Wie wir miteinander sprechen – die vier Kommunikationsformen

Veröffentlicht von Linda Mitterweger am

Wie wir miteinander sprechen

Die Kommunikationsformen nach Virginia Satir

 

Abhängig davon, welche Worte du wählst, wie deine Gestik und Mimik wirkt, welche Körperhaltung du einnimmst und wie deine Stimme klingt, transportierst du Inhalte auf unterschiedlichste Weise – und löst differenzierte Reaktionen bei deinem Gegenüber aus.

Virginia Satir, Psychotherapeutin und Mutter der Familientherapie, fasst zusammen:

Wann immer du sprichst, spricht alles an dir.

 

Kommunikation miteinander sprechen

 

Beispiel aus der Praxis:

Vor einigen Wochen wurde ich mit genau diesem Thema in der Paarberatung konfrontiert. Beide Partner erzählten mir, dass es in ihrer Beziehung häufig zu Streit käme, wenn gemeinsame Entscheidungen anstünden. Mein Klient erzählte mir, dass sie kurz vor der Beratung darüber gesprochen hätten, welches Ziel sie für eine große Reise im kommenden Jahr festlegen  sollten. Während seine Partnerin schon konkrete Ideen hatte und sich baldmöglichst festlegen wollte, fühlte mein Klient sich noch zu wenig informiert und nicht bereit, eine Entscheidung zu treffen. Er berichtete mir, dass seine Frau in der Diskussion laut geworden war und ihm vorgeworfen habe, sich vor einer Entscheidung zu drücken. Er sah sich mit Vorwürfen konfrontiert, die mit der eigentlich zu treffenden Entscheidung nicht mehr im Zusammenhang standen, sondern alte, bereits vergangene Beziehungskonflikte, wieder aufgriffen. Seine Partnerin schilderte, die Situation gänzlich anders erlebt zu haben. Während sie sich bemühte, baldmöglichst zu einer Einigung zu kommen um die weitere Reiseplanung zu erleichtern, sei ihr Partner gar nicht daran interessiert, sich mit dem Thema zu befassen. Stattdessen wechselte er vom Reiseprojekt zu anderen Themen, schlug etwa vor, einen gemeinsamen Schrebergarten anzumieten und kommentierte das Thema Urlaub mit zahlreichen Witzen. Die Klientin fühlte sich durch das Verhalten ihres Partners nicht ernst genommen und mit der Reiseplanung alleine gelassen – sie spielte mit dem Gedanken, die Reise abzusagen.

 

Ohne es zu bemerken, nutzten beide Partner unterschiedliche Kommunikationsformen und sendeten doppeldeutige Botschaften. Während meine Klientin anklagend und fordernd kommuniziert neigt ihr Partner dazu, abzulenken und auszuweichen. So kommt es in der Kommunikation immer wieder zu Missverständnissen und Schwierigkeiten.

Dieses Verhalten kann nicht nur in Paarbeziehungen beobachtet werden – auch im täglichen Kontakt zu Kollegen und Freunde wenden wir unterschiedliche Kommunikationsmuster an. Meist benötigen wir die verschiedenen Formen der Kommunikation wenn wir in Stresssituationen geraten, z.B. wenn wir vor einem Problem stehen, für das wir die Lösung nicht kennen oder sich Meinungsverschiedenheiten mit dem Gegenüber anbahnen. Nicht jeder Mensch folgt strikt einem Muster – wahrscheinlich mischst du verschiedene Formen und kommunizierst in verschiedenen Situationen kontextabhängig. In diesem Artikel stelle ich dir die vier „gestörten“ Kommunikationsmuster, wie Virginia Satir sie nennt, vor, erkläre dir woran du merkst, welches Muster du selbst und dein Gegenüber gerade anwenden und welche Reaktion du auf welche Kommunikationsform zu erwarten hast.

 

Beschwichtigen in der Kommunikation

 

Form 1: Beschwichtigen

Wenn du diese Kommunikationsform anwendest verhältst du dich versöhnlich und besänftigend. Du stimmst deinem Gegenüber schnell zu, traust dich nicht, etwas einzufordern und bist stets bereit, dich für dein Verhalten zu entschuldigen. Dies könnte zur Ursache haben, dass du dich manchmal hilf- und wertlos fühlst und den Eindruck hast, deinem Gegenüber ausgeliefert zu sein. Um nicht abgelehnt oder verlassen zu werden bist du bereit, jeglichen Kompromiss zu schließen und verzichtest darauf zu wiedersprechen. Das löst bei deinem Gegenüber vielleicht Mitleid aus und führt dazu, dass dir Hilfe angeboten wird. Es kann jedoch auch passieren, dass dein Umfeld dir sehr viel abverlangt und Dinge von dir fordert, die deine Grenzen überschreiten.

Tipp: Stärke deinen Selbstwert!

