erfährst du in diesem Artikel.

 

Streiten in Fernbeziehungen

 

Keine Angst vor Streit

Oft erlebe ich, dass Paare – ganz egal ob in Nah- oder Fernbeziehungen – Konflikte scheuen und Streit vermeiden. Dieses Verhalten entsteht oft aus Angst, ein Streit könnte die Beziehung nachhaltig verschlechtern oder sogar zur Trennung führen. Oft liegt das an tief sitzenden Glaubenssätzen und Überzeugungen. Doch was kannst du dagegen tun?

Stelle dir folgende Fragen:

  • Was bedeutet Streit für mich?
  • Wie wurde in meiner Familie gestritten?
  • Wie war mein Streitverhalten mit bisherigen Partnern?
  • Was löst Streit in mir aus?

Dich selbst und dein eigenes Streitverhalten besser kennenzulernen kann dir helfen, es zu verändern.

Beispiel aus der Praxis

In meiner Fernbeziehungsberatung arbeitete ich vor Kurzem mit einem Paar, für das sein Streitverhalten ein großes Problem darstellte. Während mein Klient Streit als notwendig ansah und dazu nutzte, die Beziehung langfristig zu entspannen, indem schwierige Themen ein für alle Mal angesprochen und aufgeklärt wurden, stellte die Austragung von Konflikten für meine Klientin eine existenzielle Bedrohung der Beziehung dar. Für ihren Partner stellte der Streit ein Zeichen eines großen Vertrauensverhältnisses dar. Durch sein Streitverhalten konnte er ausdrücken, was ihm an der Beziehung liegt und er daran festhalten, sie sogar verbessern, möchte. Währenddessen weckten die Konflikte in meiner Klientin die große Angst, verlassen zu werden und das Gefühl, nicht akzeptiert und geliebt zu werden.

Durch eine offene Kommunikation in meiner Beratung konnte dieses Missverständnis aufgeklärt werden. In neuen Konfliktsituationen weiß meine Klientin jetzt, dass sie nicht um die Aufrechterhaltung der Beziehung fürchten muss während ihr Partner darauf achten kann, sich so auszudrücken, dass er ihr nicht das Gefühl gibt, mit dem Gedanken an eine Trennung zu spielen.

 

Keine Angst vor Streit

 

Streitverhalten als Qualitätsmerkmal einer Beziehung

Dinge offen anzusprechen und zu sagen, was stört, zeichnet mitunter eine gute Beziehung aus. Wer streitet tut genau das! In Beziehungen, in denen eine gute Streitkultur etabliert ist, können die Partner Schwierigkeiten offen und ohne Angst ansprechen und es kann so gelingen, das Vertrauen ineinander und in die Beziehung sowie die Qualität der Beziehung zu steigern.

Was ist dafür nötig?

Um eine gute Streitkultur zu etablieren, müsst ihr über euren Schatten springen – ihr müsst das Gespräch miteinander suchen und den Konflikt eingehen. Oft bietet es sich an in harmonischen Zeiten, wenn es keinen akuten Streitpunkt gibt, darüber zu sprechen, was ihr euch gegenseitig im Streit voneinander wünscht. Was euch richtig wütend macht und was euch besänftigt. So könnt ihr im Ernstfall respektvoll miteinander streiten ohne den anderen zu verletzten.

Wie es euch gelingen kann, konstruktiv zu streiten und hitzige Streitgespräche in gewinnbringende Kompromisse umzuwandeln, kannst du in meinen 5 Tipps zur Vermeidung von Streit nochmal nachlesen.

 

Sondersituation: Streit in Fernbeziehungen

Paare in Fernbeziehungen sehen sich der Situation ausgesetzt, nicht immer die Möglichkeit zu haben, im persönlichen Kontakt zu streiten. Oft spielen Erwartungen eine Rolle: Die wenige gemeinsame Zeit will harmonisch verbracht werden und nicht mit Streit. Wie du solchen Erwartungen am besten begegnest kannst du in meinem Artikel zum Thema Erwartungen in Fernbeziehungen nochmal nachlesen. Fest steht auf jeden Fall: Einen Streit zu unterdrücken um der Harmonie willen ist meiner Erfahrung nach oft pures Gift für die Wochenendstimmung. Wenn es unter der Oberfläche brodelt ist die harmonische Zweisamkeit so oder so dahin. Ich plädiere dann dafür, die Probleme offen anzusprechen und beizulegen um die restliche Zeit genießen zu können.

 

Liebe auf Distanz und Konflikte

 

Oft ist es keine Option, den Streit bis zum nächsten persönlichen Treffen hinauszuzögern. Jedes Paar muss dann für sich entscheiden, wie es mit dieser Situation umgehen möchte.

Option 1:       Streiten über Videochat

Diese Möglichkeit bietet den Vorteil, dass ihr euch gegenseitig sehen könnt. Missverständnissen kann so leichter begegnet werden und auch wenn ihr keine Möglichkeit zur Berührung habt, besänftigt es erfahrungsgemäß bereits, die Mimik und Gestik des Partners wahrzunehmen. Achtet bei dieser Option auf eine gute Internetverbindung – Verbindungsprobleme, Einfrieren des Bildes oder jeden Satz wiederholen zu müssen stellt zusätzliche Stressfaktoren dar, die in Streitsituationen oft nicht förderlich für eine gute Einigung sind.