Kompromissbereit zu sein ist eine gute Eigenschaft, die dir dabei hilft, ausgeglichene soziale Beziehungen zu führen. Achte dabei jedoch darauf, deine eigenen Grenzen nicht zu übertreten. Auch deine Bedürfnisse sind wichtig und sollen erfüllt werden. Gerne unterstütze ich dich dabei, deinen Selbstwert zu stärken und Grenzen dort zu setzen, wo sie angemessen sind. Rufe mich an – zusammen machen wir dich selbstbewusst und stark!

 

Anklagen im Streit

 

Form 2: Anklagen

Gehörst du, wie meine Klientin, zu den Klägern, zeigst du forderndes und beschuldigendes Verhalten. Du unterbrichst dein Gegenüber im Gespräch und bist nicht bereit, ihm zuzustimmen. In deiner Sprache finden sich viele Verallgemeinerungen – Worte wie „nie“, „immer“, „jedes Mal“. Außerdem verwendest du negative Fragen; also „Warum tust du es nicht?“ anstatt von „Ist es für dich möglich, das zu tun?“. Oft steckt der Wunsch nach Anerkennung dahinter. Du hast vielleicht die Erfahrung gemacht, nicht gehört oder verstanden zu werden und hast Angst vor ungerechter Behandlung. Also handelst du frei nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Dein Umfeld reagiert auf dein anklagendes Verhalten meist mit Angst, Furcht und Rückzug – oder wird wütend.

Tipp:  Lerne, dich zu zeigen!

Ich-Botschaften zu senden kannst du lernen! Lasse dein Gegenüber an deinen Gedanken und Bedürfnissen teilhaben. Wenn du ihm klar machst, was du von ihm brauchst wird er eher bereit sein, es dir zu geben – denn: Keiner wird gerne mit Vorwürfen überschüttet. Lese in meinem Artikel „Zeige dich! Du bist gut, so wie du bist.“ Nochmal nach, wie es dir zukünftig besser gelingen kann, dich zu zeigen und dadurch erfülltere soziale Beziehungen zu führen. Gerne unterstütze ich dich dabei, deine destruktiven Abläufe zu unterbrechen und Negatives in Positives zu übersetzen – kontaktiere mich.

 

Rationalisieren und Intellektualisieren

 

Form 3: Rationalisieren / Intellektualisieren

Wenn du zur Gruppe der Menschen gehörst, die rationalisierendes Verhalten in Stresssituationen zeigen, bleibst du von außen betrachtet ganz ruhig. Du begründest rational und rechtfertigst deine Entscheidungen. Du erklärst Details und legst den Fokus auf die Unterscheidung von richtig und falsch. Oft wirkst du wie ein Beobachter von außen – du beschreibst die Situation neutral, verwendest beispielsweise Sätze wie „es kann gesehen werden“ statt „ich sehe“. Dein Verhalten möglicherweise durch eine Angst zu erklären, die Kontrolle zu verlieren und ausgeliefert zu sein. Das kann zu verschiedensten Reaktionen bei deinem Gegenüber führen. Je nachdem, welche Kommunikationsform er an den Tag legt, fühlt er sich von deinem Monolog gelangweilt, lenkt ab, um Unruhe zu stiften oder fühlt sich klein und unwissend neben dir. In jedem Fall fühlt sich dein Gegenüber passiv und findet keinen Zugang zu dir.

Tipp:  Traue dich, Gefühle zu zeigen!

Du benötigst wahrscheinlich Anerkennung und Wertschätzung – dafür ist es nötig dich zu zeigen. Lese in meinem Artikel „Die 4 Grundgefühle“ noch einmal Informationen zu den wichtigsten Gefühlen nach und erfahre, weshalb du so fühlst wie du fühlst. Es fällt oft schwer, sich persönlich zu zeigen, die eigenen Emotionen preis zu geben und der Angst vor Kontrollverlust standzuhalten. Ich unterstütze dich dabei, dich intensiver auf soziale Situationen einzulassen – schreibe mir!

 

Ablenken in Konflikten

 

Form 4: Ablenken

Mein Klient gehört definitiv zu den Ablenkern – du auch? Merkst du manchmal, wie du in Stresssituationen ausweichst und dich auf irrelevante Themen oder Fakten stürzt? Du wechselst schnell das Thema und vermeidest konkret zu werden? Als Ablenker suchst du Kontakt, hast Angst davor, alleine gelassen zu werden und Einsam zu sein. Deshalb lenkst du vom Problem, das Missstimmung verursachen kann, ab. Aber Vorsicht: Damit irritierst du dein Gegenüber! Ein plötzlicher Themenwechsel wirkt befremdlich und führt dazu, dass dein Gegenüber sich erst recht von dir entfernen wird.

Tipp:  Kommuniziere deine Angst!

und gehe in den Konflikt. Lerne, dass du nichts Schlimmes zu befürchten hast. Wenn dein Gegenüber weißt, dass du Angst davor hast, nach dem Konflikt verlassen zu werden, kann er oder sie dir diese Angst wahrscheinlich nehmen. Durch dauerhaftes Ablenken und Konfliktvermeidung stellst du die Beziehung wahrscheinlich stärker auf die Probe als du denkst. Ich kann dich dabei unterstützen, deine Ängste, Gedanken und Gefühle zu erkennen und zu kommunizieren – du musst das nicht alleine schaffen!

 

Gibt es eine Form, in der du dich besonders stark wiedererkennst? Überlege, welche Kommunikationsmuster dir aus deinem Umfeld bekannt sind. Mischst du vielleicht mehrere Kommunikationstypen oder passt dich deinem Gegenüber an?

 

Verschiedene Formen der Kommunikation

 

Es gibt verschiedene Erklärungen dafür, weshalb du zu einer bestimmten Kommunikationsform besonders neigst.

Kommunikation als Lernen am Modell

Vielleicht fällt dir ab und zu auf, dass du dich in bestimmten Situationen verhältst wie deine Eltern, beispielsweise in Stresssituationen die gleiche Form der Kommunikation wählst wie sie. Das ist ein Beispiel für das sogenannte Modelllernen. Als Kind dienen die Eltern als Vorbild – von ihnen hast du in deinen ersten Lebensjahren viel gelernt und viele Verhaltensweisen übernommen. Auch das Streitverhalten und ihren Umgang mit Konflikten und Stresssituationen. Es kann sein, dass du dieses Verhalten, das du durch deine Eltern erlernt hast, bis heute beibehalten hast und dich in ähnlichen Situationen verhältst, wie du es bei ihnen beobachtet hast. Erfahre hier mehr darüber, weshalb du dich möglicherweise ganz ähnlich entwickelst wie deine Eltern.

Lösung des geringsten Widerstands

Möglicherweise hast du auch im Laufe deines Lebens verschiedene der Kommunikationsformen ausprobiert – in unterschiedlichen Situationen andere Lösungsstrategien gewählt. Dabei hast du wahrscheinlich festgestellt, welches der Kommunikationsmuster sich am besten bewährt hat. Und das hat dich dazu bewogen, dieses Verhalten verstärkt anzuwenden. Vielleicht konntest du auch feststellen, dass du in verschiedenen sozialen Situationen mit unterschiedlichen Mustern den größten Erfolg hast. Dass du bei deiner Mutter beispielsweise eine andere Kommunikationsform anwenden musst um zu erreichen, was du dir wünschst, als bei deinem Vater. Das erklärt, weshalb du deine Art zu kommunizieren manchmal abhängig davon, wer dir gegenüber steht, änderst.

 

Veränderung bei der Kommunikation

 

Du wirst in der Beziehungsgestaltung mit deinen Mitmenschen dann erfolgreich sein, wenn du offen, direkt und klar kommunizierst. Du solltest bereit zu Kompromissen sein und die Regeln dann ändern, wenn es erforderlich ist. Deine Kommunikation sollte zudem sowohl dir, als auch deinem Gegenüber die Freiheit zugestehen, die eigenen Meinung zu äußern. Dann werden deine Interaktionen auf voller Achtung und Wertschätzung sein. Du wirst lernen, dass Beziehungen auch dann weitergehen, wenn sie sich verändern und es wird dir gelingen, im Hier und Jetzt zu handeln.

Sei dir bewusst:

Konflikte sind Chancen zur Entwicklung!

Kontaktiere mich sehr gerne und lass uns zusammen an deine Konfliktfähigkeiten und deinen Kommunikationsmustern arbeiten um erfüllende soziale Beziehungen zu leben. Ich unterstütze dich sehr gerne!


Leidest du unter kurzzeitigem oder langanhaltendem Stress? Lese in meinem Artikel „Was Stress mit dir macht“ nochmal nach, wie sich Stress auf deinen Körper und deinen Geist auswirkt und erfahre mehr über den „Fight-Flight-Freeze“-Reflex, eine typische Stressreaktion.


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Linda Mitterweger Psychologe Psychologin Berater Beraterin PSY-ON Hilfe
Linda Mitterweger  (Psychologin, M.Sc.)

Ich unterstütze Menschen dabei, die Probleme und Herausforderungen, die ihnen das Leben stellt, aus eigener Kraft heraus zu meistern. Meinen Klienten gelingt es, durch meine Hilfe, ihre persönlichen Ziele zu erreichen und gute Lösungen für sich zu finden.

In meiner psychologischen Online-Beratung PSY-ON berate ich Einzelpersonen und Paare psychologisch via Videochat, Telefon und Chat. In meiner Fernbeziehungsberatung biete ich Paartherapie via Videochat von zwei verschiedenen Orten an.


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