Option 2:       Streiten über Telefon

Ihr könnt euch zwar nicht sehen, habt die Stimme des anderen aber sehr nah und damit die Möglichkeit, seine Stimmung und seine Emotionen einzuschätzen. Achtet bei dieser Option darauf, euch einen ruhigen Ort für das Gespräch zu suchen – in der U-Bahn streitet es sich meist nicht besonders gut. Es ist wertschätzend eurem Partner gegenüber, sich Zeit und Raum für ein Streitgespräch zu nehmen. Ihr investiert damit ja in eure Beziehung. Noch ein No-Go: Während des Telefonats einfach auflegen. Stellt euch dem Konflikt und diskutiert ihn auf einer Ebene, die eurer Beziehung würdig ist. Wenn du dich darüber ärgerst, was dein Partner dir sagt, erkläre ihm was in die vorgeht. Ein „Ich fühle mich durch deine Worte angegriffen und verletzt und weiß gerade nicht, wie ich damit umgehen soll“ wird mehr Verständnis in deinem Partner hervorbringen als wütend den Hörer aufzulegen. Fühlst du dich angesprochen? Handelst du in Streitsituationen impulsiv, obwohl dir bewusst ist, dass das nicht zur Besserung beiträgt? Mit den richtigen Übungen kann ich dich dabei unterstützen, deine Impulsivität besser zu kontrollieren und durch ruhige Reaktionen zu guten Kompromissen in Diskussionen zu kommen. Schreibe mir und lasse dich unterstützen!

Option 3:       Streiten über Nachrichten

Diese Option bietet sich vor allem dann an, wenn du deine Worte gerne sorgfältig wählst. Nachrichten bieten dir die Möglichkeit, dir ganz genau zu überlegen, was du sagen möchtest und dies dann sorgfältig zu formulieren – ohne von deinem wortgewaltigen Partner unterbrochen zu werden. Auch für die Reaktion kannst du dir so viel Zeit nehmen, wie du möchtest. Tipp: Oft hilft es, Missverständnissen vorzubeugen – denn das stellt die größte Gefahr bei geschriebenen Streitgesprächen dar – wenn du den Text zwei- oder dreimal liest und dich dabei darauf konzentrierst, ihn neutral zu betonen und weniger voreingenommen.

 

Streit am Telefon

 

Die große Gefahr bei Streitgesprächen in Fernbeziehungen besteht in der Möglichkeit, Missverständnisse nicht zu bemerken. Oft fassen die Partner Aussagen unterschiedlich auf, interpretieren zu viel.

 

Der Schlüssel zum Erfolg: Kommunikation

Findet eine Konfliktregelung, die euch hilft, in entspannter Atmosphäre zu streiten. Oft hilft es, ein Streitgespräch nicht aus dem Affekt zu beginnen, sondern die Situation erst zu beruhigen und später wieder Kontakt zu suchen, um den Konflikt beizulegen.

Klärt in jeder Situation aufs Neue, ob ihr euch richtig verstanden habt. Erkläre deinem Partner, wie du seine Sichtweise verstanden hast und frage nach, ob er es so gemeint hat. Frage deinen Partner auch, was er gehört hat, wenn du ihm deine Sichtweise dargelegt hast. Ein Abgleich darüber, was ihr verstanden habt kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden.

Allgemeine Tipps zur Kommunikation in Fernbeziehungen kannst du in diesem Artikel nochmal nachlesen.

 

Habe keine Angst vor schlechter Stimmung!

Natürlich hast du den Wunsch nach Harmonie, möchtest die gemeinsame Zeit oder die Telefonate mit deinem Partner in guter Stimmung verbringen. Doch wenn Konflikte offen angesprochen und geklärt werden, wenn Beziehungsaufbau stattfindet und ihr euch sagt: „Uns liegt etwas aneinander – es läuft nicht immer reibungslos aber wir streiten und verhandeln darüber, damit es zwischen uns langfristig klappt“ dann wird das auf Dauer einen Mehrwert für eure Beziehung darstellen. Die schlechte Stimmung wird bald wieder vorbei sein – auf lange Sicht werden euch gelöste Konflikte dabei helfen, die Harmonie in eurer Beziehung zu maximieren.

Nicht immer ist es leicht, ein Gespräch mit dem Partner zu suchen. Oft sind die Themen, die zu Streit führen unangenehm und du möchtest sie nicht ansprechen. Ich unterstütze dich gerne dabei, eine adäquate Streitkultur in deiner Beziehung zu etablieren. Kontaktiere mich und gemeinsam finden wir heraus, wie du die Konflikte in deiner Beziehung so lösen kannst, wie es zu dir und deinem Partner passt.


Eine Fernbeziehung stellt oftmals eine große Herausforderung dar! In meiner geschlossenen Facebook Gruppe „Fernbeziehung meistern! Tipps & Austausch für die Liebe auf Distanz“ erhältst du die Gelegenheit, dich mit anderen Fernbeziehungs-Erfahrenen auszutauschen und bekommst zusätzlich jede Woche Tipps & Übungen passend zum Wochenthema von mir. Ich beantworte dort deine Fragen und biete einen geschützten Rahmen für den offenen und ehrlichen Austausch über Probleme und Herausforderungen. Trete jetzt direkt bei – ich freue mich auf dich!


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Linda Mitterweger Psychologe Psychologin Berater Beraterin PSY-ON HilfeLinda Mitterweger  (Psychologin)

Ich helfe Menschen in Fernbeziehungen, trotz der Distanz eine erfüllte Partnerschaft zu leben. Ich selbst habe bereits viele Jahre Fernbeziehungen geführt und kenne die Herausforderungen, die diese Beziehungsform bietet – aber auch die Chancen. Mit meiner Unterstützung kannst du die Kommunikation und Offenheit in deiner Beziehung stärken und so gute Lösungen für die Herausforderungen finden, die sich dir in deinem Leben und in deiner Fernbeziehung stellen. Neben Einzelsitzungen und Online-Paartherapie biete ich Beratungspakete zu verschiedenen psychologischen Themen an. Kontaktiere mich für deine 90-minütige Power-Session oder verabrede direkt online deinen nächsten Termin.


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